„Wir hätten mehr haben können, nämlich einen Teil des Gebäudes erhalten. Aber das war heute so in der Abstimmung nicht gewollt“, fasste Alexander Prechtel (CDU), Vorsitzender des Ortsbeirates Warnemünde, gestern Abend die Diskussion um den Abriss des Zwiebelschuppens auf der Warnemünder Mittelmole zusammen.
Die Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock (Hero) hat den Abriss des Baudenkmals am Pier 7 auf der Warnemünder Mittelmole beantragt, um die Fläche für Verkehrs- und Logistikzwecke zu nutzen - für den zukunftsorientierten Betrieb der Kreuzschifffahrt, wie es heißt. Der Warnemünder Bauausschuss hat sich letztes Jahr in seiner Stellungnahme dafür ausgesprochen, statt eines Abrisses einen Rückbau vorzunehmen und die Teile einzulagern, um den Zwiebelschuppen später an geeigneter Stelle wiederaufzubauen. Hero-Geschäftsführer Jens Aurel Scharner hat daraufhin auf der letzten Ortsbeiratssitzung zugesagt, diesen Vorschlag prüfen zu lassen.
Jörg Heinze, Abteilungsleiter Hafenbau bei der Hero, erläuterte gestern Abend noch einmal kurz die Gründe für den geplanten Abriss des um 1900 errichten denkmalgeschützten Fachwerkgebäudes. Nachdem sich der Bedarf im Logistikbereich der Kreuzschifffahrt in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht habe, herrschen am Warnemünder Kreuzfahrtterminal mittlerweile „chaotische Verkehrsverhältnisse“. Lkw, Busse, Pkw und Passagiere drängen sich auf dem engen Bereich am Terminal, dazu kommt auf der Straße „Am Passagierkai“ der Verkehr von und zu der Fähre nach Hohe Düne. Schon aus Verkehrssicherungsgründen sei die Situation nicht mehr tragbar, so Heinze.

Zwei Vorschläge hatte der Leiter des Haufenbaubetriebs aber als Alternative mit im Gepäck. Zum einen gibt es einen schönen Fassadenteil, den man rauslösen und zur Erinnerung - als Wand - an einem geeigneten Platz aufstellen könnte, sodass man vor allem die Optik erhält. Zusätzlich könnte der gesamte Bereich anders gepflastert werden, um die Dimension des Zwiebelschuppens kenntlich zu machen.
„Unser Ziel ist es, alles zu erhalten, was es wert ist“, bekräftigte Michaela Selling, Rostocks oberste Denkmalschützerin - insbesondere bei diesem Bauwerk, das „das letzte des historischen Hafens in Warnemünde darstellt“. Schweren Herzens habe man sich jedoch entschieden, dem Abbruchbegehren zuzustimmen, da es aus Sellings Sicht aufgrund der Verkehrssituation „zwingende Notwendigkeiten gibt, denen der Vorrang einzuräumen ist“. Auch einem Ab- und Wiederaufbau erteilte Michaela Selling eine Absage. Der Denkmalwert sei dann nicht mehr gegeben, es wäre nur noch eine Ortsbildpflege.
„Bei einem Rückbau würde ein Großteil der Originalsubstanz unwiederbringlich verloren gehen“, ergänzt Dr. Michael Bednorz, Leiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege. Nach einem Wiederaufbau könne man nicht mehr von einem Denkmal sprechen. Das Gebäude an seinem jetzigen Ort zu erhalten und in das Konzept des Kreuzfahrtterminals einzubinden, sei daher der Vorschlag seines Amtes im Sommer 2014 gewesen. Für den obersten Denkmalpfleger des Landes sei im Oktober vergangenen Jahres jedoch nachvollziehbar dargelegt worden, dass „der Platz überhaupt nicht reiche und das Gebäude in jedem Fall weg muss“.

So brachte Alexander Prechtel am Ende zwei Beschlussvorlagen zur Abstimmung. Zum einen den von der Hero eingebrachten Antrag auf Abbruch des Zwiebelschuppens mit einer detaillierten Dokumentation des Gebäudes und der Einlagerung von erhaltenswerten Teilen, zum anderen den Vorschlag des Warnemünder Bauausschusses für Rückbau und Einlagerung mit dem Ziel eines Wiederaufbaus an geeigneter Stelle.
Keiner der beiden Vorschläge fand bei dem mit nur fünf anwesenden Mitgliedern geradeso beschlussfähigen Ortsbeirat eine Mehrheit. Damit scheint das Schicksal des Zwiebelschuppens endgültig besiegelt zu sein.
„Ein Blick ins Gesetz sagt sehr einfach: Der Ortsbeirat hat kein Vetorecht“, so Prechtel. Entscheiden müsse die Verwaltung. Doch da bekannt ist, wie sämtliche andere Stellen votiert haben, ist „ziemlich absehbar“, wie das Ergebnis ausfallen wird. „Ich hätte es deswegen begrüßt“, so der Ortsbeiratsvorsitzende, „wenn wir wenigstens das, was unser Bauausschuss vorgeschlagen hat oder was heute auch angeboten worden war – wenn wir wenigstens das hätten retten können.“ So bestehe nun die Gefahr, dass es zu einem „glatten Abriss“ kommt, ohne dass irgendetwas konserviert wird - mit Ausnahme der von der Denkmalschutzbehörde geforderten Dokumentation.