2. Themenabend des Rostocker Unternehmerverbandes
Verbundstudium soll Fachkräftemangel in mittelständischen und kleinen Unternehmen bekämpfen
10. März 2011, von Phillip
60 bis 70 Prozent der Studenten in Mecklenburg Vorpommern müssen nach Ende ihres Studiums die Region verlassen, weil sie hier keine Arbeit finden. Viele würden eigentlich gerne bleiben, wie Professor Dr. Martin-Christoph Wanner vom Fraunhofer Anwendungszentrum für Großstrukturen in der Produktionstechnik in Rostock weiß. Dabei gibt es zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen, die Fachkräfte gebrauchen könnten, den Studenten aber unbekannt sind.
Abhilfe könnte das Konzept des Verbundstudiums schaffen, das Professor Dr. Norbert Grünwald von der Hochschule Wismar gestern Abend im Rahmen des 2. Themenabends des Unternehmerverbands Rostock vorstellte. Das Thema des Abends: Wie lassen sich Wirtschaft und Wissenschaft enger zusammenbringen? Ist das Thema „Forschung und Entwicklung“ für kleine und mittlere Unternehmen erschwinglich?

Zum einen gibt es das duale Studium. Die Durchführung einer Ausbildung bei gleichzeitigem Erwerb eines akademischen Abschlusses resultiert normalerweise jedoch in längeren Studienzeiten gegenüber dem gewöhnlichen Hochschulstudium.
Anders beim Verbundstudium – hier geht es geht darum, die Studenten von Beginn des Studiums an, studienbegleitend in ein Unternehmen einzubinden. Dort sollen nicht nur Projekt- und Abschlussarbeiten durchgeführt, sondern auch in den Semesterferien gearbeitet und so wertvolle praktische Erfahrungen gesammelt werden. Im Regelfall springt für den Studenten auch eine Vergütung dabei heraus.
In der Praxis sieht das Ganze so aus, dass der interessierte Student sich zunächst bei dem Unternehmen bewirbt. Verläuft diese Bewerbung erfolgreich, folgt die Bewerbung an der Hochschule und anschließend bei einer Zusage die Immatrikulation und der Abschluss eines Vertrages mit dem Unternehmen, das auch einen Betreuer stellt. Profitieren sollen am Ende alle drei Parteien von der Partnerschaft.

Das Unternehmen bekommt auf diese Weise die Möglichkeit, vielversprechende Nachwuchskräfte direkt zu Beginn ihres Studiums zu rekrutieren. Bei einer anschließenden Weiterbeschäftigung entfällt die Anlernphase und der Student kann direkt einsteigen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ein vielversprechender Ansatz.
Der Student hingegen kann nicht nur am Ende seines Studiums bereits zahlreiche praktische Erfahrungen vorweisen, sondern hat bereits einen potentiellen Arbeitgeber kennengelernt. Eine gezielte Karriereplanung wird auf diese Weise erleichtert.
Der Hochschule schließlich ermöglicht das Verbundstudium eine Ausweitung ihres Studienangebots, bei gleichzeitig stärkerer Vernetzung mit der Region. Zudem wird, durch den starken Praxisbezug der Ausbildung, die Attraktivität der Hochschule erhöht, da dieser Aspekt unter den Studenten sehr gefragt ist.
Allerdings ist eine gewisse Anzahl an Partnerunternehmen notwendig, um ein derartiges Studienangebot auf breiter Basis realisieren zu können. Noch fehlen dazu einige Unternehmen.

Im zweiten Teil des Abends stellte Professor Dr. Wanner zunächst das Fraunhofer Anwendungszentrum vor. Anschließend ging er auf verschiedene Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der letzten Jahre ein, die in Kooperation mit kleinen und mittelständischen Unternehmen durchgeführt worden sind. So war es etwa gelungen, einen Rundhangar für Sportflugzeuge erfolgreich zu entwickeln, von dem das Partnerunternehmen innerhalb von zehn Jahren ganze 40 Stück verkaufen konnte. Weitere erfolgreiche Entwicklungsarbeiten beinhalteten Großroboter für die Industrie oder ein Plattformkonzept für Kälteaggregate.
Dass nicht jedes Projekt am Ende ein Erfolg werden kann, verschwieg Wanner allerdings nicht und stellte entsprechend auch ein Negativbeispiel vor. Dennoch dürfte sein Vortrag gezeigt haben, dass Forschung und Entwicklung auch für kleine und mittelständische Unternehmen von Bedeutung sind und Wachstumschancen bieten – genauso wie eine enge Zusammenarbeit mit Hochschulen und Universitäten.