Kunstverein zu Rostock zeigt TO Helbig
„Am Meer“ – Grafiken, Bilder und Objekte in der Galerie Amberg 13
8. März 2012, von Stefanie
Ein langes Papprohr in Kopfhöhe hängt derzeit in dem großen Ausstellungsraum der Galerie Amberg 13. Die raumfüllende, aber doch relativ sparsame Installation ist für die Stille geschaffen. Hält man das Ohr an die Öffnung der vorderen Seite oder schlendert man am anderen Ende vorbei, ist ein entferntes Radiorauschen zu hören – oder ist es doch das Meer? „Das ist die bildnerische Übersetzung der Muschel meiner Großeltern“, erläutert TO Helbig, der die Installation „Am Meer“ extra für diese Ausstellung geschaffen hat. Sie nimmt Bezug auf seine Erinnerung an seine Großeltern aus dem Erzgebirge, die zeit ihres Lebens vom Meer träumten und ihrem Enkel eine große Muschel ans Ohr hielten, damit er das Meeresrauschen höre. Die Sehnsucht nach dem Meer ergriff schließlich auch ihn.
Wie ein Sog wirkt das Meer, sagt der Künstler. 1961 in Sachsen geboren zog es ihn später an die Küste. Seit 1989 wohnt er in einem kleinen Ort in der Nähe von Schwerin. Arbeitsaufenthalte brachten ihn unter anderem auf die Ostseeinseln Bornholm, Rügen, Usedom und Gotland. „Ich liebe gerade dieses Meer“, schwärmt TO Helbig von der Ostsee. Seit vielen Jahren beschäftigt es ihn schon, so intensiv und stetig, dass er gewisse Arbeiten ganz zielgerichtet angeht und so ganze Reihen entstehen lässt.

So sind auf Gotland auch seine Bilder „Familienzeiten“ entstanden, die Eindrücke von der Lebenskultur der Schweden vermitteln. Von einer Horizontlinie führt alles zum Meer. Abfahrtszeiten und die Silhouetten von Reisenden, Schiffe und Flugzeuge hat TO Helbig auf bunte Werbebeilagen angeordnet. Ihre aufmerksamkeitssuchende Grelle hat der Maler zuvor mit der für Schweden typischen weißen Lasurfarbe abgemildert.
„Mich interessieren die Menschen, die an der Ostsee leben“, erklärt der Maler. Auch in seiner neuesten Werkgruppe „Im Netz“, die sich mit Einsamkeit, Gefangensein oder Scheitern befasst, hat er sie in den Mittelpunkt gestellt.
Diese objektverwandten Bildvierecke zeigen, dass er es versteht, sich sowohl auf der Fläche als auch im Raum bildnerisch auszudrücken. Akribisch untersucht er dafür Formen, Strukturen und Farben in der Natur und in seiner Umwelt. Wer genau hinschaut, entdeckt, dass er sich auch gern industriell gefertigte Verbrauchsmaterialien zunutze macht, entweder als Abdruck oder ganz konkret.

Was die Wahl der Arbeitsmaterialien betrifft, gehört seine besondere Vorliebe jedoch dem Papier. TO Helbig schätzt seine Vielseitigkeit. Schließlich spiele bei der Papierherstellung auch das Wasser eine wichtige Rolle, stellt der Künstler Bezüge her. Und erinnert sich, wie er 2007 bei einem Arbeitsstipendium im Gastatelier, das sich eine Etage über den Ausstellungsräumen befindet, eine Reihe angefangen hat, für die er Papier mit Wasser aus der Ostsee geschöpft hat.
Nicht zuletzt wegen der Nähe zum Meer freut sich TO Helbig über die Einladung des Kunstvereins zu Rostock, seine Arbeiten unter dem Titel „Am Meer“ im Souterrain des Schleswig-Holstein-Hauses auszustellen. Die Ausstellung „Am Meer“ in der Galerie Amberg 13 (Achtung: nettes Wortspiel) in der östlichen Altstadt kann noch bis zum 18. April besucht werden.
Die Öffnungszeiten könnt ihr auf der Website des Kunstvereins nachlesen.