„Ben Hur“ mal anders mit der Compagnie de Comédie
Komödiantische Fassung des Monumentalfilms eröffnet Freilufttheatersaison im Klostergarten
28. Mai 2011, von Andre
Man stelle sich Folgendes vor: Der Vorhang geht auf, der Scheinwerfer geht an. Die Schauspieler stehen bereit. Dann fallen sie tot um, das Licht geht aus und die Schauspieler verbeugen sich vor dem jubelnden Publikum. Ich schildere nicht etwa das Ende von „Ben Hur“, sondern den Anfang. Und das sollte nur die erste von vielen Überraschungen sein, welche die Zuschauer im Hof des Klosters „Zum Heiligen Kreuz“ bei der Premiere des neuen Stückes der Compagnie de Comédie erleben sollten.

Ben Hur ist ein Spielfilm aus dem Jahr 1959 und wurde neben Titanic als einziger Film mit 11 Oscars ausgezeichnet. Vor allem für die damalige Zeit stellte das Projekt unzählige Superlative auf. 212 Minuten in der fertigen Fassung, 40.000 Tonnen Mittelmeersand und 50.000 Komparsen. Im Vergleich dazu die Rostocker Fassung: Etwa 2 Stunden (mit Pause), eine Schüssel voll Sand und genau vier Schauspieler.
Wer also mit einer adäquaten Adaption gerechnet hat, könnte ziemlich enttäuscht gewesen sein. Denn statt eines sehr ernsten Historienfilmes gab es im Klostergarten eine sehr klamaukige Komödie. Da es jedoch fast noch zu frisch für Freilufttheater war, passte es natürlich ganz gut, dass man sich warmlachen konnte.

Als Träger der Rahmenhandlung fungierte eine mittelmäßige Schauspielertruppe, die versucht, Ben Hur zu inszenieren. Dabei treten einige Probleme auf. Der eine Schauspieler muss noch mal aufs Klo, sodass seine Rolle von einem Besen übernommen werden muss, Streitigkeiten um Regie und inszenatorische Fragen, sowie Unstimmigkeiten zwischen den Akteuren treten auf. Da wundert es auch nicht, dass ihre Version des Kultfilms alles andere als klassisch ist.
Das fängt schon damit an, dass Ben Hur hier eine Frau ist und von Jacqueline Maria Rompa gespielt wird. An ihrer Seite sind Georg Haufler als Bens Mutter Miriam, Eckhard Ischebeck als Großkonsul Messala und Christoph Gottschalch als „tuntiger“ Engel Gabriel mit goldenen, hochhackigen Schuhen. Außerdem übernimmt jeder Schauspieler noch viele weitere große und kleinere Rollen, sodass immer viel Bewegung auf, vor und hinter der Bühne herrscht.

Wer den Humor von Monty Python mag, wird auch hier voll auf seine Kosten kommen. Denn das Stück strotzt nur so vor Witzen und abstrusen Ideen. Dabei wird das Geschehen aus dem alten Rom auch häufig in die Gegenwart transportiert. So geht es statt an Bord einer Galeere auf das Deck einer Fähre, Jesus bekommt zu seiner Geburt einen Oscar und der Stadthalter Simon von Syrien hat sehr viel Ähnlichkeit mit Muammar al-Gaddafi. Und auch das Publikum durfte oder musste mitmachen. Unter den Sitzen waren Kunststoffrollen verteilt, mit denen gerudert werden sollte.

Nicht jedem wird die Art des Stückes zusagen. Es geht auch mal unter die Gürtellinie, wenn zum Beispiel immer wieder die lächerliche Kürze des Penis von Messala thematisiert wird. Außerdem will jeder irgendwie immer mit Ben Hur „eine Nummer schieben.“ Wer sich jedoch auf ein Wagenrennen mit Spielzeugautos einlassen kann, wird hier viel Vergnügen und auch inszenatorisch tolle Ideen miterleben. Und der Szenenapplaus, der immer wieder aufbrandete, sprach ja auch für sich.

Kaum aus dem Lachen heraus kamen auch Pamela und Robert Bürger. Das Paar aus Kossow hatte sich schon lange vorgenommen, mal für das Theater nach Rostock zu kommen und war froh, es endlich geschafft zu haben. „Das Stück ist einfach köstlich. Es ist so schön frei Schnauze und überhaupt nicht verstaubt“, sagt Pamela. Und auch Robert ist begeistert: „Viele haben sicher mit was anderem gerechnet. Ich kannte aber den Film nicht und finde es toll, wie sie mit so wenigen Mitteln so viel machen können.“ Beide hatten also viel Vergnügen und wollen demnächst auch den Film schauen.
Schon in der nächsten Woche geht es mit dem Freilufttheater weiter. Dann startet nämlich „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt).“ Dafür darf es dann aber ruhig auch etwas wärmer sein.