1. Rostocker Ortsteil-Verkehrskonferenz in der KTV

Bürgerbeteiligung: Bewohner benennen Probleme und Visionen für den Straßenverkehr in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt

24. Februar 2012, von
Doberaner Straße in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt
Doberaner Straße in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Kostenloser Fahrradverleih, stadteigene Kraftfahrzeuge abends und am Wochenende für Carsharing freigeben, Shared Space – das sind nur einige der Vorschläge, die die Einwohner der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) in einem Workshop am Mittwochabend bei der ersten Ortsteil-Verkehrskonferenz Holger Matthäus auf den Wunschzettel schrieben. Zur Vorbereitung für das Integrierte Gesamtverkehrskonzept (IGVK) will der Bau- und Umweltsenator in diesem Jahr in allen Ortsteilen vorbeischauen. In öffentlichen Foren sollen dann Anregungen und Kritik der Einwohner zusammentragen werden.

Verkehrskonferenz in der KTV
Verkehrskonferenz in der KTV

Die Ergebnisse der Verkehrskonferenzen sollen Bestandteil des Gesamtkonzeptes werden, das im nächsten Jahr erarbeitet und 2014 der Rostocker Bürgerschaft vorgelegt werden soll. In diesem Plan soll festgehalten werden, wie die Stadt in den nächsten zehn bis 15 Jahren mit dem Verkehr umgehen will.

Das letzte Konzept dieser Art stammt aus dem Jahr 1998. Damals, so Holger Matthäus, ging es vorrangig um ein großes Gesamtverkehrsnetz. Seitdem wurden der innere und äußere Tangentenring weitgehend fertiggestellt, der Warnowtunnel gebaut, das Straßenbahnnetz erheblich erweitert, der Hauptbahnhof erneuert und das öffentliche Nahverkehrsnetz modernisiert.

Der Anteil der LKW wurde in der KTV von 8 auf 3 bis 4 Prozent in den Hauptstraßen und auf 1,5 Prozent in den Wohnstraßen gesenkt. "Der Anteil der Versorgungsfahrzeuge ist nicht weiter senkbar", sagt Christian Pagenkopf, Verkehrsplaner im Hafen- und Tiefbauamt.
Der Anteil der LKW wurde in der KTV von 8 auf 3 bis 4 Prozent in den Hauptstraßen und auf 1,5 Prozent in den Wohnstraßen gesenkt. "Der Anteil der Versorgungsfahrzeuge ist nicht weiter senkbar", sagt Christian Pagenkopf, Verkehrsplaner im Hafen- und Tiefbauamt.

Für den Verkehrsfluss in der KTV dürfte wohl die Sperrung des Doberaner Platzes für den Durchgangsverkehr die größten Auswirkungen gehabt haben, in dessen Folge die Doberaner Straße und die Wismarsche Straße erheblich entlastet wurden.

„Das war mehr die Hardware. Jetzt geht es um die Software“, veranschaulicht der Senator das Anliegen des neuen Verkehrskonzeptes. Verkehrssicherheit, Einfluss von Luft- und Lärmbelastung auf die Wohnqualität gibt er als Stichpunkte vor, die zukünftig im Mittelpunkt stehen sollen.

Knapp 50 Teilnehmer – zu den Einwohnern hatten sich auch einige Fachleute gesellt – tauschten sich darüber aus, wie die Verkehrsteilnehmer in der KTV am besten von A nach B gelangen. Themenschwerpunkte bildeten Fußgänger, Fahrradfahrer, Bus und Bahn, Parken, Straßen für Pkw und Lkw und Verkehrsdienstleistungen.

An Stellplätze für Autos haben die Erbauer der KTV in den Gründerjahren noch nicht gedacht.
An Stellplätze für Autos haben die Erbauer der KTV in den Gründerjahren noch nicht gedacht.

Von einer autofreien KTV bis zu mehr Parkplätzen reichten die Vorstellungen der einzelnen Interessengruppen, die die Verkehrsplaner unter einen Hut bekommen sollen. „Das wird nicht leicht“, so das Fazit eines Teilnehmers nach der Versammlung. „Es ist aber gut, dass die Möglichkeit besteht, sich zu beteiligen. Dann wird vielleicht nicht so viel Mist gebaut und es braucht sich später keiner zu beschweren“, erwidert sein Gesprächspartner.

Holger Matthäus
Holger Matthäus

„Die Rückkopplung mit den Bürgern ist für uns wichtig. Sie wissen am besten, wo der Schuh drückt“, erklärt Grünen-Politiker Holger Matthäus den Ansatz des Workshops.

