
„Platz ist in der kleinsten Hütte“, sagte Buchhändler Manfred Keiper bei seiner Begrüßung.

„Dinge, die wir heute sagten“ spielt in der fiktiven, vorpommerischen Stadt Bresekow, die in der Nähe von Anklam liegt. Nach dem Tod der alten Frau Hanske kommt ihre Tochter mit Mann und Kind zurück in den Ort. Das bringt das Dorfleben gehörig durcheinander. Es dreht sich alles um eine Vergewaltigung und andere Leichen, welche die Dorfbewohner im Keller haben.

In der anderen buchhandlung las sie eine Passage von Romy, der jüngsten Erzählfigur, und von Hartmut, der mittleren Altersgeneration. Bei der 17-jährigen Romy stehen die Schule und Themen wie Gefühle und Freundschaft im Mittelpunkt, an Hartmut konnte man vor allem Facetten des typischen Familienlebens erkennen.


Auch wenn sich die Uni mit diesem sehr heruntergekommenen Gebäude nicht von der besten Seite zeigte, waren doch viele Gäste gekommen, um der Poetikvorlesung von Judith Zander zu folgen. Am Anfang des Jahres wurde sie mit dem Sinecure Preis ausgezeichnet. Damit verbunden ist ein dreimonatiger Stipendienaufenthalt in Landsdorf auf dem Anwesen der Familie Schäfer. Diese vergeben den Preis, lassen sich aber von Universitätsprofessor Lutz Hagestedt beraten. Mit dem Preis verbunden ist diese Vorlesung und ein anschließendes Seminar in Landsdorf.
Der Vortag trug den Titel „Störquellen – Die Poetik des Rauschens“ und bewies eindrucksvoll, dass Judith Zander nicht nur auf dem Gebiet der Prosa bewandert ist. Die hochwissenschaftliche Darbietung behandelte die unterschiedlichen Formen von Rauschen, die Wirkung auf den Menschen und auch die Verwendung in Kunst und Literatur. Rauschen sei dabei „die Stimme aller Weltvorgänge, universell und nicht abstellbar“, so Zander.
Nach der anspruchsvollen Vorlesung ging es mit mehreren Autos nach Landsdorf, einem Ortsteil von Tribsees, wo im Gutshaus der Familie Schäfer, Judith Zanders Rostockreise ein Ende fand. Mehr Interessierte als eingeplant waren gekommen, um unter der Leitung von Lutz Hagestedt über die Texte der Autorin zu sprechen. Hausherr Gerd Schäfer betonte, dass Judith Zander der „bisher liebenswürdigste Gast war. Sie war ein feenhaftes Wesen, das durch den Park rauschte.“

Trotzdem war auch das Seminar, wie schon die Lesung, von einer positiven Stimmung geprägt. Die Autorin lachte häufig, die Gäste konnten sich amüsieren und auch Lutz Hagestedt schien seinen Spaß zu haben. Zum Abschluss hatte die Familie Schäfer noch Wein, Brot und Kürbissuppe zur Stärkung vorbereitet. Schließlich mussten die meisten Gäste wieder nach Rostock. Ein gelungener Abschluss für zwei gelungene Tage.