Unvergesslich! Von Haarlocke bis Siegelring

Ausstellung über Erinnerungskultur im Kulturhistorischen Museum

11. September 2010, von
"Unvergesslich! Ausstellung im Kulturhistorischen Museum
"Unvergesslich! Ausstellung im Kulturhistorischen Museum

„Wohl in jedem Leben sammeln sich ein paar Kleinigkeiten an, die für jeden Außenstehenden ohne allen Wert und unverständlich sind, für ihren Besitzer aber voller Geschichten und Gefühle stecken.“

Mit diesen Worten beginnt die neue Ausstellung „Unvergesslich! Von Haarlocke bis Siegelring – Dinge, die erinnern“ im Kulturhistorischen Museum. Daneben, hinter Glas und wie Kronjuwelen effektvoll mit Licht in Szene gesetzt, steht ein kleines Kästchen mit allerlei Andenken aus längst vergangener Zeit, darunter vergilbte Fotos, ein handgeschriebener Brief, eine Eintrittskarte mit Eselsohr. Der Museumsbesucher kann erahnen, dass der Wert der Dinge nicht in ihnen selbst liegt, sondern sie nur für den Besitzer zu einem kostbaren Schatz geworden sind, weil er damit ganz persönliche Erinnerungen verknüpft.

Annelen Karge
Annelen Karge

„Erinnerung spielt sich ja eigentlich im Kopf ab“, erklärt Annelen Karge, die Kuratorin von „Unvergesslich!“. Die Ausstellung will der Frage nachgehen, wie diese Erinnerung aufgehoben und weitergeben werden kann. „Erst Gefühle und Bilder, die in einem Gegenstand gebündelt werden, machen ihn zu einem Andenken, beliebig eigentlich und unabhängig von seiner Form.“

Schon immer haben sich die Menschen an besondere Momente in ihrem Leben erinnert. Das Andenken, so wie wir es heute kennen, hat sich aber erst im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Empfindsamkeit, entwickelt. Damals wurden besonders erlebte Gefühle zu einem emotionalen Schatz erhoben, um dessen Vergänglichkeit man sich sorgte, erzählt Annelen Karge.

"Unvergesslich" Ausstellung im Kulturhistorischen Museum
"Unvergesslich" Ausstellung im Kulturhistorischen Museum

Besonders Gefühle der Sehnsucht und des Vermissens spielten dabei eine große Rolle. Mit seidenen Freundschaftsbändern erinnerte man sich beispielsweise permanent an die Abwesenheit eines Freundes. Erst seit dem 19. Jahrhundert geht es auch darum, sich an eigene Lebenssituationen zu erinnern. „In einem stark beschleunigten industriellen Zeitalter soll das Andenken gegen ein wachsendes Gefühl von Vergänglichkeit vor allem eigene Glücksmomente bewahren.“

"Unvergesslich" Ausstellung im Kulturhistorischen Museum
"Unvergesslich" Ausstellung im Kulturhistorischen Museum

Fotos, Handarbeiten, Kleidungsstücke und Schmuckstücke werden zu diesem Zweck zu Andenken an persönliche Lebensstationen. Ihre Präsentation in der Ausstellung folgt dem menschlichen Lebensweg. Exponate aus fast zwei Jahrhunderten veranschaulichen, wie man sich in der Vergangenheit an Geburt, Taufe, Freundschaft, Liebe und auch den Tod erinnerte.

Aber nicht nur das individuelle Gedenken an besondere private Ereignisse wird im Kulturhistorischen Museum thematisiert. Auch dem öffentlichen Leben und der kollektiven Erinnerung daran wendet sich die Ausstellung zu. So wird zum Beispiel gezeigt, wie Herrscherhäuser verehrt wurden und das Leid der Kriege die Erinnerungen der Menschen prägten.

Kulturhistorisches Museum Rostock
Kulturhistorisches Museum Rostock

Dafür haben Annelen Karge und ihr Team zahlreiche anschauliche Exponate aus dem Depot des Museums sowie Leihgaben zusammengetragen. Darunter befinden sich auch sehr fragile und kostbare Gegenstände, die sonst nur selten zu sehen sind. Wer die Chance nutzen möchte, diese kostbaren Erinnerungsstücke selbst in Augenschein zu nehmen, hat noch bis März Gelegenheit dazu.

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