Solarpapierkörbe für Warnemünde

Am Alten Strom in Warnemünde sollen 30 selbst verpressende Papierkörbe aufgestellt werden – sie bieten mehr Volumen und müssen seltener geleert werden, sind allerdings auch sehr teuer

11. März 2020, von
Im letzten Jahr wurden die Solarpapierkörbe in Warnemünde getestet - hier in der Mühlenstraße (Foto: Archiv)
Im letzten Jahr wurden die Solarpapierkörbe in Warnemünde getestet - hier in der Mühlenstraße (Foto: Archiv)

Etwas mehr als 2.000 Papierkörbe bewirtschaftet die Stadtentsorgung in Rostock. 95 Prozent davon sind hinsichtlich Volumen und Entsorgung unproblematisch. Anders sieht es dort aus, wo viel Besuchsverkehr herrscht, erläutert Ullrich Böttner, der in der Abteilung Abfallwirtschaft des Amts für Umweltschutz für diesen Bereich zuständig ist.

In der Rostocker Innenstadt betrifft dies vor allem die Kröpeliner Straße, in Warnemünde den nördlichen Bereich des Alten Stroms von der Bahnhofsbrücke bis zur Westmole. Bis zu dreimal täglich müssen die hier vorhandenen 45 Papierkörbe in der Saison entleert werden. Als „unheimlich schwierig“, beschreibt Böttner die Arbeit, wenn die Stadtreinigung mit ihrer Technik kaum durch die Besuchermassen kommt.

Selbst verpressende Papierkörbe als Lösung

Um das Problem zu lösen, hat die Stadt im letzten Jahr neue, selbst verpressende Papierkörbe getestet. Im unteren Teil der Geräte befindet sich eine handelsübliche 120-Liter-Mülltonne, im oberen Teil eine Presse. Deren Stempel verpresst den Müll in der Tonne so stark, dass durchschnittlich bis zu 450 Liter Müll gesammelt werden können – rund achtmal so viel wie mit den aktuellen 60-Liter-Papierkörben.

René Weilandt zeigt Umweltsenator Holger Mattäus das Innenleben. Unten befindet sich eine normale 120-Liter-Tonne. (Foto: Archiv)
René Weilandt zeigt Umweltsenator Holger Mattäus das Innenleben. Unten befindet sich eine normale 120-Liter-Tonne. (Foto: Archiv)

Smart, autark und ziemlich teuer

Eins haben alle Modelle gemeinsam – in ihnen steckt ‚smarte‘ Technik. Gibt es eine Störung, sendet der Papierkorb per Internet eine Meldung an die Disposition der Stadtentsorgung. Ist der Sammelbehälter voll, wird automatisch der Einwurf verschlossen. Doch „dazu wird es nicht kommen, weil wir bei 70 Prozent rausfahren“, erklärt René Weilandt, Einsatzleiter bei der Abteilung Straßenreinigung/Winterdienst der Stadtentsorgung.

Übers Internet hat das Unternehmen jederzeit den Füllgrad im Blick, sodass die Sammelbehälter bedarfsgerecht geleert werden können. Bei Bedarf können die Einwurfklappen aus der Ferne verriegelt werden, um etwa das Einwerfen von Knallern zum Jahreswechsel zu verhindern.

Presse und Technik werden über einen Akku versorgt, der über ein Solarpanel aufgeladen wird. Dadurch funktionieren die Papierkörbe autark ohne Stromanschluss und können bei Bedarf leicht an einen anderen Standort verschoben werden.

Alle Modelle verfügen über Aschenbecher und eine separate Löschpatrone. Steigt die Temperatur im Behälter über einen gewissen Punkt, wird diese automatisch ausgelöst, sodass kein Feuerwehreinsatz nötig ist.

