
Natürlich ist der Streit Teil des Stücks „Das Weiberregiment“, das Torsten Malter und Karsten Schuldt zusammen mit dem TJC1 gestern Abend zum ersten Mal vor Publikum zeigten. Tatsache ist aber, dass ihr Theaterstück wirklich aus den beiden Handlungssträngen der oben genannten Werke zusammengesetzt ist.
Die Handlung rund um den König von Navarra und seinen drei Freunden Äneas, Demeter und Timon, die schwören, sich ganz dem Studium zu widmen, stammt aus Shakespeares Feder.
Die Vier planen weder Frauen noch andere Ablenkungen in ihre Nähe kommen zu lassen. Natürlich wird daraus nichts, denn wie das mit Plänen so ist: Während man sie schmiedet, kommt alles ganz anders. Denn die schöne Prinzessin Lysistrate und ihre Gefolgschaft, bestehend aus Myrrhinchen, Kalonike und Salina, sind auf dem Weg zum Hof des Königs und erbitten Einlass.

Heimlich werden Briefe und Gedichte getauscht und zarte Bande entstehen. Nachdem die vier Männer sich einig sind, ihren Schwur Schwur sein zu lassen, sieht alles nach einem glücklichen Ende aus. Dieses wird jedoch durch die Einberufung der Männer in den Krieg zunächst zunichtegemacht.

Nachdem die Frauen sechs Jahre lang zugesehen haben, wie ihre Männer Krieg führten, während sie allein am häuslichen Herd saßen, ist das Maß voll. Sie schmieden einen Plan, der nicht nur den Krieg beenden, sondern auch die Männer wieder zurück nach Hause bringen soll.

Um die beiden Stücke miteinander zu verbinden, wurden in den klassischen Texten einige kleine Änderungen und Ergänzungen vorgenommen. So zum Beispiel das Einfügen der Rollen des Shakespeare, der hier außerdem eine Frau ist, und Aristophanes. Durch ihre Eigenschaft, Autor der Texte zu sein, sollten sie eigentlich außerhalb der Handlungen liegen, mischen sich aber immer wieder in diese ein. So reden sie nicht nur mit den anderen Protagonisten, sondern streiten sich auch immer wieder darum, wie es weiterzugehen hat.

Die Verbindung ist so gut gelungen, dass es kaum auffällt, dass sich hinter dem Stück eigentlich zwei verstecken. Die Handlungen passen so ideal zueinander und sind durch Torsten Malter und Karsten Schuldt so geschickt verknüpft worden, dass ein nahtloser Übergang stattfindet. Die Vermischung der Personen aus „Verlorene Liebesmüh‘“ und „Lysistrate“ ist ohne Zweifel glaubhaft und wirft keinerlei Fragen auf.

Obwohl die beiden Stücke aus völlig verschiedenen Zeiten stammen, behandeln sie die gleiche Problematik. Auch aus heutiger Sicht verlieren sie keineswegs an Aktualität. Der Krieg scheint im Leben der Menschen allgegenwärtig. Schalten wir heute die Nachrichten an, ist es beinahe alltäglich, irgendwo auf der Welt kriegerische Auseinandersetzungen zu sehen.

Gestern ist das Konzept aufgegangen. Neben Familien und Freunden der Darsteller fanden auch viele andere junge Zuschauer ihren Weg zum Stadthafen. Und nicht nur sie schienen begeistert zu sein: „Eine ganz tolle Inszenierung. Junge engagierte Schauspieler, die sich unglaublich gut bewegen können“, lautete zum Beispiel das Fazit von Gabriele Ising, die gekommen war, um ein paar ihrer Schüler auf der Bühne zu sehen.
Wer sich selbst ein Bild vom Können des Theaterjugendclubs 1 machen möchte, kann das morgen (2. April) um 19:30 Uhr tun, wenn noch einmal das „Weiberregiment“ die Bühne im Stadthafen unter seine Kontrolle bringt. Die Besetzung kann dann jedoch leicht von der gestrigen abweichen, da einige Rollen doppelt belegt sind.