Gesunkene Schiffe, wandernde Küsten, Offshore-Windparks oder Eisberge – das Meer ist ständigen Veränderungen ausgesetzt. Damit sie nicht zur Gefahr für die Seefahrt werden, dokumentiert das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) seit 1990 die Entwicklungen in Nord- und Ostsee.
Zum zwanzigjährigen Jubiläum öffnete die Rostocker Dienststelle (eine weitere gibt es in Hamburg) am Samstag ihre Türen und gewährte Einblicke in ihre vielfältigen Arbeitsbereiche.
Mehr als 600 Besucher besichtigten das Amt in der Neptunallee und ließen sich von den Mitarbeitern die zahlreichen Aufgabenfelder erläutern. Von der Messung bis zur Redaktion und Publikation konnten sie die Entstehung einer Seekarte verfolgen. „Besser als unsere Karten können die von anderen Herstellern gar nicht sein, weil die Daten alle von uns bekommen“, wagte Nautiker Gerhard May zu behaupten. Jährlich werden Seekarten und Sportbootkarten inklusive Berichtigungen vom BSH herausgegeben. Sie umfassen die gesamte deutsche Nord- und Ostseeküste sowie die polnische Ostseeküste.

Interessierten Besuchern erklärte Vermessungstechniker Matthias Hollmichel, wie Wracks und andere Unterwasserhindernisse mit modernen elektronischen Geräten geortet und von Tauchern untersucht werden. Für den Einsatz in flachen Gewässern ist das Vermessungsschiff außerdem mit zwei kleineren Vermessungsbooten ausgestattet.

Wenn alle Daten gesammelt sind, werden sie durch Kartographen verarbeitet und aufbereitet. Das geschieht in den unterschiedlichen Redaktionen, die sich auf verschiedene Publikationsformen spezialisiert haben. Seekarten werden beispielsweise in digitaler, aber auch in gedruckter Form herausgegeben.

Nachdem die Seekarte nun zum Druck vorbereitet wurde, wird sie anschließend in der hauseigenen Druckerei fertiggestellt. Hier werden auch alle anderen Veröffentlichungen des BSH gedruckt und gebunden.
Aber nicht nur die Seevermessung und die Erstellung von Seekarten gehören zum breiten Dienstleistungsspektrum des BSH. Auch die Überwachung des Meeres im Hinblick auf Klimawandel und Umweltveränderungen, Vorhersagen zu Wasserständen an der deutschen Ostseeküste, Warnhinweise bei Sturmfluten und geringen Wasserständen, Eisdienst und Genehmigungsverfahren für Offshore-Windparks und Ostsee-Pipelines zählen zu seinen Aufgaben.

Wem die Fülle an Informationen, die das BSH am Tag der offenen Tür bot, noch nicht genug war oder wer sich noch genauer über die Naturvorgänge und vielfältigen Nutzungen des Meeres durch den Menschen informieren möchte, der sollte einen Besuch der BSH-Bibliothek in Erwägung ziehen. Seit über hundert Jahren wurde dafür eine umfangreiche Sammlung maritimer Literatur mit etwa 170.000 Medien und 50.000 Seekarten zusammengetragen, die sowohl den Wissenschaftlern, als auch der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung steht.