Die ganze Technik hat allerdings auch ihren Preis: Zwischen 5.000 und 8.500 Euro kostet ein solcher Papierkorb. Zumindest die Abfallgebühren steigen durch die Anschaffung nicht – die Entleerung der Papierkörbe ist ein getrennter Posten. Mehr als 800.000 Euro kostet diese im Jahr für alle Rostocker Behälter zusammen, so Ullrich Böttner.

Verschiedene selbst pressende Solarpapierkörbe wurden 2019 in Rostock getestet (Foto: Archiv)
Verschiedene selbst pressende Solarpapierkörbe wurden 2019 in Rostock getestet (Foto: Archiv)

Vier Modelle getestet

Über ein halbes Jahr wurden jeweils zwei Modelle von vier verschiedenen Anbietern getestet. Per QR-Code versuchte die Stadtentsorgung ein Meinungsbild einzufangen, allerdings gingen lediglich 29 Meldungen ein – „nicht richtig hilfreich“, muss Ullrich Böttner eingestehen. Überzeugt haben die Testgeräte trotzdem, auch wenn es schon mal Verwechselungen mit Briefkästen gab. Vor allem, weil die bedarfsgerechte Entleerung eine geringere Entsorgungshäufigkeit ermöglicht, so Böttner.

Probleme gab es im Testzeitraum kaum. Nur ein Behälter ist in dem halben Jahr kaputtgegangen, eine eingeworfene Eisenstange hat die Presse zerstört. Ein Modell habe die Erwartungen nicht erfüllt, da die separate Einwurfklappe – etwa für Pizzakartons – zu klein war. Bei allen anderen Modellen landet der Abfall direkt in der Tonne.

Im Sommer hat sich noch eine Schweizer Firma gemeldet, ihr „Abfallhai“ wurde zum Weihnachtsmarkt an der Ecke Kröpeliner Straße/Neuer Markt getestet. Als stabil, schick und dank drehbarem Solarpanel innovativ beschreibt René Weilandt das Modell – allerdings ist es auch das teuerste.

Alle getesteten Papierkörbe bieten Schutz vor Möwen, schließen allerdings auch Pfandsammler aus.

Schutz vor Diebstahl und Vandalismus

Die Papierkörbe sollen nicht im Boden verankert werden. Einerseits möchte man nicht in die Gehwege bohren, andererseits sollen die Standorte bei Bedarf flexibel gewechselt werden können. Mitnehmen könne man die teuren Geräte trotzdem nicht – sie wiegen leer fast 200 Kilogramm. Auch ein Umkippen sei ausgeschlossen, versichert René Weilandt, die Behälter bekommen eine 70 x 70 Zentimeter große Standplatte.

Vandalismus wird es immer geben, so Weilandt, aber die Solarpanel sind durch Spezialglas geschützt und dank der modularen Bauweise kann jedes Teil einzeln ausgetauscht werden.

30 Solarpapierkörbe am Alten Strom – Mittelmole und Promenade bleiben außen vor

Vorerst sind 30 neue Solarpapierkörbe am Alten Strom geplant. Zwischen Bahnhofsbrücke und Westmole soll etwa alle 15 Meter ein Modell aufgestellt werden. Wenn dort nicht ganz so viele benötigt werden, sollen auch am Bahnhofsvorplatz, in der Mühlenstraße, am Kirchenplatz sowie in der Kirchenstraße neue Container zum Einsatz kommen.

Die Ausschreibung ist für dieses Jahr geplant, 2021 könnten die neuen Papierkörbe aufgestellt werden, wenn alles gut läuft, so Böttner.

Am anderen Ufer des Alten Stroms wird es – vorerst zumindest – keine neuen Papierkörbe geben. Die Flächen auf der Mittelmole sind nicht öffentlich, sodass die jeweiligen Eigentümer bzw. Händler für den Abfall verantwortlich sind. Auch am Strand und der Promenade bleibt alles beim Alten – hier ist die Tourismuszentrale für die Müllentsorgung zuständig.

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