Im Rahmen der LiteraTour Nord fand am späten Dienstagabend erneut eine spannende Lesung in der „anderen Buchhandlung“ statt. Dies war nun schon die dritte Lesung in Rostock und auch die dritte Station für die junge Autorin Nora Bossong, die ihr Buch in sechs norddeutschen Städten präsentiert.
Lesungen in der „anderen Buchhandlung“ haben immer einen sehr gemütlichen Charakter. Man muss ein wenig zusammenrücken zwischen den hohen Bücherregalen, aber jeder findet einen Platz und jeder sitzt nah am Geschehen.


„Webers Protokoll“ handelt von dem Diplomaten Weber, der unter Hitler Vizekonsul in Mailand ist und dessen Leben in der heutigen Zeit bruchstückhaft wieder zusammen gesetzt wird. Im Buch wird deutlich, dass Weber keinesfalls ein Unmensch, aber doch ein Könner im Wegsehen und Ausblenden ist. Dabei macht Weber während seiner Geschichte auch Begegnungen mit anderen literarischen Figuren. Diese Begegnungen hält die Autorin für sehr „wahrscheinlich“, da sie literarische Personen für genauso real wie im richtigen Leben halte.

Nora Bossong glaubt nicht an diesen Trend, kann aber glaubhaft erklären, warum sie ihren Roman gerade diesem Thema gewidmet hat. In „Webers Protokoll“ führt sie zwei Themen zusammen, die sie gleichermaßen stark interessieren. Zum einen das diplomatische Milieu, zum anderen der Übergang der 40er und 50er Jahre, in der die Unverwüstlichkeit und Anpassungsunfähigkeit der Menschen deutlich wird. Die vorgekaute und auswendig gelernte Meinung anderer habe sie während ihrer Schulzeit wütend gemacht und schließlich dazu gebracht, sich selbst damit intensiv auseinander zu setzen.

Der Abend endet in persönlichen Gesprächen mit der Autorin, die gerne ihre Bücher signiert. Nach Jochen Schimmang und Angelika Overath war mit ihr sicher ein weiterer Favorit für den Publikumspreis der LiteraTour Nord zu Gast.