Mince pies #3 in der Galerie wolkenbank

Gruppenausstellung „archer“ zeigt Arbeiten von Christoph Rodde, Lucia Schoop, Wolfgang Müller, Tanja Zimmermann, Tino Bittner und Ulrike Mund zum bekannten Rostocker Pfeilstorch

2. Dezember 2012, von
Ausstellung Mince pies #3 in der Galerie wolkenbank
Ausstellung Mince pies #3 in der Galerie wolkenbank

Naturkunde mal anders. Zur dritten Auflage der alljährlichen Jahresabschlussausstellung Mince pies in der Galerie wolkenbank haben sich sechs Künstler auf kreative Weise mit dem Rostocker Pfeilstorch auseinandergesetzt. Unter dem Motto „archer“ gibt es Objekte, Druckgrafiken, Soundinstallationen und weitere vielfältige Interpretation des berühmten Tieres, das sich in der Zoologischen Sammlung der Universität Rostock befindet.

Als im Jahr 1822 ein Weißstorch mit einem Pfeil im Hals erlegt wurde, war das eine wissenschaftliche Sensation. Da es sich zweifelsfrei um einen afrikanischen Pfeil handelte, konnte man belegen, dass die Tiere im Winter nach Süden ziehen. Vorher gab es wilde Spekulationen, unter anderem, dass sie sich in Sümpfen verstecken oder zu Mäusen werden.

"geheime Flugroute 1" von Tanja Zimmermann
"geheime Flugroute 1" von Tanja Zimmermann

Den Aspekt des Vogelzugs hat Tanja Zimmermann in das Zentrum ihrer Arbeiten gelegt. Bei „geheime Flugroute 1“, einer Ei-Tempera-Malerei, zeigt sie die Welt von oben, aus der Sicht des Vogels. Es begeistert sie, wie die Tiere sich orientieren können und immer wieder nach Hause zurückkehren. „Wir haben selbst ein Nest vor dem Haus und ich glaube, es ist immer der gleiche Storch, der für einen Tag dort seinen Zwischenhalt einlegt“, erzählt die Künstlerin.

"Arrows" von Tino Bittner
"Arrows" von Tino Bittner

„Ich wollte bewusst nichts zum Thema Storch machen“, erzählt Tino Bittner. Der Schweriner zeigt fünf Objekte aus der Serie „arrows“, die anhand von Pfeilen, Kabeln und Zielscheiben Prozesse der menschlichen Kommunikation andeuten. Sehr technisch und mit feinem Humor zeigt er, dass nicht jeder Schuss genau ins Schwarze geht.

Der Berliner Wolfgang Müller zeigt nicht nur 14 Zeichnungen aus der Reihe „Wandertaube“, sondern auch eine sehr spannende Videoinstallation. „Séance 2 – ein Gebärdenspiel“ lässt längst ausgestorbene Vogelarten wieder lebendig werden. Aus den detaillierten Beschreibungen der Tierlaute konstruierte er einen Text, der in einem Video in Gebärdensprache wiedergegeben wird. Besucher der Ausstellung sehen also, wie sich bestimmte Vögel mal angehört haben könnten.

Mince pies #3: Christoph Rodde, Galerist Holger Stark, Tanja Zimmermann, Kuratorin Claudia Wanda Reichardt, Wolfgang Müller, Ulrike Mundt und Tino Bittner
Mince pies #3: Christoph Rodde, Galerist Holger Stark, Tanja Zimmermann, Kuratorin Claudia Wanda Reichardt, Wolfgang Müller, Ulrike Mundt und Tino Bittner

Ebenfalls akustisch geht es bei Ulrike Mundt zu. Zwei große Lautsprecher hängen unter der Decke wie der Storch in der Luft. Aus ihnen kommen die bekannten Laute, die dem Vogel den Spitznamen Klapperstorch verpasst haben. „Ich habe die Geräusche selbst aufgenommen und dann am Computer nachgestellt, damit sie eine technischere Komponente bekommen“, erzählt Ulrike Mundt.

Komplettiert werden die dritten Mince pies von Lucia Schoop, die in ihren drei Drucken mit dem Titel „den Vogel abschießen“ kriegerische Auseinandersetzungen mit dem Thema der Vogeljagd kombiniert, und Christoph Rodde. Er lässt den „Adebar“ aus der Fabel zum Ende seiner Reise in das beleuchtete Gasthaus „Zum Schuss“ einkehren, wo es frischen Frosch als Delikatesse gibt.

"Adebar" von Christoph Rodde
"Adebar" von Christoph Rodde

Zum ersten Mal hat Galerist Holger Stark die Mince pies nicht selber kuratiert, sondern die Aufgabe an Claudia Wanda Reichardt abgegeben. „Ich fand den Pfeilstorch einfach ein sehr spannendes Thema, das auch gut nach Rostock passt“, erzählt die Dresdenerin. Die Arbeiten, die komplett unabhängig voneinander entstanden sind, ergänzen sich in ihrer Andersartigkeit und bilden so einen gelungenen Jahresabschluss für die Galerie in der Östlichen Altstadt.

„Es war ein gutes Jahr. Wir haben viele neue Leute erreicht, darunter auch Fachpublikum“, resümiert Holger Stark. Er will neben der Arbeit als Galerist auch weiterhin vor allem die künstlerischen Netzwerke fördern und ausbauen, wozu auch die jetzige Ausstellung beiträgt. „Für das kommende Jahr sollen nicht nur weitere professionelle Kooperationen entstehen, sondern auch kommerzielle Aspekte ausgeweitet werden“, erzählt Holger Stark.

Bis zum 12 Januar 2013 kann man sich die Mince pies #3 in der Galerie wolkenbank anschauen. Danach geht das Haus in eine wohlverdiente Winterpause.

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