Mehr als nur staubige Folianten und alte Besitzurkunden beherbergt das Rostocker Stadtarchiv. Davon konnten sich heute die Besucher des „Tages der Archive“ überzeugen. Bei den Führungen durch die Magazine der Stadt erhielten sie nicht nur Einblicke in die Arbeit der Rostocker Archivare, sondern auch in historische Kriminalfälle der Hansestadt.
Mit dem „Tag der Archive 2012“ veranstaltete der Verband der deutschen Archivarinnen und Archivare in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal einen bundesweiten Tag der offenen Tür. Als größter Archivzweckbau Mecklenburg Vorpommerns präsentierte sich natürlich auch das Rostocker Stadtarchiv im Kerkhofhaus zu diesem Anlass. Mit der diesjährigen Ausstellung zum Thema „Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen“ wurde das Archiv am Samstag zum Besuchermagneten.
Die Ausstellung im Lesesaal des Rostocker Archivs gewährte Einblicke in die großen Katastrophen der Stadtgeschichte Rostocks, wie etwa „Der große Stadtbrand 1677“, „Die große Sturmflut 1625“, „Der Ausbruch der Cholera 1832“ und die „Schneekatastrophe 1978/79“. Die historischen Katastrophen wurden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Archivs durch viele Original-Dokumente, Bilder und andere Exponate aus dem Rostocker Archiv aufgearbeitet und veranschaulicht.

Neben der geschichtsträchtigen Ausstellung bekamen die vielen Besucher die Möglichkeit an Führungen durch die heiligen Hallen des Archivs teilzunehmen. Archivar Bodo Keipke und andere Mitarbeiter des Rostocker Archivs kamen hier mit den Besuchern über die Stadtgeschichte, Archivarien und vor allem die Arbeit im Rostocker Archiv ins Gespräch.

Auch das Magazin zeigte Bodo Keipke den Besuchern. Dort lagern unter anderem 20.000 Fotoaufnahmen und Postkarten der Hansestadt. Diese Sammlung würde der Archivar gern erweitern, „gerade um auch das aktuelle Stadtbild in weniger zentralen Teilen wie zum Beispiel Evershagen zu dokumentieren“. Dafür fehlen dem Archiv aber leider die Honorarmittel. Besonders interessant im Magazin sind die eingelagerten, historischen Verwaltungsakten, die manchmal „dramatische Fälle schildern“, wie der Archivar erklärt. Hierzu zeigte Bodo Keipke den interessierten Besuchern die Akte eines Dienstmädchens, das wegen Kindsmord in Rostock festgehalten und befragt wurde. Immer noch in der Akte enthalten ist das Strumpfband des Mädchens, mit welchem es sich damals in seiner Zelle erhängte.
