Kwame aus Heidelberg verstärkt Gorillagruppe im Zoo Rostock
Der fünf Jahre alte Gorillajunge Kwame aus dem Zoo Heidelberg ergänzt die Gruppe um Silberrücken Assumbo – später soll er eine eigene Familie gründen und für Nachwuchs in Rostock sorgen
20. Oktober 2016
In der vergangenen Woche wurde ein wichtiger Zuzug im Darwineum erwartet. Dementsprechend aufgeregt waren die Tierpfleger und Kuratorin Antje Zimmermann, obwohl alles von langer Hand akribisch vorbereitet worden ist. Der fünf Jahre alte Kwame aus dem Zoo Heidelberg ist inzwischen als jüngstes Mitglied in die Gruppe von Rostocks bekanntem Silberrücken Assumbo eingezogen. Damit wächst auch die Gorilla-Patenfamilie der Rostocker Stadtwerke, die im Sommer vor zwei Jahren die Patenschaft für Silberrücken Assumbo und seine drei Frauen Eyenga, Yene und Zola übernommen haben.
„Wir sind begeistert von dem kleinen Kwame und freuen uns sehr, dass dem Zoo Rostock damit ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Gruppe gelungen ist. Natürlich hoffen wir, dass sich der junge Mann gut einlebt und übernehmen auch gern für ihn die Patenschaft“, sagte heute Ute Römer, Vorstand der Stadtwerke Rostock AG auf dem Willkommenstermin für Kwame. Die Stadtwerke Rostock AG zählt seit 2004 zu den Hautpartnern des Rostocker Zoos für Natur- und Artenschutz und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Unterhaltung und Fortentwicklung der größten Freizeiteinrichtung der Hansestadt und des Landes. Darüber hinaus unterstützt das Rostocker Energieunternehmen beliebte Veranstaltungen wie die Klassik-Nacht und das große Zoofest.
Ein Spielgefährte für Zola
„Wir wollen Kwame ausreichend Zeit geben, in die Gruppe hineinzuwachsen und später einmal die Führung zu übernehmen“, so Antje Zimmermann. Bisheriges Familienoberhaupt ist der inzwischen betagte Gorilla Assumbo (43). Zu der dann größten Menschenaffengruppe im Darwineum gehören noch Yene (15), Eyenga (12) und Nesthäkchen Zola (8). Kwame, was auf afrikanisch so viel bedeutet wie „der am Samstag geborene“, erblickte am 4. Juni 2011 unter großem öffentlichen Interesse im Zoo Heidelberg das Licht der Welt. Seine Eltern sind der stattliche Silberrücken Bobo (24) und das Gorillaweibchen N’Gambe (16). Für N’Gambe war Kwame das erste Kind. Trotz fehlender Erfahrung kümmerte sie sich rührend um den kleinen Kwame, so dass er seine ersten fünf Lebensjahre gemeinsam mit seinen Eltern und zwei weiteren Gorillaweibchen in Heidelberg verbringen konnte.
„Kwame ist noch ein Gorillajunge, ein Kind, und soll schon frühzeitig in unsere harmonisch zusammen lebende Gorilla-Gruppe um Assumbo integriert werden. Besonders die kleine Zola wird sich über einen neuen Spielgefährten freuen. Für unseren Silberrücken Assumbo stellt der junge Kwame keine Gefahr dar. Wir sehen nicht zuletzt auf Grund des ruhigen und gelassenen Charakters von Assumbo der Eingewöhnung von Kwame sehr optimistisch entgegen. Gespannt sind wir, wie die acht Mitbewohner, die Brazzameerkatzen, auf den Zuzug reagieren werden“, so Antje Zimmermann.

Eigene Familiengründung ist unerlässlich
Kwame ist noch nicht geschlechtsreif. Männliche Gorillas werden mit neun bis zehn Jahren geschlechtsreif, Weibchen mit sieben bis zehn Jahren. Bis zu einem Alter von etwa sieben bis zehn Jahren können junge, männliche Gorillas in ihrer Geburtsgruppe verbleiben. Danach kann es passieren, dass sie dem alten Silberrücken Konkurrenz machen und sich mit den weiblichen Verwandten verpaaren. Kwame ist inzwischen von seiner Mutter komplett unabhängig, so dass einem Umzug in eine neue Gruppe nichts im Wege stand. Gemeinsam mit dem Zuchtbuchführer wurde daher rechtzeitig nach einem Platz in einem anderen Zoo gesucht. Die Empfehlung wurde durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) gegeben. Dessen Koordinator ist Frank Rietkerk, Zoologischer Direktor im Zoo Apenheul in Apeldoorn (Niederlande).
„Wir arbeiten schon seit der Eröffnung des Darwineum im Jahr 2012 eng mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm zusammen und tauschen uns regelmäßig aus“, so die Kuratorin. „Kwame kann in unserer Gruppe zu einem Silberrücken heranwachsen, während Assumbo in einer ausgeglichen Gruppe seine ‚Rentnerzeit‘ genießen soll. Die Gorilla-Gruppe übernimmt die Rollenverteilung selbst. Wir lassen diesbezüglich der Natur ihren Lauf und unterstützen unsere Tiere nur, indem wir die dafür notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.“
Heidelberger Tierpfleger begleiteten die Umsiedlung
Zwei vertraute Tierpflegern aus dem Zoo Heidelberg hatten in den ersten Tagen in Rostock immer noch ein Auge auf ihren quirligen Schützling und haben so die Integration von Kwame in die Gruppe begleitet. Im Vorfeld wurde sogar der Umzug ausgiebig in der Transportkiste spielerisch geübt. Im Gegenzug waren auch Rostocker Tierpfleger in Heidelberg, um möglichst viel von Kwame zu erfahren. „Alle Zoomitarbeiter, insbesondere die Tierpfleger im Darwineum, haben sich riesig über die Ankunft von Gorilla Kwame gefreut“, betonte die Kuratorin.
Im Nachbargehege werden Silberrücken Gorgo (35) und sein Weibchen Bebe (38) den Neuzugang sicher registrieren. Auch die Beiden bekommen neue Mitbewohner. Ein Mandrill-Pärchen zieht in die zweite Gorilla-WG, da die bisherige Unterkunft dem Polarium-Neubau weichen wird.
Alle sieben Gorillas in Rostock zählen zu den akut bedrohten Westlichen Flachlandgorillas, die auch auf der Roten Liste stehen. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom südlichen Kamerun und dem Westen der Zentralafrikanischen Republik über Äquatorialguinea, Gabun und die Republik Kongo bis in die angolanische Exklave Cabinda. Experten schätzen, dass es nur noch rund 90.000 ihrer Art gibt. Männchen wiegen bei einer Größe von maximal 180 Zentimetern bis zu 200 Kilogramm. Weibchen werden höchstens 150 Zentimeter groß und 90 Kilogramm schwer. Gorillas fressen vor allem Blätter und Früchte, lassen sich aber auch Insekten schmecken. Sie werden in der freien Natur zwischen 35 und 40 Jahre alt.
Im Darwineum leben zwei weitere Menschenaffengruppen. Eine Orang-Utan-Gruppe führt Ejde (36) mit Sunda (40) und ihrem gemeinsamen Kind Surya (3) an sowie Sabas (13) die junge Orang-Gruppe mit Hsiao-ning (13), Miri (12) und Dinda (10).
Quelle: Zoo Rostock, Fotos: Joachim Kloock