„Kunst offen“ 2011 in Rostock

Zu Pfingsten lassen Galerien und Künstler bei „Kunst offen“ die Besucher wieder „hinter die Kulissen“ blicken

11. Juni 2011, von
Die Blaudruck Galerie ist "Kunst offen"
Die Blaudruck Galerie ist "Kunst offen"

Den gelben Regenschirm, der über den „Kunst offenen“ Stätten hängt, könnte man am ersten Tag der Aktion zeitweise sehr gut gebrauchen, denn der immer wieder einsetzende Platzregen stört das anfangs gute Sommerwetter. Immerhin sind das aber perfekte Voraussetzungen, um die Rostocker Galerien und Werkstätten abzuklappern, die in diesem Jahr bei „Kunst offen“ mitmachen. Jedoch bleiben die Touristenmassen, die das als Alternative zur Ostsee sehen, aus. Die KTV und die östliche Altstadt wirken wie leer gefegt. Dafür ist die Haupteinkaufsmeile belebt. Schade, denn was einem an den Kunstorten geboten wird, lässt sich nicht mit den allgegenwärtigen Geschäftsketten vergleichen.

Kerstin Petzka bedruckt ihr Brotkorbdeckchen
Kerstin Petzka bedruckt ihr Brotkorbdeckchen

Der Besucher erhält hier nämlich die einmalige Gelegenheit, den Menschen hinter den sonst alleinstehenden Kunstwerken kennenzulernen oder selbst schöpferisch tätig zu werden.

So wie Kerstin Petzka in der Blaudruck Galerie. Der Künstler Reinhard Haase erklärt den Anwesenden die Arbeitsschritte des Blaudrucks, während die Rostockerin ein Stück Stoff selbst gestalten darf. „Das fertige Tuch nehmen wir als Brotkorbdecke“, erzählt Petzka. Bedruckt wird der Baumwollstoff mit blauer Textilfarbe, die auf sogenannte Model (Motivstempel) aufgetragen wird. „Viele davon sind noch aus DDR-Zeiten“, erklärt Haase. „Wir kaufen auch noch alte Model dazu. Manche Motive hat aber auch meine Frau entworfen.“ Am Ende des Drucks muss der Stoff noch gebügelt werden, und zwar „so lange, wie es dauert, eine Zigarette zu rauchen.“ Die gehärtete Farbe lässt sich nun auch nicht mehr auswaschen. Kerstin Petzka war schon häufig bei „Kunst offen“. „Oft sind wir einfach übers Land gefahren und haben die Ateliers und Werkstätten angesteuert.“ Die Blaudruck Galerie ist ihre letzte Station für heute und das selbst bedruckte Tuch darf sie natürlich als Erinnerungsstück mitnehmen.

Designerin Frieda von de Kyrschen verkauft einzigartige Mode
Designerin Frieda von de Kyrschen verkauft einzigartige Mode

Auch die Produzentengalerie „Artquarium“ macht dieses Jahr wieder bei „Kunst offen“ mit und hat gleich zwei gelbe Regenschirme vor ihre Tür gehängt. Leider sind auch hier wenige Besucher anzutreffen. Schade, gibt es neben der leckeren Erdbeerbowle doch auch schönen Schmuck, ungewöhnliche Holzarbeiten und einzigartige Kleider. Die Schneiderin mit dem Künstlernamen „Frieda von de Kyrschen“ näht zum Beispiel verspielte Röcke oder Blusen, die sich durch ihren Stil- und Materialmix von der altbekannten Einheitsmode unterscheiden. Die unverwechselbaren Einzelstücke gibt es noch diesen und nächsten Monat in der Galerie „Artquarium“ zu kaufen.

Anna Silberstein arbeitet fleißig im "Artquarium"
Anna Silberstein arbeitet fleißig im "Artquarium"

Anna Silberstein arbeitet währenddessen im hinten gelegenen Werkstattraum an Schmuckkreationen. „Ich mache eigentlich Goldschmiedearbeiten, aber im Moment auch sehr viel mit Acryl“, erklärt die Rostocker Künstlerin. Morgen und übermorgen ist die Galerie zwar geschlossen, aber die genannten Stücke können zusammen mit Bildern des Malers Zenic und Holzobjekten von Felix Teredow auch noch länger besichtigt werden. „Von den Künstlern ist auch sonst hin und wieder jemand da“, sagt Silberstein.

Porzellanarbeiten von Sandra Schmedemann
Porzellanarbeiten von Sandra Schmedemann

Auch in der KTV gibt es eine Anlaufstelle für kunstinteressierte Rostocker: das Atelier von Sandra Schmedemann. Sie und Mitausstellerin Juliane Kruse sind dieses Jahr zum ersten Mal bei „Kunst offen“ dabei.

„Den Ausstellungsraum gibt es in dieser Form auch erst seit Anfang 2011“, erklärt Schmedemann. In einer Hinterhofwerkstatt präsentiert sie ihre Porzellanstücke. „Ich habe erst eine handwerkliche Ausbildung gemacht und dann Industriedesign studiert. In meinen Stücken spiegeln sich deshalb zwei Arbeitsweisen wieder. Die klassische Drehscheibenmethode und das industrielle Gießen.“ Die Gipsformen für den Guss fertigt die Designerin selbst an und macht dadurch ihre Stücke noch einzigartiger.

Vor Kurzem hatte sie einen Stand auf dem „KTV macht blau“-Fest und konnte noch mehr Leute auf ihre Galerie aufmerksam machen. „Wir stecken ja noch in der Anfangsphase, da ist es nicht so schlimm, wenn nur wenige kommen“, sagt Schmedemann einschränkend. Vielleicht hilft „Kunst offen“ auch noch ein bisschen bei der Verbreitung der süßen Minivasen und bonbonfarbenen Teller.

Die Aktion „Kunst offen“ geht noch bis zum 13. Juni. Anlaufstellen in Rostock sind hier zu finden.

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