Warnemünde bangt um sein Flair
Sorge um Erhalt der Fischkutter, des alten Stellwerkes und der Sauberkeit am Strand
10. Januar 2018, von Stefanie
Gleich hinter Strand und Leuchtturm dürfte der Alte Strom zu den beliebtesten Fotomotiven Warnemündes gehören. Besonders die Perspektive von der Bahnhofsbrücke aus Richtung Norden, wo die alten roten Fischkutter an der westlichen Kaikante liegen, wird immer wieder gern vor die Linse genommen. Dieses charakteristische Bild des Ostseebades wird es vielleicht bald nicht mehr geben, befürchten die Warnemünder.
„Es gibt die Sorge, dass peu a peu diese alten Kutter ersetzt werden sollen durch neu Segelschiffe“, sagte Alexander Prechtel, Vorsitzender des Ortsbeirates Warnemünde, der gestern wieder im vollbesetzten Sitzungsaal tagte.
In den 1940er/1950er Jahren gebaut hätten die meisten Fischkutter der „Roten Flotte“ langsam ihre natürliche Lebensdauer erreicht. Die Frage bewegt, wie die markanten Schiffe und damit die Atmosphäre am Alten Strom erhalten werden können. Unter Denkmalschutz stehen sie nicht und so ist auch nicht das Denkmalpflegeamt zuständig, sondern das Hafen- und Seemannsamt. „Selbst, wenn ein Kutter unter Denkmalschutz stehen würde und der Aufwand, um den Kutter zu erhalten, wäre für den Eigentümer unverhältnismäßig hoch, müssten wir einem Abbruch zustimmen“, gibt Peter Writschan vom Rostocker Amt für Denkmalpflege zu bedenken.
Wie die Zukunft der Schiffe am Alten Strom aussehen könnte, ob neue Schiffe, die in Proportionen und Struktur in den Hafen hineinpassen, die alten ersetzen, damit soll sich nun ein ämterübergreifender Workshop befassen, so der Vorschlag aus dieser Sitzung. Ähnlich sei die Stadtverwaltung auch an den Umgang mit Schiffen im Stadthafen herangegangen, so Writschan.
Steht das alte Stellwerk den neuen Plänen auf der Mittelmole im Weg?

Auch der Erhalt des Stellwerks beschäftigt die Warnemünder. „Es ist eines der alten Gebäude in Warnemünde. Wir achten darauf, weil uns so viel in den letzten Jahren abhandengekommen ist“, betont Alexander Prechtel.
Das kleine Stellwerk ist im Zusammenhang mit dem Bahnhof gebaut worden. Den Betrieb wurde später durch ein größeres und moderneres Stellwerk übernommen. Das alte steht unter Denkmalschutz und sei eigentlich nicht gefährdet. Es ist im Funktionsplan, der für die Flächenneuaufteilung der Mittelmole erarbeitet wurde, enthalten. „Wir haben großen Wert daraufgelegt, dass das Gebäude erhalten bleibt“, sagt Peter Writschan. Der Plan sieht vor, dass in der Nachbarschaft ein Parkhaus und um das Stellwerk selbst eine große Grünfläche entstehen soll, so der Denkmalpfleger weiter. Auch von Seiten der Wiro, die auf der Mittelmole investieren möchte, seien keine anderen Pläne bekannt. Vor einigen Jahren hatte der Abbruch der Bahnwärterhäuschen heftige Kritik hervorgerufen. Diese standen jedoch nicht unter Denkmalschutz.
Wie das alte Stellwerk wieder mit Leben erfüllt werden kann, ist noch offen. Mit drei Meter unten, vier Meter oben Breite sei es für einen Kulturtreff, den sich viele Warnemünder wünschen, wohl zu klein. Eine Information für Touristen, ein Kiosk, oben eine kleine Bar könnten dort eingerichtet werden. Es gebe viele Möglichleiten, die sich jedoch erst entwickeln müssen, wenn die Planung für die Bebauung dort weitergeht. Zuerst ist die Bahn dran. Sie wird die Gleise verlegen und sie dabei vom Stellwerk noch weiter wegrücken. Writschan sagte den Warnemündern zu, dass das Denkmalpflegeamt darauf achte, dass das Gebäude nicht verfällt.
Zu viel Müll am Strand

Als unzumutbar werde von einigen in den letzten Wochen der Unrat am Strand betrachtet, berichtet der Ortsbeiratsvorsitzende über Beschwerden. Nicht nur nach Silvester sei dieser Zustand schon vielen aufgefallen. Einzelne haben bereits zu Müllsammelaktionen aufgerufen. „All das wäre ja nicht erforderlich, wenn hier so saubergemacht wird, wie es hier eigentlich sein müsste. Die Aktivitäten der Tourismuszentrale reichen offensichtlich bei weitem nicht aus“, ist Alexander Prechtel überzeugt. Deswegen will der Ortsbeirat die Tourismuszentrale auffordern, die Reinigungsleistung zu intensivieren und sich über das Konzept, welches dahintersteht, informieren lassen. „Es bringe nichts, wenn jedes Jahr bei der Saisonauswertung alles Friede, Freude Eierkuchen ist und wir bekommen immer wieder zu den gleichen Themen Klagen.“