Und der Schuh drückt in der KTV an einigen Ecken. Schnell werden einige Unfallschwerpunkte im Stadtteil benannt. Nicht ganz ungefährlich für die Fußgänger: „Die Autos ignorieren die Haltestellen der Straßenbahn in der Doberaner Straße“, beklagt eine Teilnehmerin.

Die Verkehrsführung auf dem Doberaner Platz sorgt für Unsicherheiten.
Die Verkehrsführung auf dem Doberaner Platz sorgt für Unsicherheiten.

Auch der Doberaner Platz wird immer wieder als Problem benannt. Neben Grün fehle hier besonders die Orientierung sowohl für Fußgänger, vor allem aber für Radfahrer und auch für Autofahrer, die sich dann doch hin und wieder über die Straßenbahngleise schummeln. Für die Barrierefreiheit könne ebenfalls noch etwas getan werden und die Bordsteinabsenkungen farblich markiert werden.

Schwierig sei es für Fußgänger auch, die Straßen zu überqueren. Vor allem die Kreuzungsbereiche werden immer mehr zugeparkt.

Park oder Parken, Grün oder Autos - darüber sind sich die Bewohner der KTV nicht einig.
Park oder Parken, Grün oder Autos - darüber sind sich die Bewohner der KTV nicht einig.

Der Platz zum Parken aber ist knapp. Als der Stadtteil in den Gründerjahren gebaut wurde, spielte das Abstellen von Autos noch keine Rolle. Die Autofahrer kämpfen heute daher um jeden Stellplatz und stellen einige Parkverbotszonen infrage. Andere plädieren dafür, dass die Karossen gänzlich aus dem Stadtbild der KTV verschwinden. Der Lösungsvorschlag, sie auf die Innenhöfe zu verbannen, bleibt jedoch umstritten. Für Tiefgaragen, beispielsweise auf dem Ulmenmarkt, wäre der Baugrund nicht immer geeignet und daher ein mögliches Bauvorhaben finanziell aufwendig.

RSAG-Vorstand Michael Schroeder nimmt Kritik und Anregungen auf
RSAG-Vorstand Michael Schroeder nimmt Kritik und Anregungen auf

Der ÖPNV müsse attraktiver werden, so eine Strategie um vom Auto wegzukommen. Doch dafür müssten die Fahrpläne zwischen Bus und Bahn besser abgestimmt werden. Auch die Ticketpreise seien viel zu hoch. Das Fahrrad müsse kostenlos mitgenommen werden dürfen, so die Forderungen. „Klar der ÖPNV muss bezahlbar bleiben. Billigere Tickets bedeuten dann weniger Autos, mehr Fahrgäste, mehr Investitionen in Fahrzeuge und Personal“, gibt der technische Vorstand der Rostocker Straßenbahn Michael Schroeder zu bedenken. Zur immer wieder gewünschten Rückkehr des Kurzstreckentickets lässt er durchblicken: „Wir befassen uns damit“.

Aber nicht nur die Autofahrer, auch die Radfahrer beklagen einen Mangel an Abstellmöglichkeiten für ihre Drahtesel in der KTV. Das Radwegenetz sei ebenfalls noch optimierungsbedürftig. Gleich für mehrere Straßen werden Shared Space-Konzepte vorgeschlagen. Es folgt dem Ansatz, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind und auf Verkehrszeichen und Fahrbahnmarkierungen verzichtet wird.

Sichere Schulwege für die kleinen KTVler, die kaum über die Autos rüberschauen können und zwischendrin auch kaum gesehen werden.
Sichere Schulwege für die kleinen KTVler, die kaum über die Autos rüberschauen können und zwischendrin auch kaum gesehen werden.

Kinder seien die schwächsten Verkehrsteilnehmer, sagt Dr. Liane Melzer, Senatorin für Jugend und Soziales. Um die Sicherheit auf den Schulwegen zu verbessern, wurden daher auch alle Schulen aufgefordert, eine Stellungnahme zu der Verkehrssituation in ihrem Umfeld zum neuen Verkehrskonzept beizusteuern.

Der Workshop im Ortsteil KTV zum Verkehrskonzept war eine Premiere. Anmeldungen für 17 weitere Verkehrskonferenzen liegen vor. Die nächste ist für den 22. März um 19 Uhr in der Aula der Hundertwasserschule in Lichtenhagen geplant. Viele werden im Rahmen von Ortsbeiratssitzungen stattfinden, so Holger Matthäus. Aber auch schriftlich können Hinweise und Vorschläge bei den Verkehrsplanern im Hafen- und Tiefbauamt oder beim Senator persönlich eingereicht werden.

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