Neue Kunstwerke im Stadtbild Rostocks
Kunstbeirat berät über Kunst im öffentlichen Raum: Schreiender Hengst von Jo Jastram, neue Kunstwerke im Petriviertel und am Wendländer Schilde, Gedenkstätte für Mehmet Turgut und Matrosendenkmal waren Thema
10. Januar 2014, von Stefanie
Neue Kunstwerke sollen in der kommenden Zeit in Rostocks Straßen aufgestellt werden. Der schreiende Hengst von Jo Jastram am Kröpeliner Tor, gleich drei Kunstwerke für das neue Petriviertel, eins für den Platz am Wendländer Schilde in der östlichen Altstadt und weitere in Dierkow. Erneut beschäftigte sich der Rostocker Kunstbeirat auf seiner zweiten Sitzung mit Kunstwerken im öffentlichen Raum und sprach Empfehlungen zur Auswahl der Künstler, Standorte und Verfahrensweisen aus.
Spendenaufruf für den „Schreienden Hengst“ von Jo Jastram
Lediglich informieren ließ sich das fünfköpfige Gremium, das aus einem Künstler, einer Architektin, einem Landschaftsarchitekten und einer Vertreterin des Künstlerbundes MV besteht, über den Spendenaufruf für Jo Jastrams „Schreienden Hengst“. Die Bronzeplastik des 2011 verstorbenen Künstlers, der mit vielen weiteren Arbeiten die Kunst im öffentlichen Raum Rostocks prägt, soll vor dem Kröpeliner Tor aufgestellt werden. Der Platz an einem Ende von Rostocks bedeutendster Einkaufsstraße war erst Ende 2012 nach einer grundlegenden Sanierung fertiggestellt worden. Der Kunstbeirat hatte von Anfang an einen von der Familie des Künstlers bevorzugten prädestinierten Standort unterstützt. Im Herbst gab es bereits eine Probeaufstellung. Die Bedenken bezüglich der zahlreichen Versorgungsleitungen im Erdreich, die bei Bedarf schnell zugänglich sein müssen, und des Platzbedarfs des Rostocker Weihnachtsmarktes konnten mittlerweile ausgeräumt werden.
„Das ist eine hervorragende Stelle. Die Wirkung dieses dynamischen Pferdes wird hier eine sehr positive sein“, glaubt Prof. Dr. Wolfgang Methling von der Rostocker Kunststiftung, die diese Initiative mitträgt. Mit 120.000 Euro sind die Gesamtkosten zunächst veranschlagt. „Wir wissen nicht genau,,wie viel ein solches Kunstwerk kosten wird. Wir haben einen Rahmenvertrag“, erläutert Dr. Michaela Selling. Die Stadt beteiligt sich mit 30.000 Euro. Der Rest soll durch Spenden aufgebracht werden. „Wir möchten unseren Künstler, der hier Geschichte geschrieben hat, in unserem Stadtbild präsentieren, aber auch bürgerschaftliches Engagement wecken“, sagt die Kulturamtsleiterin und geht davon aus, dass das Kunstwerk vielleicht zum Ende des Jahres aufgestellt wird.
Drei Kunstwerke für das neue Petriviertel
60.000 Euro pro Kunstwerk sollen für drei Kunstwerke im Petriviertel zur Verfügung stehen. Die Rostocker Gesellschaft für Stadtentwicklung (RGS) hat dafür in dem Sanierungsgebiet zwischen Warnow und Stadtmauer, wo ein komplett neues Wohnquartier entsteht, insgesamt 300.000 Euro Fördermittel eingeplant. Im Frühjahr soll nun ein offener künstlerischer Wettbewerb ausgeschrieben werden, an sich dem Künstler mit Referenzen aus ganz Deutschland beteiligen können. Um auch namenhafte Künstler für diesen Wettbewerb zu gewinnen, werden sie teilweise gezielt eingeladen. Auf Empfehlung des Kunstbeirates sogar alle zwölf, die von Sarah Linke vom Amt für Kultur- und Denkmalpflege für eine Auswahl vorgestellt wurden. Eile sei für den Wettbewerb geboten, denn die Gelder verfallen, sobald die Straßen fertiggestellt und abgerechnet werden. Obwohl die architektonischen Gegebenheiten noch nicht fertig sind, sei die frühzeitige Einbeziehung der Kunst ein Vorteil, weil die Künstler schon im Vorfeld mit den Architekten und Landschaftsgestaltern Kontakt aufnehmen können. Der Vorstellungskraft der Künstler ist dies zuzutrauen, umgekehrt ließe sich auch die Gestaltung der Architektur und Landschaft durch die künstlerische Intervention inspirieren, entgegneten die Kunstbeiratsmitglieder Zweifel von einem Ortsbeiratsmitglied. Zwischen den beiden Phasen des Wettbewerbs sollen sich die Bewohner in einem öffentlichen Diskussionsforum dazu äußern können. Am Ende entscheidet schließlich eine Jury, welche drei Kunstwerke im Frühjahr 2015 im Petriviertel errichtet werden.
