Welche Geräusche definieren Rostock? Diese Frage stellte sich Barbara Alge, Juniorprofessorin für Ethnomusikologie an der HMT, eines Nachmittags. Im Rahmen der „Eurolecture“, einem Gastdozentenprogramm der Alfred Toepfer Stiftung, entstand daraus die Idee des Projekts „Soundscapes“.
Zusammen mit Frances Wilkins, der Gastdozentin aus Schottland, und Studenten der Hochschule für Musik und Theater (HMT) wurde es dann in die Tat umgesetzt. Ein Semester lang - von Oktober bis Februar - wurden die Geräusche der Stadt aufgezeichnet. Von Straßenbahngeräuschen über Bauarbeitslärm, bis hin zu den Klängen der Straßenmusiker - alles wurde festgehalten. Die ganze Idee basiert übrigens auf den Theorien von Raymond Murray Schafer.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirke, erklärte Barbara Alge, stecke hinter der Anordnung der Poster doch ein System. Im Eingangsbereich wird dem Besucher der Kontext von „Soundscapes“ erläutert. Fragen wie, wer hat mitgemacht und wieso wurde es gemacht, werden hier beantwortet. Geht man weiter, folgen nähere Erklärungen zur Methode und den dahintersteckenden Theorien, sowie zur musikalischen Identität Rostocks.

Der letzte Teil der Ausstellung, im hintersten Bereich der Räumlichkeiten, bietet eine Vielzahl weiterer Themen. So wird zum Beispiel jeder Stadtteil Rostocks mit seinen eigenen Geräuschen dargestellt. Neben ein paar weiteren Elementen findet sich dort auch die Klanginstallation, die den Texten und Bildern die Hintergrundgeräusche liefert.
„Es ist spannend aus diesem Blickwinkel die Stadt zu erkunden“, erzählt Iris Pitann, nachdem sie sich alle Poster angesehen hat. „Man ist ja eigentlich schon oft an diesen Orten gewesen, aber nie so gezielt.“

Highlight des Abends war die Band „Hybrid Cosmics“, die sich ebenfalls aus Studenten der HMT zusammensetzt. Wie schon die Fachhochschule Wismar, waren sie von sich aus auf Barbara Alge zugekommen. Sie hatten den Plan, die gesammelten Tonaufnahmen in ein Musikstück zu verwandeln. Am gestrigen Abend stellten sie zum aller ersten Mal das Ergebnis vor. Eine Mischung aus Straßengeräuschen, Keyboard- und Gitarrensounds und denen eines Schlagzeugs. Die Musikstücke hatten sie zum Teil selber komponiert und zum Teil von bereits vorhandenen übernommen.
Da sieht man also, dass uns vielleicht tagtäglich ein kleines Orchester aus Geräuschen entgeht, weil unser Gehirn sie ausblendet. Wer nun einmal bewusst durch Rostock laufen möchte, findet neben der Ausstellung auch eine Karte im Haus Böll (Mühlenstraße 9). Diese zeigt den Weg zu einem kleinen Klangspaziergang, auf dem man einmal genau hinhören kann. Die Ausstellung selbst ist noch bis zum 24. März geöffnet und kann kostenlos besucht werden.