Volkstheater Rostock: Von der GmbH zurück zum Amt?

Die Fraktion FÜR Rostock spricht sich für die Liquidation der Volkstheater GmbH aus und möchte die Bühne in ein städtisches Amt überführen – der Aufsichtsrat hofft auf einen Haustarifvertrag, um die steigenden Kosten in den Griff zu bekommen

27. September 2012, von
"Bis 2018 schaffen wir es in diesem Haus nicht. Wir können froh sein, wenn wir die nächsten zwei Jahre überleben", sagt Eva-Maria Kröger vom Aufsichtsrat des Volkstheaters.
"Bis 2018 schaffen wir es in diesem Haus nicht. Wir können froh sein, wenn wir die nächsten zwei Jahre überleben", sagt Eva-Maria Kröger vom Aufsichtsrat des Volkstheaters.

Das Volkstheater Rostock soll wieder ein Amt werden, so will es zumindest die Fraktion FÜR Rostock und spricht sich in einem Antrag an die Bürgerschaft für eine Liquidation der Volkstheater GmbH aus.

Erst vor vier Jahren hatte die Rostocker Bürgerschaft beschlossen, das Theater der Hansestadt in eine GmbH auszugliedern. Damals erhoffte sie durch ein eigenständiges betriebswirtschaftliches Handeln der Bühne Einsparvorhaben zur Haushaltskonsolidierung leichter umzusetzen. Die Schaffung von Personalhoheit und eine eigene Bilanzbuchhaltung galten als Grundlage für eine effektive Unternehmensführung mit mehr künstlerischer Freiheit.

Dr. Dr. Malte Philipp und Maik Graske von der Fraktion Für Rostock versprechen sich größere Gestaltungsmöglichkeiten, wenn das Theater wieder ein Amt ist.
Dr. Dr. Malte Philipp und Maik Graske von der Fraktion Für Rostock versprechen sich größere Gestaltungsmöglichkeiten, wenn das Theater wieder ein Amt ist.

Allerdings, so bemängelt der finanzpolitische Sprecher der Fraktion FÜR Rostock Maik Graske, ermöglicht der Vertrag nur wenig Einflussnahme der Stadt auf die Gesellschaft, dafür sei sie aber in der Pflicht der Bezuschussung. Die Höhe wurde und wird zwar in der Bürgerschaft festgelegt, die Festlegungen jedoch seien in der Vergangenheit regelmäßig überschritten worden. Zu dem jährlichen Zuschuss von 7,9 Millionen Euro sind jedes Jahr sechstellige Fehlbeträge hinzugekommen. In diesem Jahr wurde der Zuschuss bereits um weitere 1,4 Millionen Euro überschritten. Für das nächste Jahr sind 1,29 Millionen im Haushalt angemeldet. Die Fortführungsprognose habe das Fass zum Überlaufen gebracht, sagt FÜR Rostock Fraktionsvorsitzender Dr. Dr. Malte Philipp. Vor dem Hintergrund der Gesamtverantwortung für die Stadt sei das für ihn nicht vertretbar.

Sein Fazit: „Das Projekt Volkstheater GmbH hat so nicht funktioniert und stellt für die Hansestadt eine immer größer werdende Belastung dar. Wir sehen den einzig gangbaren Weg in einer Liquidation der GmbH und die Rückführung des Theaters in ein Amt.“

Als städtisches Amt, das neben dem Kulturamt in den Kultursenatsbereich eingegliedert werden soll, könnte es die neu eingeführte doppelte Haushaltsführung übernehmen und die Effizienz vermutlich steigern. Die Stadt hätte wieder Zugriff auf den Betriebsablauf und könnte bei Ausgaben an Außenstehende wie Gutachter, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Kosten in Höhe von 500.000 Euro einsparen, zählen die beiden Fraktionsvertreter die Vorteile auf. Sie erwarten eine „ganz klare Verbesserung, wenn das Theater in ein Amt kommt“.

Eva-Maria Kröger
Eva-Maria Kröger

Das bezweifelt der Aufsichtsrat, durch den schon jetzt Vertreter der Bürgerschaft und die Kultursenatorin als Vorsitzende die Geschäfte des Theaters kontrollieren. „Als GmbH unterliegt das Theater dem Amt für Management und Controlling und damit dem Oberbürgermeister“, schiebt Aufsichtsratsmitglied Uwe Flachsmeyer (Bündnis 90/Die Grünen) den „Schwarzen Peter“ weiter.

Aufsichtsrat Eva-Maria Kröger (Die Linke) entgegnet dem Antrag: „Es gibt kein Einsparpotenzial mehr.“ Seit 1999 sei 17 Prozent des Personals abgebaut worden. Streicht man Vorstellungen, würden Gäste und Einnahmen wegfallen. Nicht zuletzt die massiven Einsparungen bei Requisite und Technik haben dazu geführt, dass das Große Haus wegen Brandschutzmängel geschlossen werden musste. Einsparpotenzial gebe es nur beim Personal.

„Die einzige Schraube, an der man überhaupt noch drehen kann, ist ein Haustarifvertrag und an dem arbeiten wir gerade“, sagt Eva-Maria Kröger. 1,2 Millionen Euro ließen sich insgesamt damit in den nächsten beiden Jahren einsparen. „Überführt man das Theaterpersonal in ein Amt, wird es den Haustarifvertrag jedoch nicht geben können und es ist kein Euro gespart“, ergänzt Uwe Flachsmeyer.

Ob der Haustarifvertrag zustande kommt, ist derzeit noch offen. Die Blockade vornehmlich seitens der Orchestergewerkschaft sei stark, deutet er an. Abgesichert durch einen Personalüberleitungsvertrag mit Kündigungsschutz, mit dem man seinerzeit den Übergang zur GmbH schmackhaft machen wollte, gebe es kaum einen Grund für die Mitarbeiter sich auf das Angebot einzulassen.

„Wenn nicht spätestens im November ein Haustarifvertrag unterschrieben worden ist, dann kann die GmbH die Steigerung der Personalkosten nicht mehr tragen. Dann müsste die Gesellschafterin nachlegen, um die Tariflöhne zu zahlen. Dazu gibt es keine Bereitschaft“, betont die Aufsichtsratsvertreterin. Als Konsequenz müsse dann nächstes Jahr der Antrag auf Insolvenz gestellt werden und die GmbH würde automatisch an die Stadt zurückgehen.

Da er „die Chance auf einen Haustarifvertrag nimmt“ lehnt der Aufsichtsrat der Theater GmbH den Antrag der Faktion FÜR Rostock auf Liquidation ab.

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