
Allen Umständen zum Trotz entstanden dennoch neue Gemeinden, so auch in Rostock. Allerdings wurde die hiesige jüdische Gemeinde 1989 aufgelöst – zu diesem Zeitpunkt bestand sie bereits nur noch aus einem Mitglied. 1994 fand schließlich die Neugründung statt und heute zählt sie in Rostock 697 Mitglieder, in Schwerin sind es sogar 900.
Warum erzähle ich Euch das alles? Weil für die jüdische Gemeinde Rostocks heute ein besonderer Festtag war. Seit über zwei Jahren hatte die Gemeinde Spenden für den Erwerb einer eigenen Thorarolle gesammelt, wie etwa 2008 bei einem Benefizkonzert in der HMT.
Eine Thorarolle enthält die fünf Bücher Mose und ist damit so etwas die das Handbuch der jüdischen Lebensweise.
Im Frühjahr 2010 war schließlich genug Geld zusammengekommen, zwar nicht um eine neue Thorarolle zu erwerben, aber um eine alte Rolle zu restaurieren. Diese, zudem aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Thorarolle, zog am heutigen Nachmittag in einer feierlichen Zeremonie, unter den Augen von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering, wieder in die Synagoge ein.
Landesrabbiner William Wolff führte durch die Zeremonie und ließ sich auch durch einige kleine Regiefehler nicht aus dem Konzept bringen. „Wozu ist eine Rolle da? Dass man aus ihr vorliest“, und um diesen Worten auch Taten folgen zu lassen, las Wolff aus dem 25. Kapitel des zweiten Buch Mose vor. Anschließend wurde die Thorarolle hochgehoben und der Gemeinde gezeigt.

Glücklicherweise war das nicht der Fall – wäre auch schade um das Buffet gewesen. Damit die Rolle koscher wird, mussten noch zwei Buchstaben am Ende hinzugefügt werden, bevor der Gottesdienst fortgesetzt wurde.
Nach Predigt und Nachmittagsgebet war es schließlich an der Zeit für die Ehrengäste, einige Grußworte an die Gemeinde zu richten.


In diesem Sinne sollen die abschließenden Worte Ministerpräsident Erwin Sellering gehören: „Ich wünsche mir, ich wünsche uns allen, dass jüdischer Glauben in Mecklenburg-Vorpommern nie wieder aufhören mag, bis ans Ende der Welt.“