Landschaftsmalerei mal ganz anders von Christin Wilcken

Stipendiatin zeichnet auf Objekte Landschaften aus Kohle und Grafit im Gastatelier des Schleswig-Holstein-Hauses

27. März 2012, von
Christin Wilcken im Gastatelier im Schleswig-Holstein-Haus
Christin Wilcken im Gastatelier im Schleswig-Holstein-Haus

Keine grünen Wälder, keine weißen Berggipfel, kein blaues Meer – Christin Wilckens landschaftliche Motive sind stark reduziert und bestehen hauptsächlich aus Flächen in verschieden Grautönen. Durch eine Horizontlinie erfährt der Betrachter, wo oben und unten ist. Die einzelnen Objekte an den Wänden sind rhythmisch angeordnet und vermittelt den Eindruck einer sanften, fast schon melancholischen Umgebung. Ein angenehmer Kontrast zu den um Aufmerksamkeit schreienden Farben, die uns sonst so im Alltag begegnen.

Gelernt hat die 30-jährige Grafikerin ihr Handwerk während ihres Kunststudiums am Caspar-David Friedrich Institut der Universität Greifswald, benannt nach dem für seine realistischen und dennoch metaphysisch wirkenden Landschaftsgemälde bekannten Maler der Romantik.

Christin Wilckens Landschaftsbilder sind jedoch ganz anders. Dass sie Landschaften darstellt, interessiere sie eigentlich nicht so sehr, erklärt die Künstlerin. Ihr komme es vor allem auf den formalen Aspekt an: die Form einer Anhöhe beispielsweise oder wie sich etwas von oben nach unten senkt.

Während ihres Studiums, das sie 2007 mit dem Master of Fine Arts beendete, spezialisierte sich Christin Wilcken auf Zeichnungen und Druckgrafiken. Dabei entwickelte sie wohl auch ihre Vorliebe für die Farbigkeit ihrer Werke: Schwarz-Weiß und Graustufen.

Arbeiten von Christin Wilcken
Arbeiten von Christin Wilcken

Später konzentrierte sie sich immer mehr auf die äußere Form der Objekte. Die gezeichneten Strukturen wurden immer dichter und überlagerten sich zu einer Formballung. Wo viel Grafit übereinander lag, wurde das dünne Zeichenpapier wellig und bot nicht mehr genug Rückhalt, erinnert sich die Künstlerin an den Schritt, der sie vom Papier zur Leinwand führte. Damit begann sie schon, um die Ecke zu arbeiten. Schließlich erweiterte sie die Zweidimensionalität und fertigte Holzspanobjekte an. Diese zimmert sie selbst zusammen, schleift sie ganz fein, damit auch nicht die Rillen und Kanten durch das Zeichenpapier drücken, das sie darüberspannt und mit Pigmenten in Pulverform einfärbt.

„Am Ende kommt irgendwie eine graue Farbigkeit heraus. Man sieht zwar, dass da Rot oder Blau durchschimmert, aber man kann die genaue Farbigkeit nicht bestimmen“, erläutert Christin Wilcken ihre Technik, bei der sie sich stark von ihrer Intuition leiten lässt und auf Skizzen verzichtet. Je nachdem, ob es härter oder sehr weich, metallisch oder samtartig wirken soll, bringt sie im letzten Schritt Grafit oder Kohle auf das Papier.

Schon während der Arbeit, so erzählt Christin Wilcken, mache sie sich Gedanken über die Präsentation ihrer Werke.

Viele kleine Nägel in den weißen Wänden des Gastateliers im Schleswig-Holstein-Haus zeugen davon, wie sie die frisch gefertigten Objekte versuchsweise hin und her gehängt hat. Als Ruhephasen dazwischen wirken die großformatigen Papierarbeiten, die Christin Wilcken ebenfalls während ihres dreimonatigen Aufenthaltes in Rostock entwickelt hat. Seit Anfang Januar wohnt und arbeitet die gebürtige Güstrowerin, die auch heute noch in der Nähe der mecklenburgischen Stadt lebt, dank eines Stipendiums der Hansestadt Rostock in einem der beiden Gastateliers.

„Hier gibt es viel mehr Platz als zu Hause. Man kann die Arbeit anders entwickeln und sie mit mehr Abstand betrachten“, unterstreicht sie die Vorteile der Räumlichkeiten. Bei Konzerten in der nahegelegenen Hochschule für Musik und Theater, bei Ausstellungsbesuchen in Galerien oder im zoologischen Institut findet sie Abwechslung und Inspiration. In der Stadt habe man ganz andere Möglichkeiten als auf dem Land, betont die Künstlerin, die auch die Abgeschiedenheit schätzt und bereits dank Stipendien auf Schloss Plüschow und Schloss Wiepersdorf gearbeitet hat.

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