Ruzica Zajec – Kleine Windstille
Installationen und Glasbilder in der Galerie wolkenbank
2. Mai 2011, von Stefanie
Den naheliegenden Standpunkt zu verlassen – das hat schon oft zu neuen Einsichten geführt. Auch bei Ruzica Zajec lohnt es sich, ihre Installationen und Glasbilder aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erkunden. Dafür reichen schon kleine Kopfbewegungen. Die überlagerten Strukturen ihrer Kunstwerke erzeugen auf diese Weise faszinierende dynamische Effekte, die dem Betrachter Einblicke in die Funktionsweise des Sehens ermöglichen. Noch bis zum 11. Juni kann man dies in der Galerie wolkenbank ausprobieren.

Die große Frontscheibe der Galerie für zeitgenössische Kunst in der Wollenweberstraße wurde ebenfalls in eine Installation eingebunden. Sie heißt „Kleine Windstille“ und hat der Ausstellung ihren Namen gegeben. Mehrere Glasscheiben unterschiedlicher Größe hat Ruzica Zajec dafür hintereinander auf dem Boden angeordnet, aufgestellt und gestapelt. Ein einfacher Strich – mit schwarzem Stift gezeichnet – verbindet die einzelnen Bestandteile. Im Zusammenwirken mit den Spiegelungen des Glases wird das geometrische Empfinden des Betrachters so auf raffinierte Weise irritiert.
Die Eigenschaften von Glas, seine Fähigkeit, das Gegenüber zu spiegeln und seine Transparenz, sind zentrale Aspekte in Ruzica Zajecs Arbeiten.
In den Bildern werden diese Eigenschaften erweitert. Mit Acrylfarbe mattiert die Künstlerin die Frontscheiben der Rahmen, wodurch sie integraler Bestandteil der Arbeit werden. Die entstandene Schicht reduziert die Transparenz und bietet so die Möglichkeit zarte Farbtöne herzustellen. Freie Flächen, die sie zuvor ausgekratzt hat, geben den Blick auf die darunter liegende Ebene wieder frei. Der Schatten von der oberen Farbschicht verstärkt den räumlichen Eindruck dieser Bilder.

Mit der räumlichen Staffelung der Bildschichten und dem Spiel mit rhythmischen Strukturen nimmt die Künstlerin Bezug auf konstruktive Traditionen, wie der Optical-Art, ordnet Kulturjournalist Hubert Steins die Arbeiten von Ruzica Zajec bei der Ausstellungseröffnung kunsthistorisch ein. Das Originelle an den Arbeiten, im Gegensatz zu den meist maschinell hergestellten Werken der Op-Art-Künstler, sei die hohe Arbeitsintensität, mit der Ruzica Zajecs ihre Bilder herstellt und ihnen ihre persönliche Handschrift verleiht, so Steins.

1959 in Kroatien geboren, hat Ruzica Zajec ihre künstlerische Ausbildung in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina und Hannover erhalten. Heute lebt und arbeitet sie im mecklenburgischen Kaarz. Über ihre Arbeitsweise sagt sie: „Erst einmal nachdenken und sich vorstellen, wie es werden könnte und am Ende kommt doch etwas ganz anderes dabei heraus. Das ist dann oft viel schöner, als es ursprünglich gedacht war.“
Wie schön es geworden ist, das schaut euch am Besten selbst an. Die Ausstellung kann noch bis zum 11. Juni mittwochs bis samstags von 14 bis 19 Uhr oder nach Vereinbarung besichtigt werden.