
Ab 2016/2017 möchte die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (RGS) die beiden ehemaligen Bastionen der Stadtbefestigung sanieren und hat dafür zwei Planungsbüros beauftragt. Etwa 3,5 Millionen Euro stehen aus Städtebaufördermitteln zur Verfügung.
Dass eine Notwendigkeit besteht, tätig zu werden, erläutert Landschaftsarchitekt Prof. Stefan Pulkenat. Zum einen sollen die Schäden an den Bauwerken beseitigt werden. Betonfraß mache den Treppen zu schaffen, Löcher auf den Wegen werden zu Stolperfallen, das Geländer ist verrostet. Die unterirdischen Bunkeranlagen, in denen sich im Winter Fledermäuse und andere Tierarten zurückziehen, seien baufällig und sollen erneuert, mehr Quartiere für sie geschaffen werden.
Eine neue Stahltreppe, die im Hang der Heubastion verankert wird, ist geplant. Unter ihr kann Grün wachsen. Die benachbarte Fernwärmeleitung soll unter die Erde verschwinden. Der Balkon der Heubastion kommt weg. Die ursprüngliche Böschung soll an dieser Stelle wieder hergestellt werden. Der obere Bereich wird mit neuen Bänken, Staudenpflanzen und Gräsern umgestaltet, als Reminiszenz an die „Heu“- Bastion. Die bis zu zwölf Meter großen Höhenunterschiede – eine landesweite Besonderheit bei ehemaligen Stadtbefestigungsanlagen – sollen wieder wahrnehmbar werden.

Im Moment versperrt der Spitzahorn diese historische Sicht. Die wildwuchernden Bäumchen sind das andere große Übel, welchem mit den Sanierungsmaßnahmen zu Leibe gerückt werden soll. Sie stehlen den anderen Bäumen und Bodendeckern das Licht, wodurch sie im Wachstum behindert werden und der Boden zu Erosionen neigt, erklärt Stefan Pulkenat. Sich selbst zur Konkurrenz werdend habe der Spitzahorn kaum Chancen alt zu werden. Auch die Verkehrssicherheit sei durch kranke Bäume nicht mehr gegeben. Die Planer sprechen von Zuwucherungen, die einen dunklen Angstraum entstehen lassen haben. Als solcher sei er auch von der Polizei definiert worden, informiert Ortsamtsleiterin Stephanie Bornstein.

Insbesondere Umweltschutzverbände kritisieren, dass Naturschutzaspekte bei der Planung für die Sanierung der Wallanlagen zu wenig Berücksichtigung finden.
Seit kurzem liegt dazu ein Artenschutzgutachten vor, dessen Kernaussage sei – so Stefan Neubauer - dass gerade eine vielfältige Struktur aus Rasen, Wiese, Sträucher, Wald- und Wasserflächen insgesamt für die Fauna interessant machen würde.
Auch Umweltschutzfragen wie die Bedeutung der Grünanlage als Filter für Feinstaub und Lärm aus der August-Bebel-Straße, sind für Maria John vom NABU Mittleres Mecklenburg nicht ausreichend geklärt.

„Die Dreiwallbastion eignet sich nicht als Abenteuerspielplatz“, entgegnet Historiker Dr. Joachim Lehmann und plädiert für einen „vernünftigen Kompromiss“ zwischen der Geschichte und den Bedürfnissen an eine Grünzone in der Stadt, der auch dazu geeignet ist Natur erlebbar zu machen.
Noch bis zum 30. September 2015 können Einwendungen zu den Planungen der Sanierungsmaßnahmen bei der RGS und im Ortsamt abgegeben werden. Ab dem 25. August soll das Artenschutzgutachten bei der RGS einsehbar sein.
Visualisierung der Pläne für Dreiwall- und Heubastion
