Baustelle Vorpommernbrücke: Zeit zu überbrücken
Sanierung der Vorpommernbrücke: Verzögerungen und höhere Kosten
19. August 2010, von Andreas
Die Verkehrssituation in Rostock ist wohl für Viele derzeit eine gelungene Werbekampagne für das Radfahren und den öffentlichen Nahverkehr. Nicht nur, dass einige Straßen immer noch das Flair des vergangenen Winters versprühen, es wird auch noch an allen Ecken – oder eher doch nur an den wichtigen – gebaut.
Dabei sind solche Erneuerungsmaßnahmen an sich ja etwas Begrüßenswertes. Gerade bei Brücken, die neben ihrer zugedachten Funktion auch noch gewissen Symbolcharakter besitzen. Rostock hat gleich mehrere davon, und in richtig gutem Zustand ist keine. Aber es wird, wie gesagt, daran gearbeitet und begonnen wurde nach dem langen Winter mit der Vorpommernbrücke. Heiko Tibertius vom Tief- und Hafenbauamt und Frank Bernhardt von der ausführenden Inros Lackner AG standen zum aktuellen Stand im Rathaus Rede und Antwort.
Schon seit 2006 sind Sanierungsarbeiten an der Vorpommernbrücke angedacht, aber erst nach einer Hauptprüfung im Jahre 2008 mit einer eher schlechten Benotung wurden konkrete Maßnahmen eingeleitet. Man plante, die Arbeiten bis Ende 2010 abschließen zu können. Leider hat sich im Zuge erster Proben und Überprüfungen herausgestellt, dass der Sanierungsbedarf deutlich höher ist, als es die Bauunterlagen von 1986 vermuten ließen.
Genauer gesagt fanden sich Diskrepanzen zwischen dem Soll-Zustand, der damals dokumentiert wurde und dem Ist-Zustand, wie bestimmte Teile gebaut wurden. Auf diese Ungereimtheiten ist auch die festgestellte deutlich höhere Schädigung der Bausubstanz zurückzuführen. So weist die Vorpommernbrücke, die eigentlich aus drei Brücken besteht, Durchfeuchtungen des Betons auf, weil Dichtungen nicht mehr funktionieren. Eine Betoninstandsetzung der beiden äußeren „Moorbrücken” genannten Brückenteile war gar nicht geplant gewesen, ist jetzt aber nötig.

„Diese Schäden führten zu einem erheblich gestörten Bauablauf”, fasst Heiko Tiburtius das Geschehen zusammen. In den letzten Monaten sei ihm klar geworden, dass eine Fertigstellung in diesem Jahr undurchführbar ist.
Auch die Übergänge zwischen dem Damm und der Brücke bereiten den mit der Instandsetzung beauftragten Ingenieuren der Schweriner Firma Jürgen Martens Sorgen, denn dortige Verstärkungen (Bewehrungen) des Betons sind mitunter stark korrodiert. So kommt es auch dadurch immer wieder zu Verzögerungen, wenn angesichts solcher Mängel zusätzliche Materialien bestellt werden müssen, von deren Montage ganz abgesehen.
Man fragt sich natürlich, ob diese Mängel nicht schon vorher hätten festgestellt werden können. Dies hätte sich aber wegen des teilweise schweren Zugangs schwierig gestaltet, und Probebohrungen hätten auch wieder die Dichtungen beschädigt. Außerdem kann man nicht so einfach beurteilen, wo eindringendes Wasser hinläuft. Und von diesen Schwierigkeiten abgesehen, konnte die Baufirma von Anfang an aufgrund der beengten Platzverhältnisse nur mit einer begrenzten Anzahl an Bauarbeitern ans Werk gehen. Gefährlich wird es dadurch, dass immer wieder die Geschwindigkeitsbegrenzung missachtet wird.

Alle Verzögerungen und zusätzlichen Arbeiten resultieren natürlich auch in höheren Kosten. Die 1,85 Millionen Euro, die eingeplant waren, werden um mindestens 500.000 Euro überschritten werden, erklärt der Leiter des Tief- und Hafenbauamtes auf Nachfrage. Ob noch mehr dazu kommt, lässt sich schwer abschätzen, da noch der Tiefpunkt der Brücke bevorsteht, an dem zusätzliche Schäden durch Wasser und Tausalz befürchtet werden.
Angesichts dieser Mehrkosten musste die Stadt sich zunächst auf die wichtigsten Sanierungsprojekte, wie das Verkehrskreuz Warnemünde und die Schleusenbrücke, beschränken und andere hintenanstellen. Zuletzt genannte Brücke schnitt bei der Prüfung übrigens noch schlechter ab, was angesichts ihres Alters von über 100 Jahren auch nicht verwundert. Sie wird komplett neu gebaut werden.
Bis die Sanierung der Vorpommernbrücke abgeschlossen ist, werden also noch einige Monate vergehen. Bis zum 8. September 2011 sollen alle Baumaßnahmen abgeschlossen sein. Doch wenigstens im Winter, wenn die Besucher zum Weihnachtsmarkt strömen, sollen wieder zeitweise alle vier Fahrstreifen freigegeben werden, bevor im Frühjahr 2011 der letzte Bauabschnitt beginnt. Von März bis Ende Juli 2011 wird es dann wieder nur einen Fahrstreifen je Richtung geben.