Sturmtief „Gisela“: Leichte Sturmflut in Rostock
Der erste kräftige Herbststurm des Jahres sorgte gestern in Warnemünde für ein leichtes Sturmhochwasser
15. Oktober 2020, von Olaf
Sturmtief „Gisela“ fegte gestern über Rostock hinweg und sorgte in der Hansestadt für eine leichte Sturmflut. Seit Dienstagmittag hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) davor gewarnt.
Bereits ab dem Morgen peitschten hohe Wellen an den Strand von Warnemünde. Sturmböen aus Nordost sorgten für zunehmend steigende Wasserpegel. Nach den Rohdaten des internen Netzwerks Küste wurde der Höchststand in Warnemünde mit 1,24 Meter über Normalmittelwasser (NMW) zwischen 16:40 Uhr und 18:10 Uhr gleich mehrfach erreicht. Kurz vor 23 Uhr sank der Pegel wieder unter die Marke von einem Meter. Nach den offiziellen Daten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Ostsee (Pegelportal) wurde in Warnemünde ein Maximalwert von 1,19 Meter (17:55 bis 18:22 Uhr) erreicht. Am Mühlendamm waren es 1,26 Meter (17:38 bis 17:53 Uhr).
In Warnemünde lockte das Naturschauspiel nicht nur die Kitesurfer aufs Wasser, sondern auch zahlreiche Schaulustige an den Strand und auf die Molen. An der Westmole schwappten die Wellen leicht über die Kanten – nasse Füße wurden für das besondere Foto hier gern in Kauf genommen. Einige Strandkörbe standen im Wasser.

Die Warnow-Fähre zwischen Warnemünde und Hohe Düne lag am frühen Abend bei gut 1,20 Meter sichtbar hoch am Anleger des Neuen Stroms. Für Fahrzeuge mit geringer Bodenfreiheit wurde es auf der steilen Rampe schon etwas eng. Später am Abend nahm die Fähre vorübergehend keine Kraftfahrzeuge mehr mit.
Das in die Warnow gedrückte Ostseewasser sorgte auch im Stadthafen für sichtbar hohe Wasserstände. Am Gehlsdorfer Ufer trat der Fluss bereits mittags übers Ufer. Auf dem Wellenweg plätscherten leichte Wellen – wie passend!
Der Verbindungsweg musste vorübergehend für den Verkehr gesperrt werden und auch am Gerberbruch schwappte das Wasser über die Böschung und angrenzende Wege.

Kurz vor Mitternacht lief das Tankschiff „Annika“ auf Grund. Wie die Wasserschutzpolizeiinspektion Rostock am frühen Morgen bekanntgab, kam das 73 Meter lange Schiff westlich der Insel Pagenwerder zwischen Tonne 26/28 fest und wurde mit Unterstützung des Schleppers „Bugsier 17“ freigeschleppt. Nach ersten Erkenntnissen entstand keine ernsthafte Beschädigung der Außenhaut, von der Berufsgenossenschaft Verkehr wurde eine vorübergehende Festhalteverfügung ausgesprochen. Die Untersuchungen zum Unfallhergang dauern an.
Von einer Sturmflut spricht man der Ostseeküste ab einem Wasserstand von einem Meter über dem Normalmittelwasser. Strenggenommen handelt es sich um ein Sturmhochwasser, da die Gezeiten an der Ostsee kaum eine Rolle spielen und es daher weder Ebbe noch Flut gibt. Der Begriff Sturmflut hat sich jedoch auch an der Ostsee durchgesetzt und das BSH gibt für unser Binnenmeer Sturmflutwarnungen heraus.

Die letzte Sturmflut gab es in Rostock am 29. März – 1,16 Meter wurden in Warnemünde gemessen, in Rostock waren es sogar 1,33 Meter. Die letzte schwere Sturmflut traf unsere Hansestadt am 2. Januar 2019, als Sturmtief Zeetje gleich zu Jahresanfang für Verkehrsbehinderungen und vollgelaufene Keller sorgte – 1,67 Meter über NMW wurden in Warnemünde registriert. Der höchste bekannte Pegel wurde in Warnemünde am 13. November 1872 gemessen – das Wasser stieg damals auf 2,71 Meter über NMW.
Wasserstände und Sturmflutkategorien an der Ostsee:
- leichte Sturmflut ab 1,00 Meter über NMW
- mittlere Sturmflut ab 1,25 Meter über NMW
- schwere Sturmflut ab 1,50 Meter über NMW
- sehr schwere Sturmflut ab 2,00 Meter über NMW