Was habt ihr eigentlich für einen Stromanbieter? Seid ihr auch schon auf Pilgerstrom umgestiegen? Natürlich kann man nur schwierig mit Glauben einen Computer betreiben. Aber trotzdem wird das Wort immer wieder verwendet. Nur eine von sehr vielen genialen Beobachtungen, die der Autor Wiglaf Droste mit den knapp 200 Zuhörern im Peter-Weiss-Haus teilte.
„Ich freue mich, dass ich den Weg ins Peter-Weiss-Haus gefunden habe“, so begrüßte er die Anwesenden. Dabei war es ja gar nicht das erste Mal für Droste. Schon im März 2010 hatte ihn das Literaturhaus Rostock eingeladen, um seine neuen Bücher vorzustellen. Und wie schon damals war es auch diesmal wieder rappelvoll im Saal. Es mussten sogar noch Stühle nachgeholt werden, um allen Gästen Platz zu bieten.


Vor der Pause wurde es dann sogar musikalisch. So gab er zur Begeisterung der Besucher einen Blues zum Besten. „Die armen Fische“ beschreibt die Arbeit eines Fischgrätenwerfers in einer Fischmehlfabrik. Dieser schmeißt dann in jedes fertig gepresste Fischfilet zwei Gräten hinein, um den Anschein zu erwecken, dass es sich dabei wirklich um echten Fisch handelt.

„Es ist wie mit Guttenberg. Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst, nur leider keine Ghostwriter.“ Neben dem ehemaligen Minister bekamen auch Größen der Literaturlandschaft ihr Fett weg, zum Beispiel Marcel Reich-Ranicki oder Günter Grass. Selbst vor seiner Heimat machte er kein Halt. „Nicht abgeholt, obwohl bestellt, dies Gefühl ist Bielefeld.“
„Ich rede gerne mal, ohne vorher zu wissen, worauf es hinausläuft“, sagte der Autor zum Ende der Lesung, nachdem er sich scheinbar etwas in seinen Gedanken verzettelt hatte. Aber auch das erhöhte die Sympathie für ihn nur noch. So sang er zum Trost für alle, die Trost brauchen, als Zugabe noch einen Song von Tom Petty, um dann die Bühne zu verlassen und sich nach eigenen Angaben „einen Wolf zu signieren.“ Zwar konnte man den Gedichtband noch nicht kaufen, dafür aber die Kolumnensammlung „Auf sie mit Idyll!“

Auch wenn Wiglaf Droste selbst sagt: „Deutschland heißt in echt Debilien“, ist er der der beste Beweis, dass dem nicht nur so ist.