„Gombroman“, das ist nicht nur der Titel seines Buchs, sondern auch die Beschreibung des Autors selbst. Er sei gombroman, gibt Rüdiger Fuchs zu. Er habe sich fast schon manisch mit der Person Witold Gombrowicz beschäftigt. Fünf Jahre hat er damit verbracht, alles über den polnischen Autor herauszufinden und auf dessen Spuren zu wandeln. Herausgekommen ist ein Buch, das nicht so richtig ein Roman ist, aber eben doch ein bisschen. Der Autor selbst sagt, über die Form des Buches lasse sich streiten.
Rüdiger Fuchs begann seine Lesung mit dem ersten Kapitel seines Buches. In diesem erzählt er, wie er überhaupt zu Gombrowicz kam. Er sei in einer nächtlichen Sendung des Deutschlandfunks über diesen Namen gestolpert. Auch wenn nichts von dem Gesagten in seinem Gedächtnis geblieben war, so doch eine Vorstellung. Die Vorstellung, dass die Werke Gombrowiczs hermetisch seien. Es schien bereits eine große, nach außen abgeschlossene Fangemeinde zu geben, der Fuchs unter keinen Umständen beitreten wollte.
Sein Interesse aber blieb doch irgendwie bestehen und es reizte ihn herauszufinden, wie, nicht was, Gombrowicz schrieb. So habe er also immer wieder stichprobenartig in dessen Romane rein gelesen. Letztendlich muss der Stil dann ja doch eine gewisse Anziehungskraft auf ihn ausgeübt haben. Ansonsten hätte die gestrige Lesung im Peter-Weiss-Haus wahrscheinlich nicht stattgefunden.
Nachdem Rüdiger Fuchs seinen ersten Ausschnitt beendet hatte, erzählte er ein wenig so über Gombrowicz. Dessen letzte Idee sei es gewesen, über Schmerz zu schreiben. Auch die darin auftretenden Personen hatte er bereits konzipiert. Ein Mann und eine Fliege. Bloß aufschreiben konnte er dies nicht mehr, da er vorher verstarb. Fuchs nutzte eben diese Idee als Inspiration für sein eigenes Werk. Nicht zuletzt das Titelbild – ein Mann mit einer übergroßen Fliege auf der Schulter - verrät genau diesen Hintergrund.
Inwieweit dieses Thema in seinem Buch auftaucht, verriet Fuchs mit dem nächsten Ausschnitt, den er vorlas. Er entführt die Zuhörer in das „Institut für Nachhaltige Bioökometrisch-genomodigitale Insektenforschung“, das er in der Geschichte in Rostock angesiedelt hat. Der Fliegenforscher Goldbach beschäftigt sich in diesem Institut mit der Sprache der Fliegen. Dem Zuhörer präsentierte Fuchs einen Fetzen aus dem alltäglichen Laborleben, in dem man fast teilhat an der „Sternstunde der Fliegenlinguistik“. Kern der Handlung rund um Goldbach ist jedoch eigentlich dessen Lektüre eines Textes, der sich mit Witold Gombrowicz beschäftigt.

Die Prognose des Autors, es würden nach dem Lesen garantiert Fragen offenbleiben, kann ich nur teilweise zustimmen. Fakt ist, dass das Buch eine ungewöhnliche Fülle an Themen aufweist. Wie er selbst sagte, habe ihn diese Vielgestalt des Buches beim Auswählen der Kapitel in Schwierigkeiten gebracht. Damit es dem Leser etwas besser erginge, habe er sich eigens ein Leser-Leitsystem einfallen lassen. Jeder Bereich ist gekennzeichnet und so kann der Leser selbst entscheiden, ob er alles lesen möchte, oder nur ausgewählte Teile. Wer zum Beispiel keine Reiseberichte mag, könne diese einfach überspringen.

Aufgabe des Gesprächs sollte vor allem die Beantwortung etwaiger offener Fragen sein, die ja prognostiziert wurden. Man hatte jedoch oft das Gefühl, dass die Interpretationen von Gabler weitergingen, als die eigentlichen Gedanken des Autors. So bescheinigte Wolfgang Gabler Fuchs dessen „vollkommene Kompromisslosigkeit in seiner ästhetischen Radikalität“. Diese würde seine Liebe zur Literatur sichtbar machen. Darauf sagte Rüdiger Fuchs nur: „So radikal bin ich gar nicht.“ Er fühle sich natürlich geschmeichelt, aber die Radikalität sei nicht geplant gewesen.

Dem Leser jedenfalls wird das Buch, denke ich, eine Reihe an Lachern bescheren. Wer sich also von der Vielschichtigkeit noch nicht abgeschreckt fühlt und erfahren möchte, ob es Goldbach gelingt die Fliegensprache zu entschlüsseln, der sollte es unbedingt lesen. Als kleines Extra kann man auf der Internetseite des Charlatan-Verlags Fotos zu Rüdiger Fuchs Reiseberichten in Augenschein nehmen.