Baufällige Schulgebäude, veraltete Lernmittel, Kopfnoten, überfüllte Hörsäle, Bildungsgebühren, Ausgrenzung – es gibt genug Gründe, die Schüler, Auszubildende und Studenten hierzulande heute auf die Straße trieben. In über 40 Städten bundesweit wurde zum Bildungsstreik aufgerufen. In Rostock versammelten sich bei Temperaturen knapp über den Gefrierpunkt fast 300 junge Menschen aus der Hansestadt, Wismar, Güstrow und der Region zum Protestzug durch die Innenstadt.
Mit Pfeifkonzerten, Protestgesängen und Transparenten machten sie ihrem Ärger Luft. Ihr Motto: Für Solidarität und freie Bildung.
Besonders die mangelnde finanzielle Ausstattung der Bildungseinrichtungen wurde kritisiert. „Das führt dazu, dass immer mehr Eltern ihre Kinder auf Privatschulen schicken. Aber das kann sich nicht jeder leisten. Wo bleibt da die Chancengleichheit?“, fragt Niels, der die elfte Klasse einer von 503 öffentlichen Schulen des Landes besucht. 71 Privatschulen wurden im Schuljahr 2010 laut statistischem Amt Mecklenburg-Vorpommern gezählt, Tendenz steigend.

„Einige Lehrmittel sind sogar von 1980“, weiß sein Mitschüler Christopher. Max, der dritte im Bunde beklagt: „Verpflegung an den Schulen, Bustickets und Bücher sind für die Eltern viel zu teuer.“
Für eine freie Hin- und Rückfahrt zur Schule und kostenlose Ausbildung setzt sich auch Anna Pofahl ein. Die 20-Jährige befindet sich gerade in einer Ausbildung zur Sozialassistentin an der beruflichen Schule „Alexander Schmorell“ und nimmt mit ihren Klassenkameraden an der Demonstration teil.

Vielseitig sind die Probleme im Bildungssystem, auf die die jungen Menschen aufmerksam machen wollen.

15.000 Studenten zählt die Universität Rostock. Ein vergleichsweise geringer Anteil nutzte den Aktionstag, um gegen Missstände zu demonstrieren. Sind die Rostocker Hochschüler etwa zufrieden mit ihrem Studium? „In Teilen mag das sein, weil schon viel geleistet wurde. Ich glaube auch gerade in Naturwissenschaften gibt es nicht so arge Probleme, weil der Andrang der Studierenden nicht so groß ist“, differenziert Florian Fröhlich. Allerdings räumt er auch Versäumnisse in der Vorbereitung der Protestaktion ein. So sei alles sehr kurzfristig auf die Beine gestellt worden, auch die Unterstützung seitens der Universitätsleitung hatte die Studenten erst kurz zuvor erreicht.

Beim Bildungsstreik 2009 engagierten sich viele der jetzigen Demonstranten zum ersten Mal in dieser Form für ein besseres Bildungssystem. Damals schwappte eine Protestbewegung von Wien nach Deutschland herüber. Hörsäle wurden besetzt, auch das Rostocker Audimax wurde von Studenten okkupiert. Im Dezember 2009 kamen gut 1200 Schüler, Auszubildende und Studenten aus Mecklenburg-Vorpommern zur Demo nach Rostock. Beim Bildungsstreik im Juni 2010 waren es gut 800 Demonstranten.