Bürgerschaft entscheidet über Intendant und Neubau des Volkstheaters

Bürgerschaft beschließt nach Widerspruch des Oberbürgermeisters erneut die Wiederberufung Latchinians zum Intendanten des Volkstheaters und entscheidet sich für einen Neubau am Bussebart

7. Mai 2015, von
Demo für das Volkstheater vor der Sitzung der Bürgerschaft, die über die Zukunft des Intendanten Sewan Latchinian und den Standort für einen Theaterneubau entschied.
Demo für das Volkstheater vor der Sitzung der Bürgerschaft, die über die Zukunft des Intendanten Sewan Latchinian und den Standort für einen Theaterneubau entschied.

Sewan Latchinian soll bedingungslos zum Intendanten des Volkstheaters wiederberufen werden, nachdem er vom Hauptausschuss gekündigt worden war. Das hatte die Bürgerschaft bereits auf ihrer außerplanmäßigen Sitzung im April beschlossen und diesen Antrag heute noch einmal bestätigt, weil Oberbürgermeister Roland Methling dagegen Widerspruch eingelegt hatte.

Vor der Sitzung waren wieder Hunderte Menschen dem Aufruf der Initiative Volkstheater „Wir haben den Hut auf“ gefolgt und demonstrierten für ein Vier-Sparten-Theater und die Wiedereinsetzung Sewan Latchinians.

Erleichtert nahmen sie das Ergebnis der Abstimmung auf. „Wir haben dem Intendanten nun zweimal das Vertrauen ausgesprochen. Das Theater braucht jetzt Ruhe“, sagte Sybille Bachmann (Rostocker Bund), die darauf drängt, dass der Oberbürgermeister den Beschluss nun auch zügig umsetzt.

Das neue Theater kommt an den Bussebart

Bewegung soll jetzt hingegen in den Bau eines neuen Theaters kommen. Heute legte sich die Bürgerschaft für den Standort Bussebart am westlichen Ende der Langen Straße fest. In die engere Auswahl war auch der in Sichtweite liegende Christinenhafen gekommen, der bei einer Preisverleihung des städtebaulichen Ideenwettbewerbs von einer Jury knapp bevorzugt wurde. Doch die Mehrheit der Bürgerschaft folgte dem Votum verschiedener Bürgerschaftsausschüsse und entschied sich letztendlich für den Bussebart. Dieser habe mehr Vorteile als Nachteile, erklärte Bertholt Friedrich Majerus die Wahl der CDU-Fraktion. Der Bussebart sei besser an den Öffentlichen Nahverkehr angeschlossen und die Kosten seien nicht so hoch wie im Christinenhafen, begründete Eva-Maria Kröger (Linke) die Entscheidung. Ein Problem sei jedoch der Platz für die großen Fahrgeschäfte, die dort zum Weihnachtsmarkt im Dezember bisher zu finden waren. Auch wenn man sich für den Christinenhafen entschieden hätte, wäre der Platz, der jetzt als Parkfläche genutzt wird, mit Wohnhäusern bebaut worden. „So wie er jetzt ist, bleibt der Platz nicht“, lautet der Hinweis aus der Bürgerschaft an die Schausteller, die sich seit Jahren gegen den Bussebart für einen Theaterneubau aussprechen. Nun sollen sie mit dem Volkstheater zusammen ein Konzept entwickeln und so Planungssicherheit erhalten.

Schon morgen will Oberbürgermeister Roland Methling den KOE beauftragen, die konkrete Umsetzung des Volkstheaters Rostock am Bussebart zu planen. „Wir können sicher sein, dass in sieben Jahren ein neues Theater steht“, kündigte er an.

Methling und Brodkorb unterzeichnen Zielvereinbarung

Möglich ist dies nicht zuletzt, weil die Freigabe für die Planung des Theaterneubaus in einer Zielvereinbarung zwischen Stadt und Land festgehalten wurde. Am Morgen vor der Bürgerschaftssitzung wurde sie von Roland Methling und dem Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) unterzeichnet.

Darin sichert das Land zu, für einen Theaterneubau bis zu 50 Millionen Euro die Hälfte der Kosten zu übernehmen und notwendige Kreditaufnahmen der verschuldeten Stadt zu genehmigen „Wir planen das Theater in einer Größenordnung von 40 Millionen Euro“, sagte der Oberbürgermeister. Außerdem sagte Brodkorb weitere Gelder zu, um die Zusammenarbeit der Hochschule für Musik und Theater und dem Volkstheater in dem neuen Haus zu fördern.

Roland Methling zeigte sich zufrieden mit der Vereinbarung: „Diese Zielvereinbarung greift Rostocker Vorgaben und Wünsche voll umfänglich auf. Diese Zielvereinbarung sichert, dass der öffentliche Zuschuss bis 2020 in konstanter Höhe weiter durch das Land und die Stadt gewährleistet ist. Erstmals seit 25 Jahren haben wir im Land verpflichtend eine Vereinbarung, dass ab dem Jahr 2021 die Zuschüsse für das VTR dynamisiert werden.“

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