Studentenprojekt für den Platz am Wendländer Schilde
Unweit des Petriviertels soll am Wendländer Schilde ebenfalls ein neues Kunstwerk seinen Platz finden. Das Areal vor der Nikolaikirche wird derzeit aufwendig und denkmalgerecht saniert. Im Erdreich fand man dabei noch Spuren aus dem Mittelalter, alte Holzrohre und die Überreste des ehemaligen Mühlentors. Wie in der übrigen Östlichen Altstadt auch soll die Geschichte des Platzes in der Gestaltung eine Rolle spielen, ohne jedoch selbst historisierend zu sein. Eine Informationstafel wurde bereits entwickelt. Nun sollen Studenten der Kunsthochschule Kiel ein Kunstwerk entwickeln. Mit 12.500 Euro steht dafür ein vergleichsweise geringes Budget zur Verfügung. Ein Modell auch für zukünftige Projekte der Kunst im öffentlichen Raum? Darüber teilte sich die Meinung der Kunstbeiratsmitglieder. Während Kunsthistorikerin Dr. Katrin Arrieta sich davon frische Ideen verspricht, den pädagogischen Wert betont und die Qualität durch das Umfeld der Kunsthochschule als garantiert betrachtet, ist Landschaftsarchitekt Hannes Hamann eher skeptisch und plädiert dafür, ausreichend Mittel für öffentliche Projekte bereitzustellen, die es erlauben, mit professionellen Künstlern in einem Wettbewerb zu arbeiten anstatt mit Studenten. „Letztendlich“, so Künstler und Galerist Holger Stark, „müsse sich ein bleibendes Kunstwerk, das mit wenig Mitteln entstanden ist, den gleichen Kriterien stellen, wie eins, das ganz viel Geld gekostet hat.“
Gedenkstätte Mehmet Turgut und weitere künstlerische Gestaltungsprojekte in Dierkow
Bereits schon sichtbar vorangeschritten sind die Arbeiten an der Gedenkstätte für das NSU-Opfer Mehmet Turgut in Dierkow. Zum 10. Todestag am 25. Februar soll die vom Leipziger Schriftgestalter Tobias-David Albert gestaltete Fläche, auf der sich zwei Bänke gegenüberstehen, mit türkischen und deutschen Texten fertiggestellt sein.
Neben dem Wunsch nach einem neuen Kunstwerk für den Neubau des Stadtteilbegegnungszentrums in Dierkow, für das ein Budget von 40.000 Euro zur Verfügung gestellt wird, und einer Überarbeitung des Gedenksteins für Egon Schulz ließ sich der Kunstbeirat auch über den Zustand vorhandener Kunstwerke im öffentlichen Raum informieren.
Matrosendenkmal ist einsturzgefährdet
Insbesondere das Matrosendenkmal im Stadthafen bereite Sorgen. „Es wurde sehr stiefmütterlich behandelt. Mittlerweile ist es wirklich einsturzgefährdet“, erklärt Michaela Selling. Die Bronzeplastik selbst sei zwar intakt, jedoch haben sich die Innenräume des Sockels, in dem sich früher das Traditionskabinett befand, in eine Tropfsteinhöhle verwandelt. Die Bausubstanz ist marode und bröckelt bereits. Das Gelände wurde daher weiträumig abgesperrt. Nachdem die Bürgerschaft 150.000 Euro bereitgestellt hat, werden in den nächsten Wochen die Sanierungsarbeiten beginnen. Überlegt werde außerdem, ob die Innenräume zugeschüttet werden.