„Never judge a city by its Bahnhofsviertel.” Dies ist nur eine der vielen Weisheiten, die Volker Strübing heute in der „anderen buchhandlung“ zu Gehör brachte. Der Schriftsteller, Musiker und Vorleser hatte die große Aufgabe, die 25. Rostocker Kulturwoche zu eröffnen. Mit viel Witz und tollen Texten meisterte er die Angelegenheit mit Bravour und sorgte für heitere Stimmung bei den rund 100 Gästen.
Volker Strübing bezeichnet sich selbst als einen „der weltweit unbekanntesten Popstars.“ Seit 15 Jahren singt und schreibt er schon bei verschiedenen Lesebühnen, unter anderem der LSD (Liebe statt Drogen), die er auch selbst mitgegründet hat. Und 15 Jahre hat es auch gedauert, bis er das erste Mal literarisch in Rostock zu Gast war. Zu seiner Premiere vor ausverkauftem Haus brachte er kurze Geschichten mit, die teilweise auch in seinen Büchern zu finden sind. Der Popstar blieb jedoch in der Schublade, möglicherweise wegen der Erkältung, die ihm sichtbar zusetzte.

Der Berliner schaffte es nicht nur durch die genial beobachteten Erzählungen die Gunst des Publikums zu gewinnen, sondern auch durch eine überzeugende Vortragsweise. Er verlieh den Figuren durch Stimmnuancen einen ganz eigenen Charakter. Man merkte, dass er schon lange Poetry-Slam-Erfahrung sammeln und dabei auch schon diverse Preise gewinnen konnte.

Im Laufe des sehr unterhaltsamen Abends erfuhr man auch viel über den Künstler selbst. So sei es für ihn besser, 40 statt 39 Jahre alt zu sein und „okay, an gebrochenem Herzen zu sterben, jedoch nicht als Jungfrau.“ Weiterhin erfuhren wir, warum er nicht mehr lange im Berliner Stadtteil „Prenzlauer Berg“ wohnen wird und wie er den Entschluss fasste, Serienmörder zu werden – beides hängt mit einer ausverkauften vegetarischen Tiefkühlpizza zusammen. Wie viele der vorgestellten Geschichten jedoch auf wahren Begebenheiten beruhen, wollte Strübing nicht verraten.
Als letzten Text vor den Zugaben las er „Fleischsalat.“ „Dieser Text ist für mich das, was Fiesta Mexicana für Rex Gildo war“, verriet der Autor. So wird er immer wieder darauf angesprochen und ein Zuschauer brachte dem Berliner sogar eine Packung Fleischsalat zur Lesung mit. In dem Text geht es darum, wie ein Mann seiner Freundin mit dem Satz: „Hier Schatz, Fleischsalat“ seine Zuneigung zeigen will.

Neben dem Poetry Slam gibt es auch noch viele weitere spannende Veranstaltungen im Rahmen der Kulturwoche. Und für die meisten gibt es sogar noch Karten. Der Auftakt mit Volker Strübing hat auf jeden Fall schon einmal Lust auf mehr gemacht.