Mit der Lesung „Immer bin ich in Rostock gewesen ...“ starteten heute die Kempowski-Tage 2010 in Rostock. Zahlreiche Fans des Schriftstellers waren zur Eröffnung ins Rathaus gekommen.
1929 in Rostock geboren, saß Kempowski von 1948 bis 1956 wegen Spionage-Vorwürfen in Bautzen und ging anschließend in den Westen.
Mit seinen Romanen der „Deutschen Chronik“ und seinem „Echolot“ zählt der Schriftsteller nicht nur zu den bedeutendsten deutschen Gegenwartsautoren, sein autobiografischer Roman „Tadellöser & Wolff“ und dessen Verfilmung machten auch Rostock bundesweit bekannt.

„Der Ort, von dem aus die Heimat bedacht wird, ist beliebig“, brachte es Professor Dieter Schröder vom Kempowski-Archiv in seiner Einleitung zum Ausdruck. „Aber der Ort, zu dem die Gedanken immer wieder zurückkehren, ist nicht austauschbar.“ Ein Umstand, den Kempowski mit vielen seiner Kollegen teile, die aus der Ferne über ihre Heimat schrieben. Sei es Fritz Reuter oder Uwe Johnson.

Durchaus ein schwieriger Prozess für den Schriftsteller, diese Rückkehr. Aufgearbeitet hat er sie in Tagebüchern, waren diese doch seine ganz persönliche Leidenschaft. „Ein Schriftsteller, der kein Tagebuch schreibt, ist irgendwie schief gewickelt, mit dem stimmt was nicht“, brachte er es einst zum Ausdruck.
Und so stehen im 20. Jahr nach der Wende bewusst diese Tagebücher im Zentrum der Kempowski-Tage. Und ganz bewusst lautete das Motto heute: „Immer bin ich in Rostock gewesen …“ Selbst in den Jahren, in denen er nicht nach Rostock konnte, war Kempowski doch stets hier.

Nach dem gelungenen Auftakt gibt es in der Hansestadt noch bis zum Sonntag ein buntes Programm zum Gedenken an den Rostocker Ehrenbürger. An erster Stelle seien zwei Lesungen genannt, die vom Literaturhaus Rostock organisiert werden.
Martin Mosebach, dem 2007 der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde, liest am Freitag um 20 Uhr in der Universitätsbuchhandlung Weiland aus seinem neuen Roman „Was davor geschah.“ Einen Tag später sind um 20 Uhr Falko Hennig und Jochen Schmidt auf der MS Stubnitz zu Gast. 2007 gründeten die beiden Schriftsteller die „Weltchronik“, in der ein ‚Star‘ jeweils 30 Tage seines Lebens dokumentieren sollte. In Rostock werden wir erfahren, welche Beziehung die beiden zu Walter Kempowski haben und welchen Einfluss er auf ihre Texte hat.

Auf historische Spurensuche bis „Im Block“ (Kempowskis Erstlingswerk, in dem er seine Zeit in Bautzen verarbeitete) geht Dr. Matthias Braun am Sonntagmorgen in der Dokumentations- und Gedenkstätte der BStU.
Zusätzlich gibt es Bilder- und Filmvorträge im Kulturhistorischen Museum, einen Stadtrundgang auf den Spuren der Familie Kempowski (Samstag, 15 Uhr ab dem Kempowski Archiv) und nicht zu vergessen noch einmal drei Aufführungen des Theaterstücks „Alles offen“ (Geschichten aus der Zeitenwende) in der Inszenierung von Tobias Rausch.