
Nein, nicht auf die klassische Weise mit Stift und Papier. Hier wurden echte Schiffe versenkt - Schiffe aus Papier, versteht sich. Das Versenken war natürlich nicht das eigentliche Ziel des Wettbewerbs. Vielmehr ging es um die Zuladung, die die selbst gebastelten - oder besser konstruierten - Schiffchen aufnehmen können, bis sie untergehen.
Bereits zum 14. Mal wurde der Internationale Papierschiff Wettbewerb heute am Lehrstuhl Schiffbau der Universität Rostock ausgetragen. Worum es geht? In einem Aquarium werden die Schiffe langsam mit Blei beladen – bis zum Untergang. Das Schiff mit der höchsten Tragfähigkeit gewinnt.
Zehn Gramm durfte solch ein Schiff maximal wiegen, viel mehr Vorschriften existieren nicht. Und so gab es reichlich Konstruktionen zu bestaunen, in allen Formen und Farben und - wie es sich gehört – mit klangvollen Namen.
Eines hatten sie heute aber alle gemeinsam, sie wurden dem nassen Element geopfert. Von der „MS St. Pauli“ (David-Sodi Ritz, Wossidlo-Gymnasium Waren), über „Hertha“ (Team MCG, Marie-Curie-Gymnasium Wittenberge) bis zur „Gossachta“.

Wer die Idee zur Teilnahme hatte? Ihr Lehrer habe ihnen vom Wettbewerb erzählt und sie seien natürlich sofort begeistert gewesen, erzählen sie mir. Gearbeitet haben die Schüler in vier Teams, die Grundlagen kamen aus dem Physikunterricht und einen Tag wurde intensiv zusammengearbeitet.
Zum heutigen Wettbewerb waren sie extra mit dem Zug aus Berlin angereist. Unterricht kann also doch Spaß machen – man muss nur auf die richtige Schule gehen.

Sein Studienfach? „Ich habe gerade eineinhalb Jahre in Stockholm studiert“, verrät er mir, „Leichtbau und Verbundbaustoffe.“ Wenn das nicht passt! Ist hohe Festigkeit bei geringem Gewicht doch gerade bei diesem Wettbewerb von enormer Bedeutung.
Ansonsten habe er in Dresden Maschinenbau studiert, mit der Vertiefung auf Luft- und Raumfahrt. Eigentlich sei er aber schon fertig: „Die Diplomarbeit ist abgegeben, ich warte nur noch auf das Ergebnis und einen Termin für die Verteidigung“, erzählte er mir. Luftfahrt und Schiffbau seien gar nicht so weit voneinander entfernt, ein Flugzeug- und ein Schiffsrumpf sind sich von der Art her sehr ähnlich. „Es gehe darum, die Konzepte zu verstehen, wo Kräfte auftreten, wie man sie abstützt und wie man Versteifungen sinnvoll gestaltet.“
Beeindruckend anzusehen waren die Querversteifungen. Wie sein Schiff entstanden ist? Mittels 3-D-Modell am Computer, „dann habe ich mir Schablonen zum Ausschneiden ausgedruckt“, so der Konstrukteur. Hightech beim Schiffe versenken!

Was die Weltrekordlerin gelernt hat? Damenmaßschneiderin ist sie. Ein paar Parallelen gib es da schon, so Gabriele Lüdtke, „man muss aufpassen, dass man Nähte nicht zu breit macht, sie müssen elastisch sein und auch beim Schnitt müsse man die Rundungen so berechnen, dass sich der Stoff ausdehnen kann. Das habe ich einfach aufs Schiff übertragen.“
Wie lange der Bau der Boote etwa dauert? „Das geht schnell, wir haben Schablonen – einer schneidet zu, der andere filzt, … – zwischen Kaffee und Abendbrot ist alles erledigt.“ Da in diesem Jahr keine Luftkammern mehr erlaubt seien, handelt es sich allerdings um eine komplette Neukonstruktion, so erfuhr ich.
Ob dies für sie eine Art Familienwettstreit wäre, wollte ich von den Beiden noch wissen, so nach dem Motto, der Gewinner muss ein Jahr lang nicht mehr abwaschen. „Keine schlechte Idee“, so Gabriele Lüdtke schmunzelnd, „aber daran hätten sie bisher noch nicht gedacht.“

Bei ihm hätten die Baumwurzeln Pate gestanden, die schräg in die Erde gehen und dem Baum Stabilität verleihen. Bei Gabriele Lüdtke waren es Bienenwaben, die als Vorbild dienten – kein Wunder bei dem Schiffsnamen „Wabienchen“.
Ein Geheimnis sei auch die Befüllungsanlage, die mir kurz demonstriert wurde. Sie soll die Kugeln anfangs gleichmäßig in die Verstrebungen verteilen.
Das Schöne an solch einem Wettbewerb? Der Ausgang lässt sich einfach nicht vorhersagen. Und so musste sich die Titelverteidigerin heute geschlagen geben. Trotz Befüllungsanlage verteilten sich die Bleikugeln einfach nicht schnell und gleichmäßig genug in den Verstrebungen.

Besonders Sten hielt es vor Spannung kaum noch aus. Mit einer vorsichtigen Prognose von 1.500 Gramm kamen noch etliche Boote nach ihnen an die Reihe und so mussten die Beiden lange bangen, ob ihr Ergebnis reicht.
500 Euro gab es neben dem Wanderpokal für die Brüder. Nicht wenig Geld für Jungs in diesem Alter – was sie mit dem Gewinn machen? „Keine Ahnung“, waren sich beide einig.

Die weiteren Plätze machten heute die Schüler des Wossidlo-Gymnasiums Waren unter sich aus. Bronze und Silber gingen mit der „Waren“ (2.276 Gramm) und der „PS Emil“ (2.208 Gramm) an Emil Baumotte und Raphael Creutzburg.
Platz vier gab es für die „Stella Maris“ (2.210 Gramm) von Antonia Sehmsdorf, Platz fünf für die „M.S. Crackmayre“ (2.103 Gramm) von Jonas Gretzler und Kristopher Kuhn.
Ein beachtlich knappes und konstantes Ergebnis! Ach ja, der anwesende Lehrer der Warener Schüler ist übrigens auch der Onkel der beiden Neumann-Brüder. Die Waren-Müritz-Gegend scheint durchaus ein gutes Plätzchen für Papierschiffbauer zu sein.

So für die beste Konstruktion. Hier siegten Jörn Kiele und Hannes Müller mit ihrem Boot „Schwimm?“. Die Konstruktion ihres knall-orangenen Schiffes hatte es also nicht nur mir angetan. Auch die Jury zeigte sich von ihr beeindruckt. Auf dem zweiten Platz landete der Rostocker Dirk Krompholz mit seiner „Schuhbert“. Mit 50 Euro Preisgeld wurde ihm die Anreise versüßt. Helga Sieber durfte sich mit „Hella“ über Platz drei freuen.

Viele hatten leider gar keine Prognose gewagt. „Das soll für alle ein Ansporn sein“, so Prof. Robert Bronsart, „beim nächsten Mal eine Prognose abzugeben.“

Platz zwei ging an Michael Wolgast („PFS Enterprise“, Wossidlo-Gymnasium Waren), den dritten Rang gab es auch hier für die Brüder Kai und Sten Neumann und ihre „Justus“.

Da darf man jetzt schon gespannt sein auf die 15. Auflage des Internationalen Papierschiff Wettbewerbs im kommenden Jahr.