
„Als er das letzte Mal auf der Kulturwoche zu Gast war, kamen nur knapp 40 Gäste“, sagte Organisator Daniel Karstädt. In diesem Jahr war das zum Glück anders. Eventuell hängt sein Bekanntheitsanstieg mit dem Sieg beim „7. Rostocker Koggenzieher“ zusammen. Oder aber seine Qualitäten haben sich rumgesprochen. Egal jedoch, wie viele Gäste da waren, sagte der Berliner, Rostock habe immer besonders viel Spaß gemacht.
Schon vor dem ersten Lied hatte er das Publikum für sich gewonnen. Mit einer unglaublichen Herzlichkeit motivierte er das Publikum: „Kämpft für euren Spaß – dies ist ein Abend für euch, ich selbst habe das Programm so oft gespielt, ich kann das ja nicht mehr witzig finden.“ Diese gnadenlose Ehrlichkeit zog sich durch den gesamten Abend. So gestand Fil, dass er auch schwache Songs habe, diese aber wichtig seien, um die guten Songs mehr zu würdigen.
Schwach wirkte der Entertainer jedoch zu keiner Zeit. Ich habe selten einen Abend erlebt, an dem so eine gute Stimmung im Publikum herrschte wie gestern. Teilweise blieb einem sogar die Luft weg und viele Gäste haben im wahrsten Sinne des Wortes Tränen gelacht.
Es wirkte so, als würde Tägert immer wieder abschweifen. So dauerte es fast 20 Minuten, bis er das erste Mal zur Gitarre griff, um den „Prenzlauer-Berg-Blues“ zum Besten zu geben. Jedoch machte ihn das gerade so sympathisch. Man hatte nie das Gefühl, ein auswendig gelerntes Programm vorgesetzt zu bekommen, sondern eine einzigartige, spontane Show. Und so war es auch unglaublich komisch, als er in eine gespielte, spontane Depression verfiel, weil eine Zuschauerin kurzzeitig den Saal verließ.

Seine Vielfältigkeit stellte er mit einer Novelle unter Beweis, an der er im Moment arbeite. Da ihn das Buchstabenchaos in den anderen Büchern so stört, wollte er bei sich das Alphabet einhalten. So wurden Wörter mit allen 26 Buchstaben aneinandergereiht. Inhaltlich geht es natürlich um die Liebe und den geheimnisvollen Helden Xavier Yster Zapato.
Die namensgebenden Handpuppe Sharkey kam insgesamt nur zwei Mal zum Einsatz, war jedoch auch zum Brüllen komisch. Denn der Stoffhai ist sehr cholerisch und reagierte sehr gereizt auf die ständigen Unterbrechungen durch Fil, sodass der Sketch viel mehr ein Streitgespräch wurde, als die Fabel über den Blumengeburtstag, die Sharkey eigentlich erzählen wollte.

Wer nicht dabei war, sollte die nächste Gelegenheit nutzen, den Ausnahmekünstler live zu erleben. Er ist zwar nicht der begnadetste Gitarrist und man kann sich über die Tiefe des Programms streiten, jedoch kann wohl kaum jemand der Sympathie des Berliners widerstehen.
Mein persönliches Highlight auf der 25. Kulturwoche ist somit vorbei, jedoch folgen noch weitere hochkarätige Termine. Noch einmal lachen kann man am Samstag bei der Premiere des neuen Programms des Studentenkabaretts ROhrSTOCK und musikalisch wird es unter anderem am Freitag mit dem Cristin Claas Trio.