SMIEF – Schauspiel von Jacqueline Maria Rompa
Zickenalarm an der Bühne 602 – Kandidaten streiten um Aufmerksamkeit in einer Castingshow
5. Mai 2011, von Stefanie
Während die deutsche Wirtschaft wegen Mangels an Superfachkräften und Topingenieuren stöhnt, träumt die Jugend hierzulande von einer Karriere als Superstar oder Topmodel. Ganz so ist es natürlich nicht. Aber man könnte schon diesen Eindruck bekommen, schaltet man den Fernseher an.
DSDS, Popstars, GNTM – seit Jahren schon scheint der Casting-Boom auf den Fernsehkanälen ungebrochen. Heißt es: „Du bist im Recall“ geraten viele Bewerber in Ekstase, versprechen diese vier Zauberworte doch einen wichtigen Schritt nach oben auf der Karriereleiter.

Dabei ist noch nicht einmal Leistung oder Begabung zwingend erforderlich, wichtig ist vielmehr die mediengerechte Selbstdarstellung, um aus der Masse der vielen Mitbewerber herauszustechen. Ziel ist dabei nicht die Suche und Entwicklung eines Talentes, sondern die Castingshow selbst. Irgendwie muss das Programm ja kostengünstig gefüllt werden. Und die Zuschauerzahlen beweisen: Es kommt an bei der TV-Nation.
Kein Wunder also, dass man hier in Rostock auf den Zug aufspringt und ebenfalls eine eigene Casting-Show produziert. SMIEF, so der Name, steht für supermodernintelligenzerprobtefernsehsendung und wer den Sinn des Wortungetüms auf einen Blick erfasst, sollte sich vielleicht auch bewerben.

Maxi, Vivaja, Bella und Simone haben es getan und hatten das große Glück, gestern für den ersten Recall an der Bühne 602 ausgewählt zu werden. Doch nur eine Kandidatin kann das Rennen um die Gunst des Publikums gewinnen, erklärt der smarte Moderator Ken die Regeln. Ehrgeizig versuchen die vier jungen Mädchen daher, sich von den Konkurrentinnen abzuheben. Mal mit mehr, mal mit weniger Talent streiten sie um Aufmerksamkeit und geraten sich dabei in die Haare. Bei so viel Unterhaltungswert fragt man sich dann schon: Ist das Realität oder Inszenierung?
Es ist natürlich alles nur ein Spiel. Und wer die Überschrift gründlich gelesen hat, ist meinem kleinen Manipulationsversuch natürlich nicht auf den Leim gegangen.“SMIEF“ ist ein Schauspiel von Jacqueline Maria Rompa, das sie mit den „Wilden Jungen“ auf die Bühne 602 gebracht hat.
„Es geht um den Sinn und Unsinn von Castingshows. Ich wollte zeigen, dass wir Teil der Casting-Maschinerie sind, Opfer und Täter zugleich“, erklärt die Regisseurin die Idee hinter dem Stück.

Vor allem Jugendliche fasziniert dieses Fernsehformat. Da ist es also naheliegend, die Figuren von Jugendlichen darstellen zu lassen. Gecastet – ja tatsächlich – wurden sie an Rostocker Schulen. Denise Koßidowski (Maxi), Daria Elena Hasse (Vivaja), Sophie Bichel (Bella), Henny Jaschke (Simone), Kevin Kurrat (Ken) und der Veranstaltungstechniker Florian Hübel als Praktikant waren schließlich die auserwählten „Wilden Jungen“.
Eindrucksvoll gelang es ihnen, ihre Charaktere überzeugend darzustellen. Oder besser gesagt: die verschiedenen Stereotypen, die für die nötige Dynamik in der Gruppe sorgen und über die man sich so leicht lustig machen kann. Als da wären die aggressive Rapperbraut, das schüchterne Moppelchen, die verwöhnte Göre und das nette Mädchen von nebenan. Einig sind sich diese Figuren jedoch in ihrer Anbetung zu Schaf Dibo. Ihn vergöttern sie und folgen ihm aufs Wort. DSDS-Zuschauer ahnen natürlich, auf wen hier Bezug genommen werden soll.
Manipulation, Selbstentblößung, Karriereversprechen in Castingshows – mit all dem beschäftigt sich SMIEF auf unterhaltsame und erhellende Weise. Wer jetzt den Fernsehsessel gegen einen Theatersitz umtauschen möchte, sollte sich den 17. Juni vormerken. Um 19 Uhr werden die „Wilden Jungen“ dann noch einmal die Show an der Bühne 602 zeigen. Weitere Vorführungen in Schulen sind ebenfalls in Planung.