Fast 150 Jahre hat das rote Backsteinhaus in der Doberaner Straße 21 schon auf dem Buckel. Im Juni 1864 als Steinbecks Keller eröffnet war es über viele Jahre hinweg ein beliebtes Ausflugslokal vor den Toren Rostocks mit großem Veranstaltungssaal, Außen- und Innengastronomie und einem Panoramaturm, von dem man zumindest anfangs noch den Blick in die grüne Umgebung schweifen lassen konnte.
Später übernahm die Brauerei Mahn und Ohlerich das Gebäude, das sich in unmittelbarer Nähe zur Brauerei befand. Nach diversen Zwischennutzungen in den Kriegszeiten (es blieb von Bombentreffern verschont) wurde es 1948 zum Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (HdF). Unter diesem Namen war es auch noch lange Zeit nach 1990 bekannt, als unter anderem die Compagnie de Comédie oder der Zirkus Fantasia vom Baf e.V. in den Räumlichkeiten Unterschlupf fanden.

Eine Reihe weiterer gemeinnütziger Mieter haben sich seitdem unter dem Dach des Peter-Weiss-Hauses (PWH) versammelt: das Literaturhaus, der Verein Soziale Bildung mit seiner Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA), die auf Comic spezialisierte Buchhandlung Sequential Art oder die Subraum eG, die die Bewirtung im Freigarten anbietet, um nur einige zu nennen.

Doch wer heute das Gebäude betritt, entdeckt, dass der Zahn der Zeit auch am PWH unaufhörlich nagt. Farbe blättert von den Wänden im Eingangsbereich. Drei von vier Etagen des Hauses sind erst gar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Das soll sich zukünftig ändern. Bis zum großen 150-jährigen-Jubiläum 2014 soll das PWH noch einmal umfangreich saniert werden, erklärt Frank Aßmann, Architekt und Vorstandsmitglied im Peter-Weiss-Haus Verein. Dafür soll jetzt ein Bauantrag gestellt werden.
Er sieht den Ausbau der Etagen im Parterre, im Obergeschoss und unterm Dach vor. Auch die Räumlichkeiten im Hochparterre, wo jetzt die Büros der Vereine untergebracht sind, sollen zu Seminarräumen umgestaltet werden. Die Büros werden dann eine Etage nach oben verlegt. Wo sich früher die Küche befand, soll ein Indoor-Café entstehen. Der Durchgang zum Möckelsaal, in dem zukünftig Lesungen stattfinden sollen, wird wieder geöffnet.
Neben den bisherigen Nutzungen im Haus sollen außerdem Beherbergungsmöglichkeiten entstehen, die für den Seminarbetrieb und als Hostel angeboten werden. Dafür sollen Zimmer mit 60 bis 80 Betten im untersten und obersten Geschoss eingerichtet werden.

Seit der Verein das Haus 2009 von der Hanseatischen Brauerei gekauft hat, seien bereits 100.000 Euro in die Modernisierung der Haustechnik, den Einbau von Brandschutztüren, die Sanierung der Damentoilette und die Planungen für den Umbau geflossen, erklärt Frank Aßmann.

Aber auch nach der letzen großen Sanierung 1977 wurden einige innenarchitektonische Eingriffe vorgenommen, die heute als schützenswert gelten. Dazu zählt die große Karte der damaligen Sowjetunion, die der Rostocker Briefmarkenmaler Jochen Bertholdt an die Wand gezeichnet hat.
Der Bauantrag soll am Donnerstag auf der Sitzung des Ortsbeirates der Kröpeliner-Tor-Vorstadt vorgestellt werden. Dann werden auch Fragen zum barrierefreien Zugang oder Abstellmöglichkeiten für Fahrrad und PKW erläutert.
Weitere Informationen über die Geschichte und das heutige Leben im Peter-Weiss-Haus findet ihr auf der Website.