
Kurz darauf lernte ich die überaus nette Praktikantin des Literaturhauses kennen. Sie schenkte mir unversehens einen Bonbon und freute sich sehr über mein Interesse. Dann zeigte sie mir, wo die Lesung stattfinden würde. Im sogenannten Möckelsaal nämlich. Der heißt so, weil ein gewisser Gotthilf Möckel um 1890 für die Innengestaltung des Saales verantwortlich war, erfahre ich im Zuge meiner späteren Recherchen. Der Saal ist doppelgeschossig und besitzt eine hölzerne Deckenkonstruktion.

Der finnische Kinderbuchautor sagte: „Guten Morgen“ und begann etwas auf Finnisch aus seinem Buch vorzulesen. Dann fragte er: „Habt ihr das verstanden?“ und die Kinder antworteten: „Nein!“. Er las dann noch einmal lauter und langsamer vor. Aber niemand verstand ihn, was sogleich für heitere Stimmung unter der jungen Hörerschaft sorgte. Sodann kam die Übersetzerin Elina Kritzokat zu Wort. Sie stellte sich vor und begann Parvelas Worte zu übersetzen.
Zunächst erklärte der Autor, warum es in seinen Büchern immer um die Schule gehe. Er hätte, als er mit dem Schreiben begann, den Tipp erhalten, dass man am besten über etwas schreiben könne, was man sehr gut kenne.
Ja, und er kenne nun einmal die Schule sehr, sehr gut. Das sei so, weil er selbst einmal Lehrer war. Auch seine Eltern, seine Frau und selbst deren Eltern seien Lehrer gewesen. Sogar alle Freunde und Bekannte des Schriftstellers übten diesen Beruf aus, sagte er. Aaaahhh, da wurde so Einigen etwas klar und wieder hatte Timo allen Kindern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Diese hatten es sich übrigens nicht nur auf den Stühlen im Saal bequem gemacht. Die am Boden liegenden superbequemen Matratzen eigneten sich ebenso vorzüglich für eine flauschige Lauschstunde.

Auch die Geschichte einer rätselhaften Verschwörung wurde vorgetragen. Die Schüler entdeckten geheimnisvolle Briefe auf dem Arbeitstisch des Lehrers und mutmaßten daraufhin, dass es sich dabei eigentlich nur um einen Erpresserbrief handeln könne. Sie klebten sich deshalb, der Tarnung wegen, falsche Bärte an und begannen das vermeintliche Opfer zu beschatten. Schließlich wurde ein geheimnisvoller Koffer entdeckt, in dem die Kinder ein Lösegeld vermuteten. Sie tauschten ihn deshalb gegen einen Koffer mit Micky-Maus-Heften aus und folgten ihrem Lehrer weiter auf Schritt und Tritt. Was dann geschah? Ich kann doch hier nicht alles verraten, oder?

Anschließend erzählte Timo, wie wichtig ihm der Humor in seinen Geschichten sei. Mit Humor könne man eben zu Menschen im verschiedensten Alter sprechen, sagte er. Er hätte es auch sehr schön gefunden, dass die Kinder hier in Rostock an denselben Stellen, wie die Kinder in Finnland gelacht hätten. Da habe sich gezeigt, dass der Humor die Menschen aus Finnland und Deutschland miteinander verbunden habe, obwohl ein großes Meer sie ja eigentlich voneinander trenne.

Dann wies er noch auf einen wichtigen Aspekt der Ella-Geschichten hin. Darin gehe es stets um die Erlebnisse einer bestimmten Gruppe von Kindern. Sie blieben immer zusammen, seien Freunde und unterstützten einander. Freunde seien im Leben sehr wichtig. Sie würden einem helfen, wenn man etwas nicht allein schaffe, sagte er. Diese Erfahrung sei gerade in unserer Zeit von großer Bedeutung. In einer Zeit, in der in Sendungen wie „Big Brother“, „Germanys next Topmodel“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ vorgelebt werde, dass Menschen, die bestimmten Anforderungen nicht genügten, einfach abgeschoben werden.

Ob ihm Rostock gefalle? Ja, sagte er. Vor allem die schönen Häuser am Neuen Markt und dass Rostock am Meer liegt, fände er toll. Könne er nicht auch ein Ella-Buch über Rostock schreiben? Mal sehen, vielleicht, ließ Parvela verlauten.
Der Fragen-Ansturm nahm kein Ende und gerne wären die Kleinen wohl noch eine Weile dageblieben, doch die Lehrerin mahnte nun zum Aufbruch.
