
Bei Henry Tesch weckte der Rechner Erinnerungen an seine Studienzeit in Leipzig. An solch einem KC-Rechner aus Mühlhausen habe er seine ersten Computererfahrungen gemacht, erzählt der Minister.

Den klassischen Rechenschieber findet man in der Ausstellung ebenso wie mechanische Rechenmaschinen. Den Triumphator CRN 2 beispielsweise, ein Sprossenradrechner aus dem Jahre 1960, der seinerzeit knapp 500 Mark kostete und auf vielen Schreibtischen in der Verwaltung zu finden war.
Die Größe und Dicke eines guten Wälzers hat ein ausgestellter Ferritkernspeicher, der gerade einmal 0,0097 MB aufnehmen konnte. Kleine Perlen aus Ferrit wurden auf isolierte Kupferdrähte gefädelt - durch Stromfluss magnetisiert, konnten sie die Binärwerte 0 und 1 speichern. Mehr als 8.000 solcher Speichermodule kamen etwa beim Zeiss-Rechen-Automat 1 (ZRA 1) zum Einsatz. Er war der erste serienmäßig hergestellte Großrechner der DDR, der ab 1964 an der Rostocker Universität seinen Dienst verrichtete.
Unter der Leitung von Professor Holger Helbig haben die drei Studenten Stefanie Kohl, Stefanie Russow und Philipp Kluwe in der Arbeitsgemeinschaft „Wissenschaft ausstellen“ die Exponate zusammengetragen. Neben dem KC 85/4, dem Lerncomputer LC 1 und dem Heimcomputer Z9001 gibt es auch die klassischen Bürorechner, wie den Robotron A 5120, den EC 1834 oder den Bildungscomputer A 5105 zu sehen. Nicht weniger interessant ist der Vergleich zwischen dem ersten tragbaren PC von IBM, dem 5155, und einem modernen Laptop des Herstellers.
„Der spinnt, der meint Kassette“, erinnert sich Minister Tesch an eine weitere Anekdote aus seiner Studienzeit, als Kommilitonen von Disketten berichteten. An der Leipziger Uni haben sie Mitte der Achtziger noch Kassetten in die Kleincomputer geschoben. „Für ‚Kabale und Liebe‘ habe ich ein Szenenbild an solch einem Rechner erstellt – das waren meine ersten Computererfahrungen“, erzählt Tesch.

Kassetten dienten natürlich auch im Westen als Speichermedium. Keine Datasette, sondern gleich ein richtiges Floppylaufwerk konnte Djamshid Tavangarian sein Eigen nennen. „Der C64 war mein erster eigener Rechner“, erinnert sich der Professor vom Lehrstuhl für Rechnerarchitektur. Der 64er von Commodore, aufgrund seiner Form auch liebevoll Brotkasten genannt, war im Westen das, was der Mühlhausener Kleincomputer für den Osten. Seinen allerersten Rechner habe er jedoch selbst entworfen, erzählt Tavangarian. Die schnelle Fourier-Transformation war Thema seiner Diplomarbeit.

Noch bis zum 23. Oktober kann man hier immer dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr eine kleine, aber feine Zeitreise in die Computerwelt der vergangenen Jahrzehnte antreten. Der Eintritt ist frei.