Nach Silvester starten Schüler eine Strandmüllsammlung
Rostocker Schüler helfen den Meeresforschern vom IOW bei der Datenerhebung zum Strandmüll und verringern mit ihrer Reinigungsaktion die Verschmutzung der Ostsee
5. Januar 2018, von Stefanie
„Es geht nicht darum, wer den Sack als erster voll hat, sondern um die kleinen Teile und um wissenschaftliche Aspekte.“ Fabian Schröders Anweisungen an Rostocker Schüler haben es schwer gegen den starken Wind am Warnemünder Strand durchzukommen. Auf Einladung des Bilse-Instituts für Bildung und Forschung, dessen Mitarbeiter er ist, und des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) sammeln sie hier Müll und dokumentieren ihre Funde akribisch.
Vier Tage nach Silvester ist dort immer noch eine Menge zu finden. Insgesamt 102,65 Kilogramm oder etwa 5000 Müllteile sind nach gut 1,5 Stunden zusammengekommen. Rund 60 Rostocker Schülerinnen und Schüler der 8. bis 12 Klassen haben mitgeholfen und zwischen Leuchtturm und Hotel Neptun auf etwa 30.000qm den Strand gereinigt.

Neben dem üblichen touristischen Abfall wie Zigarettenkippen, Flaschen aus Glas und Plastik, anderen Kunststoffverpackungen und Verschlüssen wurde der meiste Müll (75%) dem Silvesterfeuerwerk zugeordnet. Die Hälfte davon bestand aus Papier- und Pappteilen von Böllern und Raketen, einige Holzteile waren auch übriggeblieben. Während diese biologischen Materialien noch relativ schnell wieder abgebaut werden, sind Kunststoffe, die in den Naturraum eingetragen werden, weitaus problematischer. Sie machten etwa 21 Prozent der Sammlung aus.
„Wenn man sieht, was wir hier im Strandbereich finden, kann man nicht leugnen, dass es ein Problem ist. Für die Schüler ist das ein Aha-Erlebnis. Denn oberflächlich betrachtet, wirkt alles sehr sauber. Schärft man den Blick, findet man jedoch eine ganze Menge“, stellt Dr. Sven Hille vom IOW fest. „Wir sammeln hier auch deshalb, weil die Gefahr besteht, dass diese Plastikteile ins Meer gelangen und dort aufgrund ihrer Langlebigkeit ganz vielfältige Probleme verursachen, die wir jetzt schrittweise erforschen.“

Der Wissenschaftler erklärt, dass synthetisch hergestellte Stoffe nicht durch Enzyme zersetzt werden, wie sonst in natürlichen Kreisläufen üblich, sondern eine hohe Verweildauer haben. Große Teile verfallen im Laufe der Zeit in immer kleinere. Diese können schließlich in Nahrungsketten gelangen. Schadstoffe können sich an der Oberfläche anlagern und andererseits können sich schädliche Stoffe aus dem Plastik herauslösen und ins Wasser gelangen.
Anliegen des IOW sei es nicht nur mit den Schülern den Strand zu reinigen, sondern auch Einblicke in aktuelle Forschungsfragen zu geben und nicht zuletzt gerade junge Leute für die Meeresforschung zu begeistern, so Sven Hille, der in der renommierten Warnemünder Forschungseinrichtung für Schülerprojekte verantwortlich ist. Etwa 20 Müllsammelaktionen hat das IOW im Rahmen des „Schülerlabors“ im letzten halben Jahr am Strand durchgeführt.

„Auch wenn es etwas windig ist, ist es eine gute Veranstaltung“, lautet das Fazit von Florian Reisewitz. Der 15-Jährige bearbeitete mit seinem Mitschüler Daniel Lange eine 100 Meter lange und armbreite Strecke am Spülsaum entlang.
Sie waren nicht die ersten nach dem Silvesterfeuerwerk. Bereits am Neujahrstag folgte eine zehnköpfige Gruppe dem Aufruf von Surfern und sammelte Müll. Am Dienstag war die professionelle Strandreinigung im Einsatz, die am morgigen Freitag auch wieder Abfälle aus dem Strandsand entfernen wird.