Es sei eine „Einladung zur Wahrnehmung“, sagte Inka Parei nach ihrer Lesung über ihren aktuellen Roman „Die Kältezentrale“. In dem nur knapp 200 Seiten starken Buch erzählt sie von einem persönlichen Schicksal, streift die Geschichte der DDR, gibt Einblicke in ihr Zentralorgan „Neues Deutschland“ und beleuchtet eine Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Eine Kostprobe, wie man so viel Stoff in einem Buch unterbringen kann, gab die Berlinerin heute bei ihrer Lesung in der anderen buchhandlung.
Inka Parei ist die erste Kandidatin, die im Wettbewerb um den Preis der diesjährigen LiteraTour Nord antritt. Nachdem Wilhelm Genazino vor drei Wochen die Reihe zum Jubiläum außerhalb der Wertung eröffnete, werden nach Inka Parei noch vier weitere Autoren in Rostock lesen, abwechselnd im Peter-Weiss-Haus und der anderen buchhandlung. Neben Rostock macht die Tour noch in fünf weiteren Städten halt und am Ende wählt eine Jury den Sieger. Eine Stimme hat wie immer auch das Publikum. Diese stimmte in den letzten Jahren immer mit dem Gesamtsieger überein.

In dem aktuellen Buch steht ein namenloser Protagonist kurz vor seinem mentalen Zusammenbruch. Dabei muss er doch eine Kette von Rätseln lösen, um seiner Ex-Frau zu helfen, die an einer mysteriösen Krankheit leidet. Er selbst sagt: „Mir bleiben noch 12 Stunden Zeit, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.“

Dieser wirft ihn so aus der Bahn, dass sich sein gesamtes Leben ändert. Er gibt sich selbst eine Mitschuld an dem Vorfall. Bei den Recherchen zu einem Lastwagen, der scheinbar radioaktiv verseucht war und seine ehemalige Frau krankgemacht zu haben scheint, findet er jedoch heraus, dass einige Dinge damals ganz anders waren. Seine Wahrnehmung hat ihn getäuscht.

Das für die LiteraTour Nord typische Gespräch mit Professor Lutz Hagestedt war dieses Mal sehr aufschlussreich. Er gab sofort zu Beginn dem Publikum die Chance, das Wort zu ergreifen, was jedoch niemand tat. So öffnete er das Gespräch mit dem Thema Eigenarten im Stil der Autorin. Es ging weiterhin um die Besonderheit, dass eine Autorin aus Westdeutschland ein Buch über die DDR schreibt. Dabei betonte Parei, dass dies für sie auch ein Lernprozess sei und daher die Recherche auch einen Großteil der Arbeit einnehme.

So auch die abschließende Frage, ob man nun wieder fünf Jahre auf ein neues Buch warten müsse. „Ursprünglich hatte ich einen Roman über Kleist geplant. Da dies aber auch wieder viel Recherche verlangt, spiele ich mit dem Gedanken, etwas aus meinem unmittelbaren Umfeld zu erzählen. Dann könnte es etwas schneller gehen.“ Wir sind gespannt und freuen uns, Inka Parei mit ihrem neuen Roman hoffentlich auch wieder in Rostock begrüßen zu können.