
In jeder Hinsicht könnte man es als wahres Kontrastprogramm zu meinem letzten Besuch im Klostergarten sehen. Statt kuscheliger Atmosphäre und Regendusche gab es diesmal einen voll besetzten Publikumsraum mit Gästen jeder Altersgruppe und zuverlässiges schönes Wetter.
Nicht weniger als 37 Werke und über 150 Sonette werden Englands Erfolgsdramatiker William Shakespeare (1564 -1616) heute zugeschrieben. Was so um die 120 Stunden dauern würde, hat das Autorentrio Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield zu einem etwa 100-minütigen Stück gekürzt.

Den Anfang machte natürlich Shakespeares wohl bekanntestes Werk „Romeo und Julia“, das als Sängerwettstreit italienischer Schnulzen endete. Aber auch andere berühmte Stücke blieben von den Komikern nicht verschont.
So wurde „Titus Andronicus“ kurzerhand in eine moderne Kochshow umgewandelt, aus „Othello“ wurde sogar ein Rap-Song samt Tanzeinlage gemacht. Auch das weltweit momentan wohl meistgehasste Instrument, die Vuvuzela, fand ihren Einsatz bei den zu einer Fußballreportage umfunktionierten Konigsdramen.
Weil die Tragödien angeblich viel mehr Spaß machen, wurden sämtliche von Shakespeares Komödien in einer einzigen Geschichte eilig abgehakt. Die Sonette wurden auf einem winzigen Zettel gedruckt zum Selbststudium durchs Publikum gereicht.

Zur Darstellung von dem komplexen Innenleben Ophelias wurde das Publikum in vier Gruppen eingeteilt, die jeweils unterschiedliche absurde Sprechchöre aufsagen mussten. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, wurde eine Frau aus der ersten Reihe (wo ich auch fast gesessen hätte) auf die Bühne geholt, um schließlich Ophelias Schrei nachzustellen, als Hamlet sie verstößt.
Nach so einem Gruppenerlebnis war der Applaus am Ende überwältigend und auch das Allgemeinwissen über Shakespeare war um einen kleinen Teil gestiegen, jedenfalls bei mir. Die nächsten Vorstellungen des Stücks finden am 21., 25. und 26. Juni jeweils um 20:30 Uhr statt.