Es ist der größte Buddelkasten für viele kleine Besucher der Ostseebäder: der Strand. Blöd nur, wenn der Nachwuchs beim Sandburgenbauen plötzlich einen Zigarettenstummel in der Hand hat oder sich gar in den Mund steckt. Und nicht nur für die Badegäste ist der Abfall unschön, auch für die Küstenvögel und Meerestiere, die ihn schlucken, wird er zur Gefahr.
An den Rostocker Stränden zwischen Warnemünde und Markgrafenheide rücken daher jeden Morgen um 5 Uhr Reinigungskräfte aus, um den Müll einzusammeln. Eine bis drei Tonnen werden so je nach Wetterlage täglich eingesammelt, informiert die zuständige Tourismuszentrale. In der Nebensaison fallen immerhin noch sechs Tonnen pro Woche an. Darunter befindet sich alles, was im Hausmüll vorkommt. Verpackungen, Getränkebehältnisse, Strandartikel, Nahrungsmittelreste, Hygieneartikel und Zeitungen werden von den Strandbesuchern zurückgelassen. Illegale Entsorger bringen gelegentlich auch Gartenabfälle, Bauschutt, Schrott und Campingartikel zum Strand.

Bei den Strandaschern handelt sich um kleine Büchsen, die in die Tasche passen und mit denen die Raucher ihre Zigarettenreste auffangen und später entsorgen können. „Viel zu wenig Menschen wissen, das Zigarettenkippen nicht biologisch abbaubar sind“, erklärt die Vereinsvorsitzende Dr. Monika Griefhahn. So sei das Papier mit einer Plastikfolie ummantelt, die dafür sorgt, dass sich das Papier im Mund nicht gleich auflöst.
Bei einer Müllsammelaktion im letzten September, an der sich 150 Personen beteiligten, wurden innerhalb von 1,25 Stunden über 6.200 Zigarettenkippen gesammelt. „Obwohl es ein Nichtraucherstrand ist und alles sauber aussieht“, unterstreicht die Umweltaktivistin. Seit 2011 gibt es in Warnemünde und Markgrafenheide rauchfreie Strandabschnitte.
„Plastik im Wasser ist heute eines der größten Probleme. Fische und Vögel verhungern daran, weil sie es nicht verdauen können. Gleichzeitig entstehen durch Abrieb Mikroplastikteile, die Schadstoffe anreichern und zu uns zurückkommen.“

Wie groß die Menge an Müll ist, die durch Strandbesucher in die Ostsee eingetragen wird, lässt sich derzeit nicht zuverlässig beziffern. Es gibt erst wenige Monitoringprojekte, die Daten an einigen Küstenabschnitten erheben.
„Auf dem Wasser ist kaum etwas zu sehen. Unter Seglern hat sich eingebürgert, eine Tüte, die auf dem Meer schwimmt, einzusammeln. Da wirft auch keiner etwas über Bord“, schildert Ralph Linow, der regelmäßig als Fotograf die Regatten der Warnemünder Woche aufs Meer begleitet.
Müll ist jedoch nur einer von elf Faktoren, mit denen nach einem Beschluss der EU der Zustand der Meere beurteilt werden soll. Bis 2020, so das erklärte Ziel, sollen sie in einem „guten Zustand“ sein.
Am 13. August wird der Naturschutzbund NABU am Leuchtturm über das Thema „Meere ohne Plastik“ informieren und ruft ab 10 Uhr zu einer Müllsammelaktion auf. Am Nachmittag findet ein Fachgespräch mit lokalen Akteuren statt.