Zu viele Reklametafeln in Rostock?

Ortsbeirat Stadtmitte und Verwaltung wollen der Werbung im Stadtzentrum Einhalt gebieten – eine Gestaltungssatzung soll es richten

22. August 2013, von
Werbung „Am Strande“
Werbung „Am Strande“

Der Londoner Piccadilly Circus, der New Yorker Times Square oder Downtown-Straßenschluchten in asiatischen Millionenmetropolen glänzen und funkeln nur so vor Reklametafeln. Dass Werbung das Bild des öffentlichen Raumes auf so charakterisierende Weise beherrscht, dass selbst Touristen ihre Fotoapparate staunend zücken, davon dürfte Rostock zwar weit entfernt sein, doch gibt es hier durchaus Befürchtungen, dass ein erträgliches Maß überschritten werden könnte.

Besonders an der L22, einer der meistbefahrenen Straßen Mecklenburg-Vorpommerns, reiht sich im Bereich „Am Strande“ und Warnowufer eine großflächige Werbewand an die nächste. „So langsam wird es voll da unten“, moniert Niels Burmeister (FDP) bei der gestrigen Ortsbeiratssitzung. „Eigentlich wollten wir das Erscheinungsbild Rostocks vom Hafen aus prägen.“

Und wie sieht es hier aus? Seit einiger Zeit blinkt unübersehbar an der Ecke Grubenstraße eine Leuchttafel mit Wechselwerbung an der Fassade.

In der Nachbarschaft, gegenüber der AIDA-Baustelle, soll zur Straße hin ein 8×10 Meter großes Werbebanner aufgestellt werden. Neben dem Gerüst mit Planen sollen auch Ausstellungsflächen für zwei Autos entstehen, so der Antrag beim Bauamt. Noch ist die Genehmigung nicht erteilt, da der Entwurf zu weit in den Rad- und Fußgängerweg hineinragt. Sollte der Neubau jedoch zurückgesetzt werden, entspricht er den Ausmaßen des im B-Plan vorgesehenen Baufeldes und ist in der Größe damit zulässig, erläutert Ortsamtsleiterin Stephanie Hameister.

Für die beiden Giebel des Neubaus am Strande 2b, dem zukünftigen Sitz der Firma Projektmanagement Rostock (PMR), erklärte sich der Ortsbeirat mit großflächiger, beleuchteter Werbung für die Nutzer des Hauses einverstanden. Bauwerklich stehe dem nichts entgegen und außerdem gebiete es die Gleichbehandlung, so die Begründung der Befürworter. „Doch bedeutet Gleichbehandlung, dass jeder kommen kann und die Flächen mit Werbung zustopfen kann?“, fragt eine kritische Stimme.

Bei vielen am Tisch wächst das Unbehagen, dass es zu viel wird.

Auch in der Verwaltung machen sich angesichts zunehmender Werbeflächen Sorgenfalten auf der Stirn breit. Die Ortsamtsleiterin spricht von einem neuen Phänomen: „Das Thema Werbung nimmt mittlerweile eine ganz andere Dimension aufgrund des technischen Fortschritts ein. Auch in dieser Größe ist es bisher nie der Fall gewesen.“

Zukünftige Bebauungspläne sollen daher ganz konkrete Festsetzungen für großflächige Werbeanlagen enthalten, so die Absicht. Doch die Rostocker B-Pläne sind relativ frisch überarbeitet. Bis es zu einer Aktualisierung kommt, wird noch viel Wasser die Warnow herunterfließen. „Wir brauchen eine Werbe- oder Gestaltungssatzung“, lautet daher eine Forderung aus dem Ortsbeirat.

Etwas ähnliches wird derzeit schon vorbereitet. Demnächst soll sich die Rostocker Bürgerschaft damit befassen. Anstoß dafür gab das Auslaufen der Sanierungsgebiete. Damit lösen sich Sanierungsverpflichtungen auf, die wieder größere Gestaltungsfreiräume zulassen. „Um die Sanierungsziele auch nachhaltig aufrecht zu halten, will man eine Gestaltungssatzung zumindest für den Innenstadtbereich“, informiert Stephanie Hameister. Eine Studie wurde daher in Auftrag gegeben, in der zunächst auf historischer Grundlage die besonderen Merkmale ausgewählter sanierter Gebiete untersucht werden sollen. Bei der Frage, ob und wie Gestaltungsveränderung zulässig sein sollen, soll auch der Punkt Werbung eine Rolle spielen.

Nicht nur im Stadthafen auch in anderen Stadtgebieten ringen die Gewerbetreibenden um die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden. Schön zu sehen am KTC. Für die Wiro ist die Werbung des Saturn hier so massiv, dass sie sich nicht mehr wahrgenommen fühlt. Ein großer Schriftzug auf dem Haus soll den Kunden nun dabei helfen, die richtige Tür zu finden. Die Größe 4×2,50 Meter ist ein Kompromiss. Der ursprüngliche Entwurf sei wesentlich größer gewesen, aus denkmalpflegerischen Gründen aber abgelehnt worden. Vom Bauamt ebenfalls abgelehnt wurde eine großflächige Werbung auf einer Hauswand in der St.-Georg-Straße.

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