18 Uhr. Gespanntes Warten. Das Wetter ist angenehm, kein Regen, nicht zu kalt, ein leichtes Lüftchen weht. Es dämmert. Dann erklingt Musik, Rammstein. Feuer frei. Und ein Flammenkegel erhellt das Deck des Traditionsschiffs. Herzlich willkommen zur Langen Nacht der Museen 2010.
Zum ersten Mal gab es in diesem Jahr ein offizielles Auftaktevent, nämlich eine Feuershow mit dem Künstler „The Fire Drake“. Nachdem im letzten Jahr nicht so viele Gäste wie erhofft den Weg zum Museumsschiff genommen haben, wurde der Standortnachteil in diesem Jahr förmlich weggebrannt. Etwa 300 Menschen wollten wissen, ob die Feuershow das Schiff in Brand setzt. Zum Glück ist dies nicht passiert, auch wenn Feuer gespuckt wurde, brennende Kugeln durch die Luft sausten und Funken sprühten.

Alexander Kiencke, traditioneller Holzschiffbauer und Betreuer der museumspädagogischen Angebote, hatte dazu auch eine Reeperbahn aufgebaut. Dort wurden jedoch keine leichten Mädchen gezeigt, sondern wie man Seile herstellt. Drei dünne Hanfschnüre werden zu einem dickeren Seil gedreht. Mit diesen Seilen konnten die Kinder dann auch gleich alte Seemannsknoten üben.

Die Interessengruppe Rostocker Nahverkehrsfreunde hat in Zusammenarbeit mit der RSAG das alte Straßenbahndepot in Marienehe zu einem Museum umgewandelt. Der Vorsitzende der Interessengruppe, Ulrich Rohde, führte die Gäste durch die Räumlichkeiten und zeigte die alten Fahrzeuge. „Bis auf zwei Ausstellungsstücke sind alle Busse und Bahnen noch fahrtüchtig. Sogar die älteste Bahn, der Wismarer Triebwagen aus dem Jahr 1926, ist noch einsatzbereit.“


Dieses zeigte eine Sammlung von Skulpturen der Griechen und Römer. Eine Premiere, denn die eigentliche Ausstellungseröffnung findet erst im nächsten Jahr statt, wie mir Kustodin Dr. Jutta Fischer berichtete. „Es ist vor allem eine Lehrsammlung. Dadurch, dass alles Abgüsse sind, kann man damit im Rahmen des Studiums auch experimentieren.“ Viele der Ausstellungsstücke sind auch eine Dauerleihgabe der Universität Greifswald, da das dortige Institut für Altertumswissenschaft geschlossen wurde.
Inzwischen war es 22 Uhr und noch immer hatte ich die Innenstadt vor mir. Eigentlich wollte ich direkt in das Kulturhistorische Museum, entschied mich dann aber spontan für einen kurzen Abstecher in die Zoologische Sammlung der Universität. Und das war eine gute Entscheidung, denn dort gab es unglaublich viel zu sehen.
Zum einem wurde die Sonderausstellung mit dem Thema „Schönheit und Artenvielfalt im Tierreich“ präsentiert. Es gibt ungefähr 15 bis 20 Millionen Tierarten auf der Erde. Von 50.000 gibt es in der Zoologischen Sammlung Präparate. In der Sonderausstellung geht es vor allem um die Frage, was Schönheit ist und welche Funktion sie im Tierreich hat.

Der Direktor des Instituts für Biowissenschaften, Prof. Dr. Stefan Richter, war hocherfreut über die vielen Besucher. „Es wäre nur noch besser, wenn die Leute nicht nur zur Langen Nacht der Museen kämen, sondern auch an normalen Tagen.“ Ich denke, das werde ich demnächst auch noch mal tun, denn obwohl ich mir längst nicht alles angeschaut habe, musste ich doch weiter zu meiner letzten Station, dem Kulturhistorischen Museum.

Als ich um 23 Uhr ankam, sprach Dr. Steffen Stuth, der Museumsleiter, gerade über gekrönte Häupter auf Metall. Es ging um Münzen und die Geschichten, die hinter den Motiven stehen. So bekam ich sogar zum Abschluss des Abends noch einen Vortrag über die Münzgeschichte, begonnen bei Kaiser Karl.

Die Studenten der Hochschule für Musik und Theater setzten damit einen gelungen Schlusspunkt, der durch die fantastische Akustik der Kirche noch verstärkt wurde. Einige Gäste hatten die Augen geschlossen. Ob sie nur die Musik mehr auf sich wirken lassen wollten oder aber so erschöpft von der langen Nacht waren, kann ich nicht beurteilen.
Pünktlich um Mitternacht war das Konzert vorbei. Und auch, wenn noch einige Standorte geöffnet hatten, entschied ich mich den Heimweg anzutreten. Sechs Stunden Kultur haben ganz schön geschlaucht, aber auch sehr viel Spaß gemacht. Es war eine gute Organisation, wirklich jeder, mit dem ich gesprochen habe, war freundlich und hilfsbereit und auch die Gäste waren interessiert und entspannt. Die angestrebte Zahl von 4.000 Besuchern dürfte mindestens erreicht worden sein und somit kann die fünfte Lange Nacht der Museen wieder als voller Erfolg verbucht werden.

Auftakt der Langen Nacht der Museen 
Traditionsschiff bei der Langen Nacht der Museen 2010 
Illuminiertes Traditionsschiff 
Ulrich Rohde im Depot 12 
Schönheit und Artenvielfalt im Tierreich in der Zoologischen Sammlung der Universität