2. Warnemünder Sandwelt 2011 an Karls Pier 7
Skulpturen aus Sand erzählen Meeresgeschichten im Ostseebad Warnemünde
17. April 2011, von Olaf
Kunst aus Sand heißt es seit diesem Wochenende wieder an Karls Pier 7 in Warnemünde. Nach einer mit über 100.000 Besuchern erfolgreichen Premiere im Vorjahr, erfolgte gestern um 10 Uhr der offizielle Start zur 2. Warnemünder Sandwelt, die auch in diesem Sommer nicht nur Kinderaugen zum Strahlen bringen dürfte.
Gestaltet wird die Sandwelt 2011 von neun Künstlern aus sieben europäischen Ländern – die meisten sind professionelle, ausgebildete Bildhauer, die sonst Stein und Holz bearbeiten oder Bronzeplastiken gestalten.
Unter dem Motto „Meeresgeschichten“ erschaffen sie nun Skulpturen aus Sand – bis zu sechs Meter breit und dreieinhalb Meter hoch. Und zwar aus „ganz besonderem Sand“, erklärt Othmar Schiffer-Belz, der künstlerische Leiter von Karls Erlebnis-Dorf. „Er hat eine eckige Kornstruktur. Wird er angefeuchtet und zusammengedrückt, verzahnt er sich.“ Das unterscheide ihn etwa von dem normalen Ostseesand, klärt Schiffer-Belz die ersten Schaulustigen auf: „Der ist rund, da können Sie drücken und drücken …“

400 Tonnen dieses speziellen Sandes wurden eigens für die Sandwelt aus einem Tagebau in Niederlehme bei Berlin ins Ostseebad gebracht. In Schichten eingeschalt, angefeuchtet und verdichtet entstanden pyramidenförmige Rohlinge, aus denen die Künstler ihre Werke von oben nach unten herausarbeiten.
Schaufel und Spachtel gehören dabei ebenso zu ihrem Arbeitswerkzeug wie Pinsel und Pusterohr, mit denen sie gefühlvoll feinste Details modellieren. Die Motive der Künstler sind ganz verschieden. Während sich der lettische Designer Zigmunds Vilnis in diesem Jahr vom Warnemünder Leuchtturm inspirieren ließ, wagt der Pole Viacheslav Boretsky einen Ausflug in die griechische Mythologie. Die Königstochter Andromeda, die einem Meeresungeheuer geopfert werden soll, hat es ihm angetan.

Unter den Händen des 40-jährigen Bildhauers Sergey Tselebrovsky wird die Meeresgöttin Jurate entstehen. Nach einer litauisch-lettischen Legende lebte sie in einem Bernsteinpalast auf dem Grund der Ostsee, bis sie sich in einen Fischer verliebte und ihn heimlich heiratete. Außer sich vor Wut zerstörte ihr Vater den Palast und tötete den Geliebten. Noch heute trauert Jurate und ab und an werden ihre Bernsteintränen an unsere Küsten gespült.
Wie aber ist es für einen Künstler, wenn die mit viel Liebe gestalteten Werke doch nur vergänglich sind? „Das ist kein Problem“, bekennt der russische Künstler schmunzelnd, „die Zeit ist für die Besucher lang genug.“ Und Sergey Tselebrovsky muss es wissen, schließlich ist er Meister der vergänglichen Kunst. Weltmeister sogar, errang er diesen Titel doch 2006 bei der Ice-Championchip in Alaska.
Klar, dass auch Schiffer-Belz selbst wieder eine der insgesamt sieben Skulpturen am Warnemünder Pier 7 gestalten wird. „Etwas typisch Maritimes, das zu Warnemünde passt“, habe er sich in diesem Jahr vorgenommen, erklärt der Künstler.

Gefallen ist die Wahl auf ein echtes Warnemünder Original: „Min Herzing“. Viele Einheimische dürften die Fischfrau Hedwig Anke – so ihr bürgerlicher Name – noch aus eigenem Erleben kennen. Schon zu DDR-Zeiten brachte sie ihren Fisch bei Wind und Wetter am Warnemünder Kirchenplatz an den Mann und die Frau.
„Ich hoffe, dass sie sich gut getroffen wiederfindet, wenn sie vorbeikommt“, freut sich Schiffer-Belz auf das Ergebnis. Gestern schaute schon einmal der Neffe von Min Herzing vorbei und hatte als Inspiration ein Foto aus vergangenen Tagen dabei.
Bis Ende Mai werden die verschiedenen Künstler an ihren Skulpturen arbeiten. Immer von 10 bis 18 Uhr kann man ihnen dabei zuschauen. Anschließend bleibt die 2. Warnemünder Sandwelt bis Ende Oktober geöffnet, der Eintritt ist frei.