
In Mecklenburg-Vorpommern werden Alleen als Kulturgut gesetzlich geschützt. Generell stehen in Rostock alle Bäume mit einem Umfang ab 50 Zentimeter unter Schutz.
Doch wie mit dem alten Baumbestand, der zunehmend abstirbt, umgehen? Wie können Neupflanzungen erfolgen? Dazu gibt jetzt ein Straßenbaumentwicklungskonzept für das Hansaviertel Empfehlungen.
Nach Warnemünde und der Steintorvorstadt ist es die dritte Studie dieser Art für Rostock. Gestern wurde sie von Stefan Patzer vom Amt für Stadtgrün dem Ortsbeirat des Hansaviertels vorgestellt.

Erstes Ziel für das Amt für Stadtgrün sei es, wieder ein einheitliches Alleenbild zu entwickeln.

„Wir wollen als Stadtverwaltung diese Fachplanung selbst verpflichtend einhalten und auch Versorgungsunternehmen nahelegen dieses Konzept zu beachten - gerade beim Baumbestand, den wir langfristig sichern wollen, aber auch dort, wo wir perspektivisch nachpflanzen wollen“, so Stefan Patzer.
Die unterschiedlichen Nutzungswünsche für die Straßen in Einklang zu bringen, ist dabei nicht immer einfach. So sei jede einzelne Neupflanzung in der Parkstraße ein Kompromiss gewesen, erinnert sich Patzer. Vor 80 Jahren sei sie als „Parkstraße“ angelegt worden. Alle acht Meter wurde eine Pappel gepflanzt. Nun durchziehen jedoch zahlreiche Leitungen das Erdreich, sodass der Mindestabstand von 2,50 Metern zwischen Baum und Leitung nicht immer eingehalten werden kann und nur durch einen erhöhten technischen Aufwand Neupflanzungen vorgenommen werden konnten.

Wegen Verdunkelung habe es auch keinen Sinn in Vorgärten, die kleiner als vier Meter breit sind, Bäume zu pflanzen, weist der Planungsleiter vom Amt für Stadtgrün auf Anfragen von Anwohnern hin, die sich mehr Licht in ihren Wohnungen wünschten.
Auch beim Bau des Verkehrskreisels am Dürerplatz haben andere Interessen Vorrang. Drei bis vier Bäume werden hier weichen müssen, kündigt Patzer an.

In der Schillingallee und in der Ernst-Heydemann-Straße konnte dieses Konzept schon weitestgehend umgesetzt werden. Ein maroder Fahrradweg wurde entsiegelt. Und durch den Einsatz von Bügeln wurde das Parken auf die Straße verlagert und so der Boden vor Verdichtung geschützt.

Sehr große Lücken in den Baumreihen haben die Planer auch in der Liskowstraße ausgemacht, der sich das Amt im nächsten Jahr zuwenden will. Vorausgesetzt die Mittel werden bereitgestellt, soll hier eine komplette Neupflanzung erfolgen, um wieder ein einheitliches Alleenbild herzustellen.
Die Linden in dem Bereich der Thierfelderstraße, wo demnächst ein neues Wohnviertel entstehen soll, gelten hingegen als „städtebaulich markant und wichtig und sind zu erhalten“, so Patzer bei seinen beispielhaften Ausführungen zum Straßenbaumentwicklungskonzept für das Hansaviertel.
Ortsamtsleiter Thomas Wiesner begrüßt, dass dessen Ergebnisse jetzt vorliegen. „Wenn wir uns diese Überlegungen nicht machen, wäre es so, dass es tatsächlich in 40/50 Jahren baumlose Straßen geben wird in Rostock“, lobt er die Arbeit.
Das Straßenbaumentwicklungskonzept für das Hansaviertel ist fast abgeschlossen. In Kürze soll es an die Fachämter, Versorgungs- und Wohnungsunternehmen und die Universität als Empfehlung verteilt werden.