Der kleine Orang-Junge Sabas schaute mir gestern ganz tief in die Augen. Das auffallend fröhliche und aufgeschlossene Kerlchen ist 2003 geboren worden. Doch Sabas braucht, wie all seine Artgenossen im Rostocker Zoologischen Garten, unbedingt ein neues Zuhause. Die Unterkünfte der Affen bieten keine artgerechte Haltung. Sie sind schon über vierzig Jahre alt und viel zu klein. Deshalb wurde schon 2003 die Spendenaktion „Schaffen für die Affen“ ins Leben gerufen. Seitdem wurde für den Bau einer neuen Menschenaffenanlage, dank engagierter Institutionen, Schulen, Vereine, Firmen und Einzelpersonen eine Spendensumme von 1 Million Euro zusammengetragen.

Zoodirektor Udo Nagel verriet, dass das Darwineum „tatsächlich das einzige auf der Welt“ sein werde. Er betonte auch die Zusammenarbeit mit dem Senckenbergmuseum in Frankfurt am Main, der Universität Rostock und einem kleinen Museum des afrikanischen Kleinstaats Malawi.

Die Bauleitung des 25 Millionen schweren Investitionsvorhabens liegt in der Hand des Unternehmens „Inros Lackner AG“ aus Rostock. Diese arbeiten mit erfahrenen Zoo-Architekten um Peter Rasbach aus Oberhausen sowie dem Ing.-Büro Jochen Döhler zusammen. Finanziert wird das Projekt maßgeblich aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Die Stadt übernimmt einen Eigenanteil, der sich aus der bereits erwähnten Spendensumme von 1 Million Euro und einem Zookredit von 2,9 Millionen Euro zusammensetzt.

Die gesamten Auslaufflächen sollen, den natürlichen Lebensverhältnissen der Affen entsprechend, bepflanzt und mit Sumpfoasen, Wasserläufen wie auch Kletterlandschaften ausgestaltet werden. Peter Rasbach versuche „die Bedürfnisse der Tiere und die Wünsche der Betrachter optimal in Einklang“ zu bringen, so Udo Nagel. Der anerkannte Fachmann hat schon an Projekten in vielen namhaften Zoos, wie Leipzig, Dortmund, Duisburg, Frankfurt, Köln, sowie im Loro Park auf Teneriffa mitgearbeitet.
Die neuen Unterbringungsmöglichkeiten ermöglichen es dem Zoo, wieder stärker in die Zucht einzusteigen. Die Affenhaltung solle schrittweise ausgeweitet und Gorilla-Mann Assumbo ein paar Weibchen bekommen. Auf etwa 1.600 Quadratmetern der Außenanlage werden die Kattas, kleine wieselflinke Halbaffen mit Ringelschwanz, zusammen mit den Galapagos-Schildkröten, eine neue Heimat finden. Auf einer weitläufigen Terrasse mit 150 Sitzplätzen wird man die Tiere beobachten können.

Im 1.300 Quadratmeter großen ersten Ausstellungsbereich, der „Bibliothek des Lebens“ soll die Entstehung des Lebens auf der Erde veranschaulicht werden. Auf einem evolutionsgeschichtlichen Lehrpfad wird diese Entwicklung im Zeitraffer nachgezeichnet. Einfachste einzellige Arten, wie das Pantoffeltierchen, Quallen, Seepferdchen , Würmer, Korallenriffs, erste Wirbeltiere, wie Lurche und Reptilien bis hin zu den Dinosauriern und immer intelligenteren Tieren, über die Affen, bis hin zum Menschen, werden da zu entdecken sein. Von den Tierarten, die die 500 Millionen Jahre Evolution überlebten, sollen beispielsweise Schlammspringer, Blattscheideameisen, Pfeilschwanzkrebse sowie Schnabeligel bewundert werden können.
In fächerförmig um einen zentralen Innenraum gelegten Themenkabinetten wird der Besucher in verschiedene Erdzeitalter eintauchen und Überraschendes entdecken können. In einem Raum etwa, wird man sich mittels einer dreidimensionalen Projektion, als inmitten einer Dinosauriergruppe stehend, fühlen. Im Zentrum der kreisförmig angelegten Bibliothek soll eine Urzelle stehen. Sie wird mit einer fünf Meter breiten Multitouch-Oberfläche ausgestattet sein. Auf dieser wird dann der Ursprung aller Lebewesen interaktiv vermittelt.
Über den Namensgeber der Einrichtung, Charles Darwin, wird der Besucher natürlich ebenfalls viel erfahren können. In multimedialen Logbüchern sollen Stationen seiner Forschungsreisen nachempfunden werden können.
Im Tropenhaus werden taktile Grafiken die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Menschenaffen und dem Homo Sapiens vermitteln.
Im 400 Quadratmeter großen dritten Ausstellungsbereich werden sich ein Tagungszentrum, ein Kino, ein Shop sowie eine gastronomische Einrichtung befinden. Das „Forschungslabor“ wird Kernstück des letzten Abschnittes sein. Hier sollen die unglaublichen Potenziale der modernen Forschung zur Anschauung gebracht werden. Zentrales Element dieses Labors wird eine begehbare Stammzelle sein. Hier wird sich der Besucher, indem er verschiedene Gencodes zusammenlegt, selbst als Forscher betätigen können.



Am 28. Mai findet übrigens die 12. Klassik-Nacht: „Donau-Klänge“ zugunsten der Menschenaffen statt. Die Benefizkonzerte wurden bisher stets dazu genutzt, über den Entwicklungsstand in Sachen „Schaffen für die Affen“ zu informieren. „Das wird auch weiterhin so sein“, versprach der Zoodirektor.