„Da war ich natürlich glücklich“, erinnert sich Jürgen Reich an den Moment, als er in früher Morgenstunde in einem Moor in der Nähe Rostocks Wollgras fotografierte. Allein der weiße Wollschopf, dessen lange, feine Haare sich sanft im Morgengrauen wiegen und von der noch tief stehenden Sonne in magisches orange-goldenes Licht getaucht wird, wäre ja schon ein bezauberndes Motiv gewesen. Der Clou jedoch kroch gerade aus dem Wollschopf heraus, als der Naturfotograf seine Kamera auf das Wollgras richtete: ein grünes Heupferd. Es hatte darin Unterschlupf gefunden und wollte wohl gerade ans wärmende Morgenlicht. Doch es bemerkte gleich, dass etwas nicht stimmte, und wollte ganz schnell wieder zurück, erzählt Jürgen Reich, der diesen glücklichen Moment fotografisch festhielt.
44 weitere wunderschöne Natur-Momentaufnahmen können derzeit in der 11. Etage des Behördenzentrums in der Südstadt besichtigt werden. Noch bis zum 22. Februar stellt das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StALU MM) auf seinen Fluren Fotografien der Regionalgruppe IX der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT) aus.

Mittlerweile gehe es den Mitgliedern der GDT auch nicht mehr in erster Linie darum, wissenschaftliche oder dokumentarische Fotografien zu erzeugen. „Uns geht es darum, emotional wirksame Bilder zu erzielen, die letztlich den Betrachter dazu bringen, auch etwas von der Verletzlichkeit der Natur zu empfinden und sich schließlich auch für deren Schutz starkzumachen“, erklärt Lothar Wölfel.

Um so erstaunlicher ist daher, welche Aufnahmen den 20 Fotografen, deren Bilder ausgestellt wurden, gelungen sind. Drei sich in der Luft balgende Seeadler; ein Sperber, der sich Wasser aus dem Gefieder schüttelt; ein Spinnennetz mit Raureif; Kraniche im dicken Morgennebel und viele weitere faszinierende Motive haben sie in den letzten fünf Jahren abgelichtet.
Action im Tierreich, aber auch idyllische und teilweise auch recht mystische Detail- und Landschaftsfotografien aus allen vier Jahreszeiten gewähren dem Betrachter Einblicke in die Natur, die gar nicht so weit von uns entfernt ist. Die Moore, Wälder und Küsten Mecklenburg-Vorpommerns boten den Fotografen zahlreiche Gelegenheiten, derartige Beobachtungen mit der Kamera festzuhalten.

Um den Gespensterwald von Nienhagen so fotografisch in Szene zu setzen, wie es Jürgen Reich getan hat, muss man zum Beispiel genau das richtige Wetter abpassen. Denn nur im Winter, wenn es von Norden her schneit, sind die Stämme so schön weiß, wie es auf seiner Fotografie zu sehen ist. Die roten Herbstblätter verleihen der Abbildung darüber hinaus ihren besonderen Reiz.

Aber keine Sorge – die Tiere wurden dabei nicht gestört. Denn die Mitglieder der GDT halten sich an einen Ehrenkodex. „Es geht immer zuerst um die Natur und dann das Bild. Es geht nie darum, aufgrund eines übertriebenen Ehrgeizes die Natur zu schädigen“, versichert Dr. Lothar Wölfel.
Na dann kann man sich ja mit ruhigem Gewissen an den Fotografien der Ausstellung „Natur-Momentaufnahmen“ erfreuen, in der die Natur übrigens nicht nur als verletzlich, sondern auch als ziemlich stark dargestellt wird.