11. Rostocker Kunstnacht 2011

Kunst, Musik, Theater und Kitsch in der Östlichen Altstadt

21. Mai 2011, von
11. Rostocker Kunstnacht in der Östlichen Altstadt
11. Rostocker Kunstnacht in der Östlichen Altstadt

Die östliche Altstadt dürfte wohl zu den künstlerisch kreativsten Stadtvierteln Rostocks zählen. Neben der Hochschule für Musik und Theater haben hier in zahlreichen Galerien, Ateliers und Werkstätten vor allem bildende Künstler und Kunsthandwerker ihre Wirkungsstätte gefunden.

Einmal im Jahr öffnen sie ihre Türen in einer Frühlingsnacht und gewähren Einblicke in ihre Arbeit. Bereits zum 11. Mal fand gestern Abend die Rostocker Kunstnacht statt. Hunderte Menschen zog es in die alten Gassen zwischen Neuem Markt, Gerberbruch und Stadthafen. Und weil schon mal so viele Leute unterwegs waren, beteiligten sich auch einige gastronomische Einrichtungen mit kleinen künstlerischen Einlagen. Denn nicht nur der Kunsthunger wollte gestillt sein.

Rechtzeitig zu Beginn des Abends zeigte sich auch das Wetter wieder von seiner freundlichsten Seite. Zum Glück für die Galerie auf Zeit, die ihre Exponate unter freiem Himmel präsentierte.

Michael Schultz und Maximilian Berthold
Michael Schultz und Maximilian Berthold

Ohne feste Räumlichkeit, ist die freie Künstlergemeinschaft dafür bekannt, ihre Zelte immer an anderen Orten aufzuschlagen: diesmal an der historischen Stadtmauer unterhalb der Petrikirche. Dank der Erlaubnis des Denkmalschutzes stellten etwa 17 junge Kreative ihre Malereien, Grafiken, Skulpturen, Fotos und Textilarbeiten vor der schönen Kulisse aus.

Darunter auch Maximilian Berthold, Michael Schultz und ihre Mitstreiter von „die aufhaenger“. Mit Kunstwerken junger Künstler wollen sie gegen „Tristesse im Alltag“ angehen. Deshalb kann man bei ihnen Ölgemälde, Fotografien und Skulpturen nicht nur kaufen, sondern auch mieten und auswechseln.

Motive für seine Fotografien findet Maximilian Berthold überall in Europa, sogar bis in die Arktis haben ihn seine Reisen geführt. Und was unterscheidet einen Schnappschuss eines Touristen von einer Fotografie mit künstlerischem Anspruch? „Ich versuche Momente einzufangen, die nicht nur für mich schön sind, sondern für alle. Ich habe die Bilder nicht nachbearbeitet, da ich möchte, dass jeder das Motiv, die Landschaft so sieht, wie ich sie gesehen habe und sich sofort an diesen Ort versetzt fühlt“, erklärt der Student der Bio-Wissenschaften seinen Ansatz.

Kentai Kitty zeigt "MangaCat" in der Alten Gerberei
Kentai Kitty zeigt "MangaCat" in der Alten Gerberei

Das Schöne an der Rostocker Kunstnacht ist ja, dass man mit den Künstlern neben ihrem Werk ins Gespräch kommen kann. So auch in der Gerberei. Etwas abseits gelegen war sie wie im letzten Jahr Ausstellungsort für nicht ganz jugendfreie Ansichten. Neben den erotischen Fotografien von Gili Shani präsentierte auch der junge Rostocker Grafiker mit dem Künstlernamen Hentai-Kitty seine Zeichnungen. „MangaCat“ zeigt junge Frauen als Katzen in aufreizenden Posen. Nur teilweise sind die Bilder der Fantasie entsprungen. Im Internet hatte Hentai-Kitty Frauen aufgerufen, ihm Fotos ihres Gesichts zu senden. „Sie wussten nicht, was ich damit mache. Danach waren sie größtenteils aber begeistert“, erzählt der Grafiker von der Entstehung seiner Bilder.

Dass man auch Blumen und Pflanzen kreativ verarbeiten kann, wurde im Mauerblümchen deutlich. Hier wurde die florale Kunst für die Kunstnacht extra mit Tonobjekten von Andrea Schürgut und Fotografien von Tim Kellner kombiniert.

Die Künstlergruppe "Schaum" bringt drei Exponate in die Petrikirche, die von Pastor Henry Lohse kommentiert werden, begleitet von Kantor Karl Bernhardin Kropf an der Orgel
Die Künstlergruppe "Schaum" bringt drei Exponate in die Petrikirche, die von Pastor Henry Lohse kommentiert werden, begleitet von Kantor Karl Bernhardin Kropf an der Orgel

Die Arbeit des Fotografen, der 2009 mit dem Rostocker Kunstpreis ausgezeichnet wurde, war auch im Kunstverein zu Rostock am Alten Markt zu sehen. Als Teil der Künstlergruppe Schaum hatte er hier gemeinsam mit Alexandra Lotz, Wanja Tolko, Marc W1353L und Janet Zeugner bereits auf ungewöhnliche Weise die Ausstellung „Showing Balls“ eröffnet. Nun sollte sie mit einer Performance, die die Galeriebesucher bis in die Petrikirche führte, auch ihren ungewöhnlichen Abschluss finden.

Die Kulturisten inszenieren die "Mona Lisa" und den "Schrei" in einem Altbau in der Mühlenstraße
Die Kulturisten inszenieren die "Mona Lisa" und den "Schrei" in einem Altbau in der Mühlenstraße

Ungewöhnlich auch das Theaterstück „Wo ist Blau?“ von den Kulturisten, das sich thematisch hervorragend in die Kunstnacht einfügte und bei den Zuschauern für viel Erheiterung sorgte. Als besonders originell erwies sich die Kulisse. Die gesamte Rückseite eines der wenigen unsanierten Altbauhäuser in der Mühlenstraße wurde dafür genutzt. Aus Fensterrahmen wurden Bilderrahmen, die so berühmte Werke wie „Der Schrei“ oder die „Mona Lisa“ einfassten.

Viele weitere Anlaufpunkte, wie der 5. Kunstmarkt in der Nikolaikirche und zahlreiche kleine, aber feine Ausstellungsräume machten die Östliche Altstadt in der 11. Rostocker Kunstnacht zu einer riesigen Galerie, die Kunst und Kitsch friedlich nebeneinander feierte.

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