
In seinem 2005 erschienenen Werk „Der Grenz-Gänger“ schilderte er bereits von seinen Erlebnissen auf einer abenteuerlichen Reise entlang des ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens. Sein neues Buch ist wieder ein Reise-Erlebnisbericht. Diesmal wanderte er fünf Wochen entlang der Grenze von Ungarn, Kroatien, Serbien und Rumänien.


Eigentlich wollte er seine Reise durch Osteuropa ganz anders antreten. Geplant war eine Fahrt mit seinem Freund Willi auf einem alten Deutz-Traktor mit angehängtem DDR-Bastei-Wohnmobil. Willi hatte, da er etwas ängstlich war, auch schon „Pfefferspray besorgt und ein Zeckenklo gebaut“, meinte Scherzer. Dieses bestand aus einem Plastikstuhl, in dessen Sitzfläche ein Loch geschnitten war. So hätte man, ohne den Kontakt mit gefährlichen Zecken fürchten zu müssen, die wichtigen „Geschäfte“ erledigen können. Scherzer: „Willi hatte alles im Griff!“ Doch alles kam, wie so oft im Leben, ganz anders.
Willi fuhr der Traktor mitsamt dem alten Wohnmobil dann doch zu langsam und wer weiß schon, ob sie es damit überhaupt weit gebracht hätten. Jedenfalls drehte er kurzerhand um und unser Autor musste seine Reise doch allein antreten.
Nun berichtete er von seinen Abenteuern und las aus seinem Buch vor. Die Verständigung sei kein Problem gewesen. Da hätten seine Sprachkenntnisse vollkommen ausgereicht. „Das Schwierige war nicht die Sprache, sondern das Schlafen“, erzählte er. Um einen Schlafplatz zu finden, habe es zwei Möglichkeiten gegeben. Entweder er hätte sich abends zu den Männern in die Kneipe gesetzt und darauf gehofft, dass ihn, nachdem er etliche Runden ausgegeben hätte, einer von ihnen mit zu sich nach Hause nähme.

Landolf Scherzer setzte sich nebenbei bemerkt während der ganzen Lesung auch nicht ein einziges Mal auf den dafür vorgesehenen Platz. Obwohl es bei Thalia ganz bestimmt keine Zecken gibt. Aber wer so weit wandert und von so zahlreichen Erlebnissen zu berichten weiß, der hat sicherlich auch nicht gerade viel Sitzfleisch. Oder? Ich war vergnügt.
Wie er einer sehr armen, aber unheimlich gastfreundlichen Familie begegnete, deren Familienoberhaupt ein echter „Wohnstubenrennfahrer“ war, erfuhr ich dann. Die Begegnung Scherzers mit der Museumsleiterin Elfriede Klein im Lenau-Museum in Rumänien war eine ebenso heitere Geschichte. Die Leiterin erzählte dem Schriftsteller nämlich „was sie wirklich über den Dichter Lenau dachte“. Das war nichts Gutes. Dieser hätte nämlich zu vielen Frauen das Herz gebrochen und nicht heiraten wollen, erklärte die Frau.

Es war ein heiterer Abend, der im Wesentlichen auf Landolf Scherzers vergnügliche Rede- und Vortragsweise zurückzuführen ist. Mit einem Schmunzeln im Gesicht verließ ich die Thalia-Buchhandlung.