Lange Nacht der Museen 2011 in Rostock

Rostocks Schatzkammern locken bis nach Mitternacht neugierige Nachtschwärmer in die Ausstellungen

30. Oktober 2011, von
Kloster zum Heiligen Kreuz in der Langen Nacht der Museen 2011
Kloster zum Heiligen Kreuz in der Langen Nacht der Museen 2011

Eine lange Nacht liegt hinter uns. Heute Morgen um 3 Uhr wurde die Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Viele nutzten die „geschenkte Zeit“ um länger zu schlafen, andere hingegen dehnten ihre Nachtausflüge aus und gingen erst später ins Bett. In Rostock gab es dafür schließlich einige interessante Anlaufpunkte. So luden gestern Abend 13 museale Einrichtungen teilweise bis nach Mitternacht neugierige Besucher in ihre Häuser.

Gut hundert von ihnen zog es um 18 Uhr auf das Traditionsschiff, wo die Lange Nacht der Museen 2011 offiziell eröffnet wurde.

Die Warnow Wölfe bei der Wikingernacht auf dem Traditionsschiff
Die Warnow Wölfe bei der Wikingernacht auf dem Traditionsschiff

Passend zu der Sonderausstellung des Schiffbau- und Schifffahrtsmuseums „Unsinkbar. Das Wikingerschiff in Werbung, Kunst und Alltag“ stand diese ganz im Zeichen des kriegerischen Seefahrervolkes aus dem Norden. Für Leben und Action angesichts der stillen Exponate sorgten die Warnow Wölfe. Eine Gruppe junger Männer, die sich in ihrer Freizeit mit der Wikingerkultur beschäftigen und auf Märkten und Veranstaltungen wie der Langen Nacht der Museen ihre frühmittelalterliche Kampfkunst und Ausrüstung präsentieren.

Ask und Embla erzählen von der Wikingerzeit während der Langen Nacht der Musseun im Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum
Ask und Embla erzählen von der Wikingerzeit während der Langen Nacht der Musseun im Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum

Einen Krieger mit Hörnerhelm, so wie es dem populären Bild eines Wikingers entsprechen würde, erwarten die Zuschauer jedoch vergeblich. „Wir haben schon das Bestreben, dass das Ganze authentisch ist oder zumindest irgendwo belegt ist“, erklärte Warnow Wolf und Geschichtsstudent Sebastian Mill den Anspruch der Performance, bei der auch die beiden Handpuppen Ask und Embla vom Heidentheater tatkräftig mitwirkten. Zwei Zeitreisende, die sich bestens mit dem vorchristlichen Alltag der Wikinger auskennen und den Kindern im Publikum erzählen können, dass es damals noch keine Hausaufgaben gab.

Besucher der Langen Nacht der Museen lassen sich im Kulturhistorischen Museum in historischen Gewändern fotografieren
Besucher der Langen Nacht der Museen lassen sich im Kulturhistorischen Museum in historischen Gewändern fotografieren

In eine andere Zeit versetzt fühlen konnten sich auch die Besucher im Kulturhistorischen Museum im Kloster zum Heiligen Kreuz, die sich in historischen Kostümen ablichten ließen. „Bitte nicht lächeln!“, rief Fotograf Frank Neumann einem jungen Pärchen zu. „Heute würde man lächeln. Wenn man sich jedoch Fotos von vor 120 Jahren anschaut – und das wollen wir hier nachstellen – dann hat man im Allgemeinen steif und fast ein bisschen arrogant, aber würdevoll geguckt“, erklärt er nach der kurzen Fotosession.

Genau achtet er darauf, dass Zahnspangen, Kaugummis und andere Insignien der heutigen Zeit sich nicht ins Bild schleichen. Schließlich sollen die Damen in langem Kleid und unter einem kunstvollen Hut sowie die Herren mit schwarzem Frack und Zylinder der Mode des ausgehenden 19. Jahrhunderts entsprechen. Positioniert vor einer Leinwand, die das alte Ägypten darstellt und riesigen alten Koffern, soll das Foto von der damals aufkommenden Reiselust in ferne Länder erzählen. Wer mehr darüber wissen wollte, konnte gleich die Ausstellung „Reisen und Erobern“ in der unteren Etage besichtigen.

Viele Besucher der Langen Nacht der Museen nutzten die Gelegenheit sich die frisch sanierten Räumlichkeiten und die teilweise neu eröffneten Ausstellungen des Kulturhistorischen Museums anzuschauen.

Museumsleiter Dr. Steffen Stuth hält einen Vortrag über die Universitätskirche
Museumsleiter Dr. Steffen Stuth hält einen Vortrag über die Universitätskirche

Vorträge, Führungen und kulturelles Begleitprogramm bereicherten das nächtliche Museumserlebnis nicht nur im mittelalterlichen Kloster, sondern auch andernorts. Ob in der Societät, der Marienkirche, der Universität mit ihrer Zoologischen und Skulpturen-Sammlung, im Kempowski-Archiv, dem Depot 12, in der Kunsthalle oder im Edvard Munch-Haus, im Heimatmuseum, auf dem Leuchtturm oder in der Kirche von Warnemünde – Tausende Nachtschwärmer nutzten die Veranstaltung, um sich auf die Spuren der Geschichte zu begeben.

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