Das Volkstheater Rostock soll wieder ein Amt werden, so will es zumindest die Fraktion FÜR Rostock und spricht sich in einem Antrag an die Bürgerschaft für eine Liquidation der Volkstheater GmbH aus.
Erst vor vier Jahren hatte die Rostocker Bürgerschaft beschlossen, das Theater der Hansestadt in eine GmbH auszugliedern. Damals erhoffte sie durch ein eigenständiges betriebswirtschaftliches Handeln der Bühne Einsparvorhaben zur Haushaltskonsolidierung leichter umzusetzen. Die Schaffung von Personalhoheit und eine eigene Bilanzbuchhaltung galten als Grundlage für eine effektive Unternehmensführung mit mehr künstlerischer Freiheit.

Sein Fazit: „Das Projekt Volkstheater GmbH hat so nicht funktioniert und stellt für die Hansestadt eine immer größer werdende Belastung dar. Wir sehen den einzig gangbaren Weg in einer Liquidation der GmbH und die Rückführung des Theaters in ein Amt.“
Als städtisches Amt, das neben dem Kulturamt in den Kultursenatsbereich eingegliedert werden soll, könnte es die neu eingeführte doppelte Haushaltsführung übernehmen und die Effizienz vermutlich steigern. Die Stadt hätte wieder Zugriff auf den Betriebsablauf und könnte bei Ausgaben an Außenstehende wie Gutachter, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Kosten in Höhe von 500.000 Euro einsparen, zählen die beiden Fraktionsvertreter die Vorteile auf. Sie erwarten eine „ganz klare Verbesserung, wenn das Theater in ein Amt kommt“.

Aufsichtsrat Eva-Maria Kröger (Die Linke) entgegnet dem Antrag: „Es gibt kein Einsparpotenzial mehr.“ Seit 1999 sei 17 Prozent des Personals abgebaut worden. Streicht man Vorstellungen, würden Gäste und Einnahmen wegfallen. Nicht zuletzt die massiven Einsparungen bei Requisite und Technik haben dazu geführt, dass das Große Haus wegen Brandschutzmängel geschlossen werden musste. Einsparpotenzial gebe es nur beim Personal.
„Die einzige Schraube, an der man überhaupt noch drehen kann, ist ein Haustarifvertrag und an dem arbeiten wir gerade“, sagt Eva-Maria Kröger. 1,2 Millionen Euro ließen sich insgesamt damit in den nächsten beiden Jahren einsparen. „Überführt man das Theaterpersonal in ein Amt, wird es den Haustarifvertrag jedoch nicht geben können und es ist kein Euro gespart“, ergänzt Uwe Flachsmeyer.
Ob der Haustarifvertrag zustande kommt, ist derzeit noch offen. Die Blockade vornehmlich seitens der Orchestergewerkschaft sei stark, deutet er an. Abgesichert durch einen Personalüberleitungsvertrag mit Kündigungsschutz, mit dem man seinerzeit den Übergang zur GmbH schmackhaft machen wollte, gebe es kaum einen Grund für die Mitarbeiter sich auf das Angebot einzulassen.
„Wenn nicht spätestens im November ein Haustarifvertrag unterschrieben worden ist, dann kann die GmbH die Steigerung der Personalkosten nicht mehr tragen. Dann müsste die Gesellschafterin nachlegen, um die Tariflöhne zu zahlen. Dazu gibt es keine Bereitschaft“, betont die Aufsichtsratsvertreterin. Als Konsequenz müsse dann nächstes Jahr der Antrag auf Insolvenz gestellt werden und die GmbH würde automatisch an die Stadt zurückgehen.
Da er „die Chance auf einen Haustarifvertrag nimmt“ lehnt der Aufsichtsrat der Theater GmbH den Antrag der Faktion FÜR Rostock auf Liquidation ab.